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Schulforum

Proteststurm gegen neues Schulgesetz

18. September 2010 | 06:00 Uhr | Von sh:z

Rechnet sich das? Das geplante Nebeneinander von Turbo- und Langsam-Abitur (G 8 und G 9) führt zu Diskussionen. Foto: dpa

Schüler, Lehrer und Eltern wünschen sich Ruhe und Konstanz an den Schulen - im Schulforum machen sie ihrem Ärger über die Schulreform Luft.

Kiel. Die Schuldebatte tobt. Der Entwurf für ein neues Schulgesetz, den der schleswig-holsteinische Bildungsminister Ekkehard Klug (FDP) in dieser Woche vorgelegt hat, hat zu einer hitzigen Diskussion unter Schülern, Lehrern und Eltern sowie zu heftigen Vorwürfen gegen die Politik geführt.

Unmut macht sich auch im Schulforum des shz breit. Es muss endlich wieder Ruhe an den Schulen einkehren - das ist der Tenor der Meinungen von Lehrern, Schülern und Eltern. "Ich finde das alles sehr verwirrend", sagt Simone Grommisch (18) vom Carl-Maria-von-Weber-Gymnasium in Eutin. "Die ganzen Änderungen sind nervig", findet Florian Käselau (19) vom Gymnasium Kronwerk in Rendsburg. "Irgendwann ist es genug", pflichtet ihm Finn-Ole Paulsen (18) von der "Schule für Sylt" bei.

"Rückschritt, den wir nicht mitgehen"

Einen "Rückschritt, den wir nicht mitgehen", nennt der Landeselternbeirat der Gemeinschaftsschulen den Gesetzentwurf, nach dem an diesen Schulen Klassen wieder schulartspezifisch sortiert werden können. "Das Retro-Schulgesetz genügt nicht einmal minimalen Anforderungen", kritisiert die Lehrergewerkschaft GEW.

Das geplante Nebeneinander von Turbo- und Langsam-Abitur (G 8 und G 9) an Gymnasien "behindert eine pädagogisch orientierte Unterrichtsorganisation und verkompliziert die Schulentwicklungsplanung", stellt der Philologenverband fest.

"Die Option G 8/G 9 sollte so schnell wie möglich aus der öffentlichen Diskussion verschwinden!" fordert der Landeselternbeirat der Gymnasien. Deren Landesschülersprecherin Anneke Steenfatt bittet um "ein Schulsystem, das wirklich für verbesserte Unterrichtsqualität sorgt und die Arbeit der Schule nicht ständig umstrukturiert - ein Schulsystem, bei dem endlich mal wieder jeder weiß, wie es funktioniert!"

 

Zur hitzigen Diskussion um die Schulreformen in Schleswig-Holstein startet der sh:z das Schulforum: Schüler, Eltern und Lehrer tauschen ihre Argumente aus. Zum Auftakt kommen auch Lehrer- und Elternverbände zu Wort. Das Forum wird fortgesetzt. Schreiben Sie uns Ihre Meinung zur Schulreform über die kommentarfunktion!


 

Leserkommentare

 
SHZ.DE ONLINEREDAKTION 18.09.2010 10:35
Schulforum

Welche Erfahrung haben Sie mit Schulreformen gemacht - und sollten Turbo-Abi und G9 an jedem Gymnasium angeboten werden?

ASTRID SCHULZ-EVERS 18.09.2010 12:37
Unsere Schule begrüßt die Wahlfreiheit !!

Seit über 10 Jahren gibt es wegen G8 in nahezu ganz Deutschland Probleme - es wird demonstriert, gestritten, geklagt. Und es sind viele Menschen, die gegen G8 protestieren ! Viele Umfragen (an Gymnasien in Schleswig-Holstein, Allensbach, SHZ, u.a.) haben bewiesen, daß die deutliche Mehrheit der befragten Personen zurück zu G9 will. Versuchsschulen in Schleswig-Holstein, denen in der Versuchszeit optimale Voraussetzungen für G8 geboten wurden und die schon länger als 2 Jahre G8 haben, bieten zum Teil seit diesem Sommer wieder G9 an. Ich bin jetzt im 3. Jahr Elternvertreterin in einer G8-Klasse am Gymnasium und die Eltern berichten über die Belastung der Kinder. Die Schulkonferenz an unserer Schule hat zu 100 % im Januar diesen Jahres dafür plädiert: zurück zu G9 !
Das alles kann man doch nicht ignorieren ! Fragt die Betroffenen - vor allen Dingen die Kinder !!!!

