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Brandserie

Sylter Feuerteufel festgenommen

22. August 2010 | 17:58 Uhr | Von shz.de/dpa/shs/rtn/ksö

Geduckt und unter einer Decke wird der Tatverdächtige in einen Polizeiwagen gebracht. Foto: dpa

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Die mysteriöse Brandserie auf Sylt ist aufgeklärt. Bei neuen Bränden in der Nacht zu Samstag nahm die Polizei einen Verdächtigen fest, der für alle 17 Feuer verantwortlich sein soll.

Die Staatsanwaltschaft hat gegen einen Mann, der nach den Bränden auf der Urlaubsinsel Sylt festgenommen worden ist, Antrag auf Haftbefehl gestellt. Nach Abschluss der bisherigen polizeilichen Ermittlungen und den Angaben des 46-jährigen Beschuldigten besteht dringender Tatverdacht, teilte die Husumer Polizeisprecherin Kristin Stielow am Samstagabend mit. In Absprache mit der Staatsanwaltschaft Flensburg werden weitere Erklärungen und Informationen erst im Laufe des Montags bekanntgegeben werden können, hieß es. Ein Haftrichter in Flensburg hat am Sonntag entscheiden, dass der Tatverdächtige in U-Haft muss.

Es handle sich bei dem mutmaßlichen Täter nicht um einen Gast oder Touristen, sagte Polizeisprecherin Stielow. Sie machte keine Angaben, ob der mutmaßliche Brandstifter gestanden habe und es Mittäter gebe. Nach Informationen von Schleswig-Holstein am Sonntag handelt es sich bei dem Verdächtigen, der in der Westerländer Innenstadt verhaftet wurde, um einen Sylter Taxifahrer. Er war zunächst verdächtig, die fünf Brände in der Nacht zu Samstag gelegt zu haben. Am Sonntag teilte Stielow mit, der Mann sei möglicherweise für die gesamte Brandserie verantwortlich. Der 46-Jährige war erst vor kurzem auf die Insel gezogen - ein unauffälliger Mann, der eine kleine Wohnung in jenem Hochhaus bewohnt haben soll, in dem vor eineinhalb Wochen die Brandserie begann.

Ein 13-Jähriger ist Held der Nacht

Die unheilvolle Brandserie hatte am vergangenen Dienstag in den frühen Morgenstunden einen ersten Höhepunkt, als die Sylter Feuerwehren binnen weniger Stunden zu sieben Brandorten ausrücken mussten. Eines der Feuer legte das Hauptgebäude der Heimvolkshochschule Klappholttal nördlich von Kampen in Schutt und Asche.

Am späten Freitagabend wurden die Westerländer Bürger erneut von Martinshörnern aus dem Schlaf geschreckt: Zunächst brannte gegen 23 Uhr Buschwerk an einer Straße, gegen 2 Uhr ging es dann Schlag auf Schlag: In der Nähe des Westerländer Bahnhofs ging ein Container in Flammen auf, zudem wurde im Treppenhaus einer Kneipe gezündelt. Anschließend brannte einige hundert Meter entfernt in Alt-Westerland ein Schuppen nieder, bevor ein mit Reet gedecktes Anwesen Ziel des Brandstifters wurde.

14 Bewohner gerettet

Dass hier eine Katastrophe großen Ausmaßes verhindert werden konnte, ist einem jungen Urlauber zu verdanken: "Der Junge hörte die Gartenpforte zuklappen und ging vor die Haustür. Da entdeckte er ein Brandnest und alarmierte uns sofort", berichtete Hauke Block, Wehrführer der Gemeinde Sylt. "In dem Haus hielten sich 14 Bewohner auf, die möglichen Folgen will man sich gar nicht vorstellen", resümierte Block. Insgesamt waren in der Nacht mehr als 50 Feuerwehrmänner mit sieben Fahrzeugen im Einsatz.

Die Brandserie sorgt unter den Sylter Bürgern für erhebliche Unruhe. Zahlreiche Privateigentümer und Institutionen ergriffen zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen, ein Stadtteilfest im Norden Westerlands am gestrigen Abend wurde verkürzt: "Wir feiern nur bis Einbruch der Dämmerung, damit alle wieder rechtzeitig daheim sind", erklärte Peter Schnittgard vom Veranstaltungsteam.

Misstrauen auf der Insel

Da der Westerländer Norden von der Brandserie mehrfach betroffen war, herrsche "große Angst, gerade bei den älteren Mitbürgern", so eine Anwohnerin. Peter Schnittgard sekundiert: "Keiner in der Nachbarschaft wagt es mehr, sein Haus alleine zu lassen. Einige von uns gehen jetzt jede Nacht Streife."

Bei der Polizei gingen im Laufe der Woche Dutzende von Hinweisen ein, darunter allerdings auch einige "anonyme und willkürliche Denunziationen", so ein Kripobeamter. Wie groß das Misstrauen geworden ist, erlebte ein Tankwart in Westerland: "Als ein Kunde drei Kanister voll tankte, notierte sich ein anderer Autofahrer sein Kennzeichen und übermittelte es sicherheitshalber der Polizei."


 

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