TOP-THEMA

 

Drei Feuer - alles verloren

"Wie soll das ein Mensch ertragen?"

29. April 2010 | 09:23 Uhr | Von Karsten Sörensen

Alles Möbel, die Heinz J. noch hatte, verbrannten in diesem Schuppen in Busdorf. Foto: Sörensen

Bild 1 von 4
Bei einem Feuer vor einem halben Jahr hat ein Rentner-Ehepaar fast alles verloren. Die letzten Habseligkeiten wurden jetzt ein Opfer neuer Flammen.

"Mit dem heutigen Tage verlieren meine Frau und ich den Rest unserer Habseligkeiten", sagt der sichtlich betroffene Rentner mit leiser Stimme. Heinz J., 68 Jahre aus Schleswig. Ein Brand zerstörte im Sommer 2009 die Wohnung in der Schleswiger Gutenbergstraße. Alles, was das Ehepaar retten konnte, war für die Dauer der Renovierung in Busdorf (Kreis Schleswig-Flensburg) untergestellt. Am Mittwoch hat es auch in der Lagerhalle gebrannt. Heinz J. und seine Frau haben nichts mehr.

Als der Mann am Mittwochnachmittag auf dem Grundstück seines Elternhauses nach dem Rechten sehen will, machen ihn zwei Nachbarkinder auf hellen Feuerschein an einer Lagerhalle des Anwesen aufmerksam. Es ist das dritte Feuer, das Heinz J. unverschuldet vors Nichts stellt.

Rauchwolke schon von weitem sichtbar

Sofort informiert der leidgeprüfte Mann die Feuerwehr, Löschkräfte aus Busdorf, Dannewerk, Fahrdorf, und eine Besatzung der Schleswiger Brandschützer rücken unter schwerem Atemschutz zum Einsatzort aus.

"Bereits von weitem war eine schwarze Rauchwolke über Busdorf sichtbar", berichtet Einsatzleiter Kay-Michel Heil. Kräfte aller eingesetzten Wehren hatten das Feuer nach einer Stunde unter Kontrolle. "Diverse Möbel sowie unterschiedliches Inventar und Lagergut verbrannten in den Anbauten eines Einfamilienhauses an der Bergstrasse", berichtet der Busdorfer Wehrführer. Möbel und Inventar von Heinz J. und seiner Frau. Das letzte, was sie hatten.

Wehrführer kennt Schicksal des Rentners

Der 68-jährige Eigentümer wird während der Löscharbeiten vom Rettungsdienst betreut. "Ich traute meinen Augen kaum", erzählt Wehrführer Sönke Schloßmacher aus Schleswig. Er hat Heinz J. erkannt. Im Sommer 2009 wurde die Familie J. aus einem brennenden Mehrfamilienhaus an der Gutenbergstrasse gerettet. In einer Wohnung im ersten Stock war ein Feuer ausgebrochen, schnell fraßen sich die Flammen durch die Decke und breiteten sich auch auf die oberen Stockwerke bis zur Wohnung der jetzt wieder betroffenen Familie aus.

"Für die älteren Mitglieder der Schleswiger Wehr ist Heinz J. kein Unbekannter. Bereits während der Schneekatastrophe 1978/79 gab es im gleichen Mehrfamilienhaus ein Großfeuer", erinnert sich Schloßmacher. "Damals reichte unsere Drehleiter nicht bis in das Dachgeschoss hinauf, die Freiwillige Feuerwehr Rendsburg kam zur Personenrettung mit ihrer Drehleiter bei Glatteis und Schnee." Mieter Heinz J. hing bei seiner Rettung mit beiden Händen nur noch an der Dachrinne, "seine Hilfeschreie waren bis in das entfernte Haddeby bei Schleswig zu hören", berichtet Schloßmacher. Der Weg nach unten war dem damals 37-jährigen Mann durch das Feuer komplett abgeschnitten. "Diese Bilder werden die Kollegen wohl nie vergessen können. Und nun muss die Familie erneut von vorne anfangen, es ist ein Trauerspiel."

"Wir sind auf uns allein gestellt"

Noch während der Löscharbeiten in Busdorf nahmen Beamte der Schleswiger Kriminalpolizei erste Ermitllungen auf. Der entstandene Sachschaden wird von der Feuerwehr auf etwa 50.000 Euro geschätzt. Der Brandort wurde beschlagnamt.

Heinz J. ist auch enttäuscht von seinen früheren Nachbarn: "Nach dem zweiten Feuer im letzten Jahr bei uns in der Schleswiger Innenstadt haben sich die Bürger liebevoll um die ausgebrannte Familie im ersten Stock unseres Hauses gekümmert. Nach uns hat aber keiner gefragt. Wir waren auf uns allein gestellt." Für die fünfköpfige Familie habe es sogar eine Spendenaktion gegeben. Heinz J. und seine Frau müssen hingegen alleine klar kommen: "Wir liegen heute noch im Rechtsstreit mit unserem Hauseigentümer und Vermieter über vermeintliche Kosten und Schadensleistungen des Brandes."


 

Leserkommentare

 


Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu schreiben. Anmelden

Warum muss ich mich anmelden/registrieren?

shz.de distanziert sich prinzipiell von allen in den Leserkommentaren geäußerten Meinungen ohne Rücksicht auf deren Inhalte. Alle Beiträge in den Leserkommentaren geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen der User wieder.

Bitte beachten Sie unsere Richtlinien für Kommentare!



 
 

SH-REISE

1000 Tipps für schöne Tage im Norden!
Der Norden hat viel zu bieten: In "1000 Tipps für einen schönen Tag in Schleswig-Holstein" finden Sie die schönsten Seiten des Landes und lernen geheime Attraktionen kennen. Einige haben wir hier für Sie.

 

 

LANDTAGSWAHL 2012

 

Beilagen der Woche

 
     

    "HERBIE" IN RENDSBURG

    Grönemeyer kommt nach Rendsburg!
    Alle wichtigen Informationen zum Konzert erhalten Sie hier.

     

    Nachrichtenticker

     

    Meistgelesene Artikel

     



     
    HÄUFIG GELESEN

    Drei Tote bei Verkehrsunfällen im Norden

    Drei Menschen sind am Donnerstag bei Verkehrsunfällen in Hamburg und Schleswig-Holstein ums Leben ...mehr

     
     


    KONTAKT | IMPRESSUM | AGB | DATENSCHUTZ