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Hamburg

Schüler sollen keine Schreibschrift mehr lernen

28. Juni 2011 | 16:24 Uhr | Von dpa

Schulen in Hamburg können künftig selbst entscheiden, ob die Abc-Schützen nur noch eine Druckschrift lernen oder wie bisher zusätzlich die Schreibschrift. Foto: dpa

An Hamburgs Schulen ist nach der gescheiterten Schulreform ein neuer Streit entbrannt. Die Schulbehörde stellt den Grundschulen frei, ob sie die klassische Schönschrift noch unterrichten.

An Hamburgs Grundschulen ist das Unterrichten der Schreibschrift nach den Sommerferien nicht mehr verpflichtend. Die Schulen können selbst entscheiden, ob die Abc-Schützen nur noch eine Druckschrift lernen oder wie bisher zusätzlich die Schreibschrift. Ein Jahr nach dem Scheitern einer großen Schulreform in der Hansestadt durch einen Volksentscheid sorgt auch diese Neuerung wieder für Konflikt.

"Die Kinder müssen nicht mehr zwei Schriften erlernen, die sehr weit voneinander liegen", begründete Schulbehörden-Sprecher, Peter Albrecht, am Dienstag in der Hansestadt die Freigabe für die Schulen. Stattdessen könnten sie auch nur eine sogenannte Grundschrift einüben, eine spezielle Form der Druckschrift. Zuvor hatten mehrere Medien über den Beschluss berichtet, der von CDU und FDP Kritik erntete.

"Das führt zu einer modernen Form des Analphabetismus"

Der Grundschulverband hatte die Grundschrift entwickelt. Den Angaben zufolge kommen kleine Bögen an die Buchstaben, damit die Kinder diese später leichter verbinden können. "Die Grundschrift möchte Vorteile der Druck- und Schreibschrift vereinen, so dass das Erlernen von zwei Schriften in Klasse 1/2 überflüssig wird", heißt es auf der Internetseite des Grundschulverbandes. Vom ersten Schreiben mit der Grundschrift aus entwickelten die Kinder individuell ihre persönliche Handschrift. Nach Angaben der Schulbehörde wichen die Schulen in der Praxis schon länger von den Vorgaben zu Druckschrift und Schreibschrift ab. Der neue Bildungsplan sei keine Revolution, sagte Albrecht. Auch in anderen Bundesländern werde bereits mit der Grundschrift gearbeitet.

Die FDP kritisierte, der Bildungsplan schade der "Kulturtechnik des Schreibens", die lateinische Schreibschrift dürfe nicht ersetzt werde. Der Sprecher des Vereins "Wir wollen lernen", Walter Scheuerl, befürchtet, dass in Hamburg ein Durcheinander entstehen wird, wenn die Schreibschrift nicht mehr Pflicht ist. "Den Kindern wird eine Fähigkeit vorenthalten", kritisierte Scheuerl, der als Parteiloser zur CDU-Fraktion gehört. "Das führt zu einer modernen Form des Analphabetismus."

"Das stimmt so nicht, die Veränderungen sind massiv"

CDU-Fraktionschef Dietrich Wersich forderte Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) auf, die Abschaffung der Schreibschrift in den Grundschulen zu stoppen. "Es ist nicht gut, wenn die gemeinsame Basis der individuellen Handschrift der Beliebigkeit ausgesetzt wird", sagte der Politiker. Die neuen Bildungspläne seien von Schulsenator Ties Rabe (SPD) im Eilverfahren durch die Gremien gepeitscht worden.

Der Schulbehörden-Sprecher betonte allerdings, das Vorhaben stamme noch aus der Zeit von Schwarz-Grün und sei mit leichten Änderungen übernommen worden. "Das stimmt so nicht, die Veränderungen sind massiv", erklärte dagegen CDU-Sprecherin Julia Wagner.

(dpa, shz)


 

Leserkommentare

 
HAUKE STAMMER 29.06.2011 07:10
Vereinfachungen

Das lässt sich doch noch weiter vereinfachen:

4 Grundrechenarten - braucht kein Mensch. Als Verkäufer besitzt man eine Kasse, als Käufer kann man der glauben. Und für alles andere gibts den Taschenrechner im Handy.

2 o. 3 Sprachen - reicht doch, wenn wir alle die gleiche können. Muss ja nicht unbedingt deutsch sein, oder?!

Unmengen an Satzzeichen: Punkte, Kommas, Simikolons, Doppelpunkte, Bindestriche, etc - alles nur unnötig verwirrend. Verzichten wir, wie viele es heute schon vormachen, auf alle Interpunktion. Von den aktuellen Schülern lesen die meisten eh nicht mehr als die Überschrift bei einem Zeitungsartikel - und selbst dann haperts all zu oft mit dem Verständnis.

