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100 Tage Landtag

"Spannend, aber..." - Lust und Frust der Jungen

04. Februar 2010 | Von Kristof Gatermann

Sie erlebten die ersten 100 Tage im Landtag als jüngste Abgeordnete (v.li.): Rasmus Andresen (23), Luise Amtsberg (25) und Christopher Vogt (26). Fotos: Staudt

Nach 100 Tagen im Landtag berichten die drei jüngsten Parlamentarier von ihren ersten Erfahrungen. Im Paternoster stehen sie Rede und Antwort vor der Videokamera.

Kiel. Sie sind jung, dynamisch und wollen Schwung in die Landespolitik bringen. Nach 100 Tagen im Amt glauben die drei jüngsten Abgeordneten, das geschafft zu haben. Doch Rasmus Andresen (23, Grüne), der jüngste Abgeordnete aller Zeiten, und Luise Amtsberg (25, Grüne), die jüngste Frau im Parlament, sowie der drittjüngste Parlamentarier Christopher Vogt (26, FDP) haben auch schon ihre negativen Erfahrungen mit dem grauen Politikalltag gemacht.

Vieles geht Vogt im Landtag nicht schnell genug: "Wir müssen uns in der Fraktion abstimmen, dann mit dem Koalitionspartner", stöhnt er. Er versuche daher immer, sehr zeitnah alle Beteiligten an einen Tisch zu bekommen. "Das nervt die anderen manchmal." Auch Rasmus Andresen sagt: "Vieles wird auf die lange Bank geschoben." Zudem kämpfte der Jung-Grüne mit seiner Jugendlichkeit. "Ältere Abgeordnete kamen zu mir, richteten meinen Hemdkragen mit der Bemerkung: 'Ich hab ja auch einen Sohn'. Das hat genervt."

Von oben herab angeschaut

Auch Luise Amtsberg musste lernen, sich durchzusetzen. "Im Ausschuss hatte ich das Gefühl, von oben herab angeschaut zu werden." Daher fühle man sich auch immer besonders in der Pflicht, produktive Sachen zu liefern.

Das scheint gelungen, denn mittlerweile sehen alle drei Politiker sich als festen Bestandteil des Parlamentes. Die Lust an der Politik haben sie nicht verloren. Im Gegenteil: Es sei alles sehr spannend. So freut Vogt sich, "Dinge, die mir wichtig sind, durchsetzen zu können". Leicht gesagt in der Regierung. Bei den oppositionellen Amtsberg und Andresen klingt das anders: Wichtig sei es, Themen überhaupt auf die Tagesordnung zu setzen. "Unsere Vorschläge werden eh abgelehnt", so Amtsberg. Einig sind alle drei sich, dass Themen nun stärker aus der jugendlichen Perspektive betrachtet würden, die Generationengerechtigkeit eine größere Rolle spiele, so Vogt. Andresen ergänzt: "Jetzt wird mit Leuten aus der anderen Generation gesprochen, nicht über sie." Und noch mehr können die "alten Hasen" von den Jungen lernen: "Wir zeigen, dass junge Menschen sich engagieren wollen", so Andresen. Dabei schlagen die Jungpolitiker einen anderen Ton an: "Wir sind bissiger, reden nicht so formal, benutzen weniger Fremdworte", sagt Amtsberg. Das sorge für Bürgernähe.

Landtagspräsident Torsten Geerdts (CDU) hat jedenfalls einen frischen Wind im Parlament bemerkt: "Die jungen Abgeordneten tun dem Parlament gut."


 

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