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Ende für Polizei-Bigband?

Rechnungshof fordert "Streichkonzert"

26. März 2010 | 17:59 Uhr | Von dpa

Aloys Altmann fordert das Ende der Polizei-Bigband.

Rechnungshof-Präsident Aloys Altmann fordert Einsparungen vor allem bei Radwegen und bei der Polizei. Auch die Kirchen sollten weniger bekommen, so der Spar-Experte.

Polizei-Bigband auflösen, Stellen beim Datenschutz streichen, Zuschüsse an die Kirche kürzen - Schleswig-Holsteins Rechnungshof verlangt vom Land einen verschärften Sparkurs und traut ihn der schwarz-gelben Koalition auch zu. Dies machte Rechnungshof-Präsident Aloys Altmann am Freitag in Kiel deutlich: "Die Bereitschaft zu handeln ist deutlich gewachsen". Nur wenn das mit 24 Milliarden Euro verschuldete Land konsequent seine Neuverschuldung abbaue, bekomme es die mit dem Bund und den anderen Ländern vereinbarten Konsolidierungshilfen von jährlich 80 Millionen Euro bis 2019. Von 2020 an dürfen die Länder keine neuen Schulden machen. Dafür muss der Norden sein strukturelles Haushaltsdefizit ab 2011 Jahr für Jahr um 125 Millionen Euro verringern.

"Der Weg, der vor uns liegt, ist steinig und schwer", sagte Altmann und gab sich zuversichtlich, dass die Koalition einen harten Sparkurs auch gegen absehbare Proteste durchhält. Wo genau Mittel gekürzt werden sollen, berät eine Haushaltsstrukturkommission mit Unterstützung Altmanns. Ergebnisse werden im Mai/Juni erwartet. Der Rechnungshof-Präsident hat hohe Erwartungen: "Als beratendes Mitglied einer Placebo-Kommission würde ich nicht zur Verfügung stehen".

Radwege eine "Schnapsidee"?

Millionen verschwendet das Land nach Ansicht des Rechnungshofes mit dem Bau überflüssiger Radwege. Für 126 Millionen Euro wurden seit 1999 Radwege mit einer Gesamtlänge von 666 Kilometern angelegt, eine "Schnapszahl". Altmann: "Viele Radwege sind allerdings auch eine Schnapsidee". 1,2 Millionen Euro wären einzusparen, wenn das Land die Polizei-Bigband (Einnahmen 2009: 46.000 Euro) auflösen würde. In deren Auftritten sehen die Rechnungsprüfer keine "Kernaufgabe" des Landes. Mit dem Umbau von Polizeistrukturen hätten nach Überzeugung des Rechnungshofes 160 Stellen bei der Polizei eingespart werden müssen und können. Polizeireviere sollten eine Mindeststärke von 30 Beamten haben; bisher seien die Strukturen zu kleinteilig.

Seine Zuschüsse an die Kirche hat das Land nicht gekürzt, obwohl die Zahl der Kirchenmitglieder deutlich sank und die Haushaltslage dramatisch ist. Mehr als elf Millionen Euro gehen jährlich an Kirchen und deren Organisationen. Hier könnten Millionen gespart werden, wenn die Staatsleistungen nicht automatisch an die Beamtenbesoldung im Land angepasst würden, analysierte der Rechnungshof. Nach seiner Ansicht muss sich auch das Datenschutzzentrum in Kiel auf seine Pflichtaufgaben konzentrieren, damit Personal eingespart und Kosten gesenkt werden können. Auch die möglichen Einsparungen mit der Fusion der Statistischen Landesämter Hamburg und Schleswig-Holstein seien bei weitem nicht ausgeschöpft worden.

 

Altmann machte auch deutlich, wo er grundsätzlich den Schlüssel für Millionen-Einsparungen sieht: "An der Spitze steht nach wie vor der Abbau von öffentlichen Aufgaben". Regierung und Parlament müssten bestimmen, was das Land nicht mehr bezahlen kann und deshalb aufgeben muss. Das Land dürfe auch nicht weiter den Kieler Flughafen subventionieren, der keinen Linienverkehr mehr hat. 1,3 Millionen Euro zahlen Land und Stadt jährlich als Betriebsmittelzuschuss.


 

Leserkommentare

 
HANSEN 26.03.2010 20:23
Rechnungshof

Der hat sie doch nicht mehr alle, wir haben jetzt schon zu wenig Polizisten und der will moch mehr streichen. Immer auf die Kleinen.
Was ist mir dem aufgeblähtem Landtag??? Da sind mindestens 20 Abgeordnete zu viel. Beim Landresrechnungshof kann man bestimmt auch einiges einsparen. Denkt mal darüber nach.

FRANZREB 27.03.2010 02:06
Rechnungshof

Anscheinend etwas weltfremd der Herr Altmann, das ist doch nicht der erste unsinnige Sparvorschlag dieses Herrn. Es wird wirklich Zeit, erst den Rechnungshof und dann am Landtag einzusparen. Wir leisten uns, gemessen an unserer Einwohnerzahl den aufgeblähtesten Landtag der Republik. Aber für die Herrschaften gilt ja, sparen sollen die anderen....

IM STURM 27.03.2010 03:18
Gespart

Dann mal gleich weiter mit dem Rotstift : Feuerwehren und Rettungsdienste können auch weg. Weniger Überlebende entlasten die Krankenkassen und die Rentenversicherung. Wie wird man eigentlich Rechnungshof-Präsi? Exessiver Drogenkonsum ? Erweiterter Sonderschulabschluss? Da die ja sowieso keiner ernst nimmt, können die doch dem dicken Grillfestgrinsekasper die Grillwurst berechnen. Am besten: Das Land und die Kommunen zahlen gar nix mehr..... Mööönsch Jungs das spart wirklich !!! Ich werd noch Hofechnungsmineralsekretär. Oder hab ich mich da verrechnet?

SOLBAKKEN 27.03.2010 04:47
Das Ende naht wohl

Die Schulden drücken und das Land bricht langsam darunter zusammen.
Wenn ich das hier lese:
"An der Spitze steht nach wie vor der Abbau von öffentlichen Aufgaben". Regierung und Parlament müssten bestimmen, was das Land nicht mehr bezahlen kann und deshalb aufgeben muss."
Dann stelle ich mir die Frage, was haben all die Politiker in den letzten Jahren eigentlich für das Land geleistet?
Je mehr das Land seine Aufgaben abgibt (an wen eigentlich?) um so mehr verliert die Demokratie an Rückhalt. Die Wirtschaft arbeitet nicht nach demokratischen Prinzipien. Macht nur weiter so und untergrabt mit euren Aktionen die Demokratie im Land. Bald benötigen wir keinen Verfassungsschutz mehr, da es nichts mehr zu Schützen gibt.

LENZ 27.03.2010 09:05
Staat und Kirche sind getrennt?

Obwohl die Kirchen immer weniger Mitglieder haben, steigt der freiwillige Beitrag des Landes ständig und schnell. Nach meiner Meinung sind Kirchen Vereine wie alle anderen und haben ihre Zuschußanträge auch so zu stellen. Die Kirche bekommt aber ohne jeden Antrag Geld. Es würde mich nicht wundern, wenn sie auch noch Anträge auf zusätzliches Geld stellen. Als Ungläubiger zahle ich also mit meinen Steuergeldern an eine religiöse Vereinigung der ich nicht angehören will. Ungerechter geht es nicht. Dabei wäre es besser für mich in die Kirche einzutreten, dann könnte ich bei ständig sinkender Mitglederzahl zusammen mit dem Pastor die Millionen verjubeln. Kalle von kalleskoppel.de



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