Die Liste lässt sich bestimmt noch fortsetzen. Da lobt man sich doch, dass in Berlin jetzt extra Unterrichtsmappen mit Büchern und Arbeitsheften zum Thema Partnerschaften verteilt werden, in dem neben der überholt spießigen Familienkonstellation Mutter-Vater-Kind endlich homosexuelle, transgender und transsexuelle Partnerschaften den Kindern im Unterricht näher gebracht werden sollen. Dieses Wissen ist für Grundschüler auch viel wichtiger, als Schreibschrift oder ähnlich überholter Unterrichtsstoff.

HANS ANDERSEN 29.06.2011 08:43
So können wir weiter sparen....

Hauptchule ist weg, die Hauptschüler gab es eigentlich nie, war alles nur Diskriminierung.
Jetzt schaffen wir ab, dass die Schüler richtig schreiben lernen, ein Schelm, der dabei Böses denkt.
Oder sollte man es Verschlankung des Unterrichtsstoffes nennen, die letztlich dazu führt, dass wir weniger Lehrer brauchen und so an der Bildung wieder sparen, die uns doch für unsere Kinder so wichtig ist????
CDU ist schon lange nicht mehr, was sie einmal war. Weiter den Linken hinterherlaufen, die Quittung kommt bei der nächsten Wahl. Herr von B. fordert ja auch schon eine "REICHENSTEUER", warum auch nicht, irgendwie muss man es doch versuchen im Landtag zu bleiben, sonst käme vielleicht das Gespenst Arbeit auf einen zu, oder?

GROSSES W PUNKT 29.06.2011 09:54
computerzeitalter

Computer können keine Schreibschrift lesen.
Da Computer immer mehr Menschenarbeit ersetzen, ist es nur logisch, dass der Mensch angepasst wird. An die Fähigkeiten des Computers.
Menschen, die eine andere Schrift als wir benutzen, schreiben unsere eh schon immer in Druckbuchstaben.
In absehbarer Zeit wird kein Mensch mehr schreiben, es wird nicht mehr notwendig sein. Computer sind bereits heute in der Lage gesprochenes zu erkennen und in Text umzusetzen.
Es gibt wahrhaft wichtigeres, über das wir uns aufregen sollten !!!!!

DIE WAHRHEIT 29.06.2011 10:42
@GROSSES W PUNKT

Computer brauchen im Umgang auch keine Sozialkompetenzen. Computer rechnen von allein. Und ob ich in Sport eine 1 oder 6 hatte interessierte meinen Rechner auch nicht. Also auch streichen?

Ich arbeite als Programmierer und muss ständig handschriftliche Notizen machen - sei es in Meetings, bei Telefonaten oder beim Skizzieren möglicher Lösungswege. Einst wurde auch behauptet, das Büro der Zukunft käme ohne Papier aus und heute wird mehr Papier verbraucht, als je zuvor.

WILFRIED HAGEN 29.06.2011 11:14
Schüler müssen keine Schreibschrift mehr lernen

Wozu auch, die Schüler können doch eh' nicht mehr lesen, schreiben und rechnen!! Arme Gesellschaft, die die Kultur der Denker und Wissenschaftler nicht mehr fördert.

GROSSES W PUNKT 29.06.2011 13:17
an die Wahrheit

sozialkompetenzen sterben auch aus, oder wie soll man sich das entartete Verhalten von vielen Jugendlichen erklären ?
Und die Computer werden sich bald auch selbst programmieren, weil der Mensch zu viele Fehler dabei macht.
Und dass man sich ständig Notizen wegen jedem Pickel macht und jede sch...mail ausdruckt liegt an der eigenen Unzulänglichkeit und schlechten Selbstorganisation.
Keine Bange, ich verbrauch auch viel zu viel Papier, Sie sind also nicht alleine...
Und genau dieses ganze überflüssige treibt den Papierverbrauch so dermassen in die Höhe. Leider steigen aber nicht unbedingt die Auflagen bei kulturellen Gütern, Büchern, Zeitschriften etc. ... Denke ich mal. Arbeite für einen der grössten Papierhersteller ...
Aber Schreibschrift brauchen wir trotzdem nicht mehr wirklich, auch wenn sie zu unserer Kultur dazugehört und wir sie im Grunde kultivieren sollten. Aber es kann halt nicht alles so bleiben wie es ist.
Für die gute alte Stenografie hat es auch nie Proteste gegeben, hab ich noch gelernt damals, heute nur noch als Geheimschrift zu gebrauchen ;-)

PUA MODERS 29.06.2011 14:23
Schreibschift

Schon in den Fünfzigerjahren meinte Erich Fromm, dass nicht die Maschine den Menschen ersetzen würde sondern umgekehrt der Mensch die Maschine. Das war so gemeint, dass der Mensch nur noch die Tätigkeiten können muss, die die Maschine NOCH nicht kann. Fromm hatte wohl recht und war deshalb besorgt. Wie heißt es in einem Song aus dem Jahre 1969:
„In the year 2525, if man is still alive ... in the year 5555 - your arms hangin’ limp at your side – your legs got nothin’ to do – a machine is doin’ that for you“
Wenn Schüler keine Schreibschrift schreiben können, können sie diese auch nicht lesen. Manche haben inzwischen auch schon Schwierigkeiten mit dem Lesen von Druckschrift. Aber wozu gibt es Hörbücher?