REINHOLD GUENTHER 18.09.2010 16:30
Proteststurm gegen neues Schulgesetz

Im Landeselternbeirat für Gymnasien ist das neue Schulgesetz noch nicht diskutiert worden!
Es haben daher auch keine Abstimmungen oder Positionierungen dazu stattgefunden.
Der Vorstand, durch unplanmäßige Abgänge hervorgerufen, ist nicht vollständig!
Selbst wenn ein kompletter Vorstand existieren würde, bei einer Änderung des Schulgesetzes wie im vorliegenden Fall, bedarf es mehr als nur eines Vorstandsbeschlusses!
Ergo sind Statements für den LEB Gymnasien derzeit nur die Meinung einzelner Personen,
oder kleiner Gruppen. Sie spiegeln nicht die Haltung des gesamten LEB, oder gar aller Eltern,
die eigentlich vertreten werden sollen, wieder!
Ich zitiere diese Zeitung:“Die Option G8/G9 sollte so schnell wie möglich aus der öffentlichen Diskussion verschwinden!“ fordert der Landeselternbeirat der Gymnasien.
Wer immer das gesagt haben soll, im LEB Gym ist diese Forderung nie gestellt worden.
Ein LEB wird kaum fordern, dass in einem demokratischen Land das Denken und das Diskutieren verschwinden soll!
Ich schreibe dieses als stimmberechtigtes Mitglied des LEB Gym ( eines von 16) und wundere mich von Tag zu Tag mehr!
Reuhold Günther
Mitglied des LEB Gym

REINHOLD GUENTHER 18.09.2010 16:48
Proteststurm gegen neues Schulgesetz

Turbo- und Langsam-Abitur (G8+G9), könnte man auch abgespeckte Kurzversion und menschliches Normalabitur nennen. G8 hat keinen einzigen pädagogischen Vorteil gegenüber G9, so sehen das auch die Philologenverbände, bundesweit! Warum haben die Verbände die Einführung nicht verhindert? Die Möglichkeit beide Gangarten an einer Schule zu installieren ist sicher schwierig.
Die Lösung ist vom Vorsitzenden des deutschen Lehrerverbandes, Josef Krauss, vorgeschlagen und von der Initiative G9jetzt ausgearbeiteten worden. In dieser Art und Weise könnten 9 und 8-jähriger Weg von allen Gymnasien leicht umgesetzt werden!
Das Schöne daran ist, dieses System wird allen Kinder- Eltern- und Lehrerwünschen gerecht!
Ebenso wichtig ist, keine politische Partei hat daran mitgewirkt, daher könnten die Stellvertreterkriege auf dem Rücken von Schülern, Eltern und Lehrern zumindest im Bereich der Gymnasien quasi über Nacht eingestellt werden!
Es wäre ein gutes Beispiel von angewandter Informationspflicht, wenn auch diese Zeitung
die mögliche Lösung einmal wertfrei darstellen würde.

Reinhold Günther Mitglied im LEB Gymnasien SH

HILDEGARD DENSTORF 18.09.2010 21:43
Proteststurm gegen neues Schulgesetz

"Rin in de Kartoffeln, rut ut de Kartoffeln!“ – das ist die Schulpolitik dieser Regierung. An der Basis kämpft man seit Einführung von G 8, Profiloberstufe, Gemeinschaftsschulen mit den katastrophalen Folgen. Kollegien bemühen sich, oft zähneknirschend und kopfschüttelnd, in mühsamer Kleinarbeit das Geforderte umzusetzen, ohne die Schüler/innen allzu sehr darunter leiden zu lassen. Und nun? Was zuvor mit viel Getöse, Selbstbeweihräucherung und gegen teilweise massiven Widerstand an der Basis durchgesetzt wurde, schon wieder Makulatur? Statt den Schulen endlich Ruhe und Zeit zu geben, die schlimmsten Planungsfehler und Macken dieser unsäglichen Reform auszubügeln und abzumildern, wird, ausgerechnet unter dem Deckmantel „größerer Handlungsspielraums“ für die Schulen – von dem wir dank immer engerer Vorgaben weiter entfernt sind als je - alles wieder zur Disposition gestellt.
Wäre man nur halb so „flexibel“, wenn es, wie an unserem Gymnasium, darum geht, einem ausgewiesen fähigen stellvertretenden Schulleiter, der Kollegium, Schüler- und Elternschaft hinter sich hat, die Möglichkeit zu geben, sich um das Schulleiteramt zu bewerben. Nur externe Bewerber werden berücksichtig, so die starre Begründung - auch wenn es nach nunmehr vier Ausschreibungen offensichtlich nicht genug wirklich geeignete Bewerber gibt. So kann man die an Schule Beteiligten auch entmutigen und demotivieren! Da läuft es trotz „Reformen“ reibungslos, der Unterrichtsausfall geht dank geschickter Planung trotz Lehrermangel gegen Null, das Kollegium ist hochmotiviert und engagiert. Statt diese funktionierende Struktur durch eine kluge Personalentscheidung zu sichern, eiert man im Ministerium herum - nur ja keinen Präzedenzfall schaffen! Das verstehe wer will. Mit den nächsten Wahlen komm hoffentlich die Quittung für so viel Dilettantismus! Hildegard Denstorf, Schulelternbeiratsvorsitzende der Klaus-Harms-Schule, Kappeln

HERBERT WINKELMANN 19.09.2010 15:04
"Proteststurm"?

