TOP-THEMA

 

Meeresbiologe offenbar tot

Tödlicher Tauchgang in Flensburger Förde

15. Februar 2010 | 12:19 Uhr | Von Frank Höfer und Antje Walther

Für die Rettungstaucher wurde die Suche zu gefährlich. Foto: dpa

Bild 1 von 5
Die Suche blieb ohne Erfolg: Der Hamburger Meeresbiologe Herbert V. (48) ist offenbar unter dem Eis der Flensburger Förde ertrunken.

Flensburg. Er hatte 2000 Tauchgänge hinter sich, auch im Winter. Doch trotz seiner Erfahrung ist ein Meeresbiologe und Tauchlehrer aus Hamburg am Sonnabend mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in der Flensburger Förde ertrunken. Bisher wurde sein Leichnam nicht gefunden. Die Suche nach Dr. Herbert V. (48) im Ostseewasser wurde am Sonntag nicht wieder aufgenommen, da es keine realistische Überlebenschance mehr gebe, teilte ein Polizeisprecher mit. Angesichts der Eisverhältnisse sei das Risiko für Rettungsmannschaften zu groß. Am Dienstag sollen Polizeitaucher nun nach dem Vermissten in der Förde suchen.

Bereits am Tag nach dem Unglück veröffentlichte der Tauchsport Landesverband Schleswig-Holstein auf seiner Homepage einen Nachruf. "Wir trauern um einen verläßlichen und humorvollen Tauchsportkameraden", heißt es dort. Verbandspräsident Norbert Amm gegenüber shz.de: "Wo soll jemand bleiben, der nach einer Stunde nicht wieder auftaucht? Es geht keiner aus dem Wasser und verschwindet."

Es war kein Eistauchen

Es habe sich um kein Eistauchen gehandelt, so der Präsident, sondern um einen Tauchgang bei winterlichen Bedingungen. Drei Gruppen mit zusammen acht Teilnehmern seien von der Flensburger Tauchbasis in Fahrensodde aus ins Wasser gegangen. Die Förde sei zu dieser Stunde auf einer Fläche von 200 mal 300 Metern eisfrei gewesen sei, berichtet Amm. Nach Angaben des Verbandspräsidenten waren zwei Gruppen nach etwa 30 Minuten wieder an Land - nur Herbert V. und seine Freundin aus Schleswig nicht. Beide müssen unter Wasser plötzlich den Kontakt verloren haben. Warum, darüber diskutiert man jetzt nicht nur in Fachkreisen.

Freizeittaucher Jens Jörgensen aus Dänemark beobachtete das Geschehen vom Ufer aus. Der 45-Jährige hatte sich in letzter Minute dagegen entschieden, mit Herbert V. und den anderen Tauchern ins eisige Fördewasser aufzubrechen. "Wenn man sich unter Wasser verliert, taucht man auf und wartet, bis der andere auch nach oben kommt", erklärt der Däne. Das habe die Frau getan, als sie ihren Partner nicht mehr sehen konnte. Angesichts ihrer Schilderungen hält Jörgensen "Panik" für die wahrscheinlichste Unglücksursache: Der als erfahren geltende Hamburger sei "mit hoher Geschwindigkeit in die Tiefe getaucht, so dass sie nicht mehr hinterher kam".

Ostseekenner Jan Langmaack aus Großsolt bei Flensburg, der Herbert V. flüchtig kannte, hält Orientierungsprobleme für eine mögliche Unglücksursache. "Liegt viel Schnee auf der Eisfläche, ist es unten viel dunkler als sonst", sagt der 27-Jährige. Möglich sei auch, dass Herbert V. am Boden Sand aufgewirbelt und dadurch den Überblick verloren habe.


 

Leserkommentare

 
HELGE WEBER 15.02.2010 15:07
Anmerkung zu: "Es war kein Eistauchen"

Zitat aus den "VDST Standards Tauchen unter Eis"

2 Abgrenzung

Vom Eistauchen spricht man, wenn das Gewässer oder auch nur Teile davon mit einer
Eisschicht bedeckt sind. Die Dicke der Eisschicht ist hier vollkommen ohne Belang, da
auch sehr dünne Eisschichten von wenigen Millimetern ein direktes Auftauchen
verhindern. Ein Durchstoßen von unten ist in den meisten Fällen nicht möglich und
kann als Notfalllösung nicht in Betracht gezogen werden.

U.a. auf Grund zweier Eistauchunfälle im Jahre 2006 wurden die oben genannten Standards vom VDST erarbeitet. Per Definition handelte es sich hier ganz klar um einen Eistauchgang bei dem diese Standards hätten eingehalten werden müssen.

HANS HANSEN 17.02.2010 11:49
Keine Mutmaßungen und Pseudoexperten bitte, oder ist das hier die Bild Zeitung?

Ein Mensch ist, höchstwahrscheinlich, gestorben, und der erste selbsternannte Experte von schon 27 Jahren und Ostseekenner meldet sich sofort zu Wort! Unglaublich! Das Ermitteln der Unglücksursache sollte man erstens richtigen Experten überlassen und zweitens abwarten, bis man gesicherte Erkenntnisse über das Unglück gewonnen/den Leichnam geborgen hat. Mutmaßungen ohne jegliche Fakten sind unseriös! So schlaue Schnellschlüsse wie "er könnte Sand aufgewirbelt haben" zeugen nicht gerade von großer Sachkenntnis/Tauchbefähigung sondern eher den Willen, seinen eigenen Namen mal wieder in der Zeitung zu lesen.
Ein Tauchlehrer mit 2000 Tauchgängen dürfte in diesem Falle durchaus in der Lage gewesen sein, dann einfach auf seinen Kompass zu schauen........

Zum Thema Eistauchen:
Es war zweifelsfrei ein Eistauchgang oder über welche feste weiße Masse sind die Rettungskräfte gelaufen, haben die Polizeitaucher ihr Boot geschoben? Nur weil man neben dem Eis zu Wasser geht entbindet es einen nicht von den üblichen Sicherheitsmaßnahmen, bzw. wird das ein Tauchgang bei winterlichen Verhältnissen.

Mein Beileid den Angehörigen und den Tauchpartnern!



Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu schreiben. Anmelden

Warum muss ich mich anmelden/registrieren?

shz.de distanziert sich prinzipiell von allen in den Leserkommentaren geäußerten Meinungen ohne Rücksicht auf deren Inhalte. Alle Beiträge in den Leserkommentaren geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen der User wieder.

Bitte beachten Sie unsere Richtlinien für Kommentare!



 
 

SH-REISE

1000 Tipps für schöne Tage im Norden!
Der Norden hat viel zu bieten: In "1000 Tipps für einen schönen Tag in Schleswig-Holstein" finden Sie die schönsten Seiten des Landes und lernen geheime Attraktionen kennen. Einige haben wir hier für Sie.

 

 

LANDTAGSWAHL 2012

 

Beilagen der Woche

 
     

    "HERBIE" IN RENDSBURG

    Grönemeyer kommt nach Rendsburg!
    Alle wichtigen Informationen zum Konzert erhalten Sie hier.

     

    Nachrichtenticker

     

    Meistgelesene Artikel

     



     
    HÄUFIG GELESEN

    Drei Tote bei Verkehrsunfällen im Norden

    Drei Menschen sind am Donnerstag bei Verkehrsunfällen in Hamburg und Schleswig-Holstein ums Leben ...mehr

     
     


    KONTAKT | IMPRESSUM | AGB | DATENSCHUTZ