MONIKA K. 29.06.2011 14:24
Unsere Kultur?

Was hat Schreibschrift denn mit "unserer Kultur" zu tun? Überall auf der Welt verständigen sich die Menschen handschriftlich in Schreibschrift, wenn sie denn die lateinischen Schrift schreiben. Wenn die Kinder es nicht mehr lernen, können sie sich bald nicht mehr schriftlich verständigen, zumindest mit älteren nicht. Ich kann jedenfalls keine ordentliche Blockschrift schreiben, weil ich in der Schule nur Schreibschrift gelernt habe. Oder müssen wir "Alten" dann wieder neu lernen, wie bei der Rechtschreibreform?
Es wird viel Überflüssiges in den Schulen geleert. (Muss man denn wirklich noch jede uralt-Geschichtszahl wissen?) Schreiben gehört sicherlich nicht zu den unsinnigen Dingen, im Gegenteil. Es ist ein Grundpfeiler unserer Zivilisation. Schimm genug, dass viele von uns und unseren Kindern die alten Schriften (Syterlin, Gothik usw.) nicht mehr lesen können.
@Großes W Punkt: Es stimmt, das Computer-Zeitalter mit all seinen Folgen ist nicht zu stoppen. Die Frage ist nur, wie weit man sich mitreißen lässt und abhängig macht von der digitalen Welt. Ich für meinen Teil bevorzuge immer noch ein guten Anteil Handarbeit, zu denen auch kleine Notizen, Einkaufzettel oder auch ein handgeschriebener Brief gehört.

GROSSES W PUNKT 29.06.2011 14:45
An Monika K.

Sie haben sicher Recht, aber ein bischen möchte ich doch widersprechen : Jeder, der die lateinische Schrift beherrscht, ist in der Lage, Druckbuchstaben zu schreiben, aber die Milliarden Menschen, die andere Schriften haben, können meistens die schöne Schreibschrift nicht lesen und schreiben.
Und ich kann leider auch garnicht mehr die Schriften meiner Großeltern entziffern, die haben nämlich noch Altdeutsch geschrieben, für mich völlige Hyroglyphen. Falls das das gleiche wie Syterlin oder Gothik ist, sorry, liegt dann an meiner mangelnden Allgemeinbildung.
Auch ich bin der Meinung, dass wir uns in vielen Dingen zu abhängig machen von den allgegenwärtigen computergesteuerten Dingen, aber wir werden diese Entwicklung nicht aufhalten, höchstens, wenn es irgendwann keinen Strom gibt um die Teile am laufen zu halten.
Kann mich auch noch einigermassen an die Arbeitswelt VOR Microsoft erinnern, und wie unvorstellbar für die heutigen Jungen Leute das sein muss sehe ich jeden Tag an den Reaktionen unserer Auszubildenden auf meine Erzählungen...
Aber Schreibschrift muss man nicht mehr wirklich können müssen heutzutage. Obwohl ich eigentlich nicht finde, dass es unzumutbar ist, zwei Schriftarten zu beherrschen. ... Vielleicht gibt es ja viele Eltern, die ihren Kindern dann die schöne gute alte Schreibschrift trotzdem noch beibringen, das hätte doch was !

MONIKA K. 29.06.2011 15:17
lieber Herr W.

Das, was in alten Büchern steht (z. B. in alten Bibeln) ist Gothik, was unsere Großeltern schrieben ist Syterlin oder auch Altdeutsch. Aber es geht hier auch nicht um zwei Schriftarten, denn Blockschrift und Schreibschrift ist im Prinzip dasselbe, nämlich beides lateinische Schrift. Nur ist die eine für den Druck, die andere für das Schreiben gedacht und macht dieses durch die geschwungene und nicht abgesetzt Art einfacher.
Einen Denkfehler haben Sie aber gleich im ersten Absatz: Die Millionen von Menschen, die eine andere Schrift schreiben, können auch keine lateinische Blockschrift lesen.

GROSSES W PUNKT 29.06.2011 16:38
An die Monika K.

Hallo Monika, vielen Dank, ich habe heute etwas gelernt, was mich jedenfalls fasziniert !
Und -naja ok, Milliarden Menschen in China oder Indien oder Russland oder Japan können vielleicht dann doch nicht die lateinische Schrift lesen oder schreiben, aber jeder mit einer einigermassen ordentlichen (Schul)Bildung beherrscht die lateinische Druckschrift, wir sind ja mittlerweile alle global. Wir haben z.b. unser Callcenter in Indien, da arbeiten sehrsehr viele Menschen, die machen sogar das einscannen von Belegen etc. und die können alle unsere Schrift. Nur ein kleines Beispiel .....
Viele Grüße vom grossen W.



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