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Korallen auf Föhr
Rüschiges Riff für die Insel
Das Föhrer Riff wächst. Über Wasser, Masche um Masche. Eine Korallenlandschaft entsteht im Museum Kunst der Westküste in Alkersum. Blau-verästelt, orange-gewellt oder knallrot. Alles gehäkelt.
Ein wenig rätselnd sind viele Blicke, als die Mathematikerin Margaret Wertheim ihr Kunstprojekt vorstellt. Häkeln und Geometrie – Kunst und Korallen: Wie soll das zusammen passen? Die Amerikanerin mit den raspelkurzen grauen Haaren und dem schlichten Shirt wedelt lebhaft mit den Armen. Am Handgelenk wippt ein schreiend pinkes, gehäkeltes Gebilde auf und ab, das an ein aus der Mode gekommenes Haarband erinnert. Ein Exemplar der gemeinen Häkelkoralle, die nach Los Angeles und New York bald auch auf der Nordseeinsel heimisch werden soll.
Bedrohte Unterwasserwelt
"Ich habe von dem Projekt gelesen und wollte es unbedingt nach Föhr bringen", sagt Museumsleiter Thorsten Sadowsky - und das, obwohl er selbst nicht häkeln kann. Doch die Bilder sprechen für sich: Rüschige Riffe und Atolle aus Alpaka haben Kunsthallen in renommierten Kunsthallen vieler US-Städte gefüllt. Überbordend blüht und kräuselt es sich auf dem schlichten Parkett. Margaret Wertheim und ihre Schwester Christine sind in Australien aufgewachsen und möchten damit auf die bedrohte Unterwasserwelt aufmerksam machen. In Los Angeles gründeten sie das "Institute for Figuring", in dem sie die wachsenden Riffe planen – und damit auch eine Lehrstunde der höheren Mathematik um die Welt schicken.
"Korallen haben eine maximale Oberfläche, was ihnen mehr Chancen bietet, ihr Lunch zu filtern. Denn sie können ihm ja nicht hinterher laufen." Die Mathematikerin lässt ihre Hände einander jagen, wie kleine Tierchen. Die pinke Koralle am Handgelenk wackelt. Korallen, so Wertheim, veranschaulichen damit die hyperbolische Geometrie, ein in sich selbst gekrümmter und sich an jedem Punkt weiter ausdehnender Raum.
Das Rätsel der hyperbolischen Geometrie
Lange Zeit habe man die hyperbolische Mathematik nicht bildlich darstellen können, denn sie verlässt die euklidische Ebene. Die pinke Koralle wischt eine Fläche durch die Luft. Aber der hyperbolische Raum gab lange Zeit Rätsel auf. "Erst 1997 entdeckte die die Lettin Daina Taimina, dass sie den hyperbolischen Raum häkeln kann. Und die Mathematiker konnten zeigen, was die Korallen schon seit Urzeiten können", sagt Wertheim.
Hyperbolisches Häkeln ist aber auch ohne das Verständnis unverständlicher Geometrie möglich. Da sich die hyperbolische Oberfläche von jedem Punkt aus weiter ausdehnt, müssen schlicht auch die Maschen in jeder Reihe der flauschigen Häkelgebilde zunehmen. Die Anleitungen für die Korallen sind daher schon fast banal.
Einmal die Woche treffen sich unter der Ägide der Föhrer Landfrauen Handarbeiterinnen im Museum von Alkersum, um an dem Riff zu arbeiten. "Wir haben schon ein paar Wannen voller Korallen zusammen, doch es können sehr gern noch mehr werden", sagt Museumssprecher Lucas Haberkorn. Auch von zu Hause aus kann jeder das "Föhr Reef" weiterspinnen. Ab Juni sollen die Korallen im Museum zusammengenäht und ausgestellt werden. Erst auf Föhr, dann in Tondern. So finden nicht nur Kunst und Meerestiere zusammen - sondern auch traditionelle Handarbeit und höhere Mathematik.
Mithäkeln
Eine Anleitung zum Häkeln der Korallen finden Sie hier. Bitte beachten Sie das Copyright des Kunstprojekts.
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