"Aufstand"? "Proteststurm"? Wo? Offenbar nicht außerhalb der GEW-Geschäftszeiten, wie die Diskussion hier im "Schulforum" zeigt. Mit großem Vorlauf und Skandal-Schlagzeilen angekündigt und nun das! Erklärungen einiger Funktionäre, Betroffene hingegen haben z.T. ganz andere Meinungen, gerade in der G8/G9-Frage. "Aufstand"? Wo sind die vielen kritischen Reaktionen hier? Peinlich. Aber viel Platz für die Grünen, die seinerzeit zusammen mit der SPD den Bildungsstandort ramponiert haben. Wie hat SH eigentlich unter roten Ministerinnen in den Vergleichsstudien abgeschnitten? Wer sich diese Zeit zurückwünscht, hat wahrscheinlich keine schulpflichtigen Kinder.

LIANE SCHRADER 19.09.2010 18:02
Protest?

Protest? Von wem? Als Mutter schulpflichtiger Kinder habe ich gerade in den letzten Tagen mit vielen anderen Müttern schulpflichtiger Kinder über die G8/G9 Frage gesprochen. Ich wundere mich über den Protest, von dem hier berichtet wird und ich frage mich, wer genau dahinter steht und ob diese Leute wirklich die Mehrheit der Eltern vertreten. Denn meine Erfahrung mit den Eltern ist, dass sich der Großteil der Eltern für G9 entscheiden würden, wenn sie denn die Möglichkeit dazu hätten. Ich selber emfinde die Einführung des Turbo-Abiturs G8 als große Belastung für die Kinder. Für meine Tochter, die voraussichtlich nächsten Sommer auf das Gymnasium wechseln wird, wünsche ich mir aus diesem Grund die Möglichkeit G 9.

IRMGARD ZANTOPP 20.09.2010 13:49
Die Stimmen der Eltern

Richtig, Frau Schrader, welche Eltern sollen das denn sein? Umfragen der Elterninitiative G9jetzt haben ergeben, dass 80-90% der Eltern zurück zu G9 wollen. Außerdem wurden 21500 Unterschriften gesammelt, die alle für G9 unterschrieben haben. All das weiß auch der LEB der Gymnasien und trotzdem weigert er sich das zur Kenntnis zu nehmen und seiner Pflicht nachzukommen, die Eltern der Gymnasien zu vertreten. Der Vorschlag des Vorsitzenden des deutschen Lehrerverbandes Josef Krau, die Frage zu G8 oder G9 in die Oberstufe zu verlegen und jeden selbst entscheiden zu lassen, wäre eine Lösung, mit der endlich Ruhe einkehren könnte.

Beitrag

GABRIELE D.KNEZEVIC-WENDELBORN 22.09.2010 01:47
Schulforum

Die Berichterstattung des SHZ ist tendenziös und verfälschend ! Die Eltern der betroffenen Schüler wollen die Schulzeitverkürzung nicht hinnehmen und die Probleme auch nicht um des lieben Friedens willen verschweigen . G8 ist eine brutale Verkürzung des für die Kinder so wichtigen Zeitabschnitts des Lernens und Reifens . Kindern weniger Zeit zu geben um zu lernen ist keine Reform der Lehre und des Lernens , sondern natürlich Unsinn ! Reformen ja - G8 nein . G8 wurde und wird als Brechstange benutzt um erstarrte Strukturen aufzubrechen und so notwendige Veränderungen auf den Weg zu bringen . So wichtig es auch ist den Weg der weiteren Neuerungen zu gehen , an dessen Ende die Ganztagsschule stehen mag , so wichtig ist es nicht Falsch und Richtig miteinander zu verknüpfen . Die Liebe zu unseren Kindern gebietet es diese nicht darunter leiden zu lassen , daß wir nicht mutig genug sind Reformen auch ohne den Zwang der G8 Keule durchzuführen . Deshalb ist es wichtig keine erzwungene Ruhe einkehren zu lassen , sondern weiter über weitreichende Veränderungen und Verbesserungen miteinander zu reden . Deutschland belegt weltweit einen Spitzenplatz in der Forschung und Entwicklung , um diesen zu halten und weiter auszubauen ist qualifiziertes Lernen vonnöten . Und das , ( Sie Ahnen es ) , braucht Zeit .



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