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Flensburger Förde

Polizeitaucher suchen vermissten Herbert V.

16. Februar 2010 | 18:37 Uhr | Von Gunnar Dommasch

Polizeitaucher im Einsatz in der Flensburger Förde. Foto: Dommasch

"Wir versuchen, den Leichnam zu finden", sagt Polizeisprecher Volker Boldt. Doch eine Tauch-Aktion in der Flensburger Förde blieb auch Dienstag erfolglos.

Blauer Himmel über der zugefrorenen Ostsee, Sonnenschein und eine glitzernde, fast unberührte Schneelandschaft: Zutaten für eine perfekte Winteridylle. Wäre da nicht ein Toter, den die Kriminalpolizei irgendwo draußen unter dem Eis der Förde vermutet.

Herbert V. ist, wie berichtet, am Sonnabend aller Voraussicht nach durch einen tragischen Unfall ums Leben gekommen. Die Ursache liegt weiterhin im Dunkeln. Der 48-Jährige war nach einem Tauchgang in der eisigen Ostsee nicht mehr an die Oberfläche gelangt, war nicht mit seiner Tauchpartnerin durch eine Leine verbunden und hatte irgendwann den Sichtkontakt zu ihr verloren.

"Wir versuchen, den Leichnam zu finden", sagte Volker Boldt, Sprecher der Flensburger Polizeidirektion. Zwei Polizeitaucher aus Eutin suchten am Vormittag bei einer Wassertemperatur von 0 Grad Celsius das Terrain vor Flensburg-Fahrensodde ab, in dem die Wahrscheinlichkeit, den Toten zu finden, am größten war. Am Sonnabend hatte es nur geringe Strömung gegeben - Richtung Innenhafen. Die insgesamt zwölfköpfige Tauchergruppe versuchte anhand dieser Daten und der vermeintlich letzten bekannten Tauchstelle den Aufstiegspunkt nachzuvollziehen. Und immer wieder die Frage: Wo und warum haben die beiden sich verloren?

"Man taucht nicht unter Eis"

"Ein nicht ungefährlicher Einsatz", konstatierte Boldt vor der Aktion. Am Sonntag war das Risiko für Rettungsmannschaften als zu groß befunden worden. Der Flensburger Unterwasserfotograf Thomas Raake hatte sich noch am Unglückstag auf die Suche begeben wollen, hielt das Unterfangen aber für zu brisant. Er selbst hat 500 Tauchgänge hinter sich und sagt entschieden: "Man taucht nicht unter Eis, das ist eine strenge Regel! Nicht nur für mich." Es sei denn, man habe einen Leinenführer an Land und zwei jederzeit einsatzbereite Sicherungstaucher dabei. Raake: "Es ist unglaublich schwer, selbst eine noch so dünne Eisdecke unter Wasser zu durchbrechen."

Er hatte sich nach dem dramatischen Vorfall mit der unter Schock stehenden Tauchpartnerin des Meeresbiologen unterhalten. Diese habe berichtet, dass sie mit ihrem Begleiter bereits 50 Minuten unter Wasser gewesen und im Auftauchen aus etwa acht Metern Tiefe begriffen gewesen sei. Dann habe er plötzlich abgedreht - in die Tiefe. . .

Gestern wurden die Taucher mit einer 80 Meter langen Leine von Kollegen gesichert. "Das ist ihre Lebensversicherung", sagte Boldt. Meter für Meter wurde die Wasserfläche unterhalb der Eisdecke serpentinenartig rund um einen Bootssteg erkundet. "Die Sicht ist sowas von super", rief einer der Taucher ans Ufer. Es geht an dieser Stelle ziemlich schnell steil bergab - von zunächst drei bis auf maximal 14 Meter Tiefe. Abschließend wurde der Grund der Förde nach dem gleichen Schema trichterförmig erkundet. Über fünf Meter Sichtweite - das sind optimale Bedingungen. Dennoch musste die Suche nach gut einer Stunde ergebnislos abgebrochen worden. Sie soll erst wieder aufgenommen werden, wenn die Förde eisfrei ist. Die Eutiner Polizeitaucher werden wollen dann mit einem Unterwassersonar von einem Boot aus den Vermissten ausfindig machen.

Tiefgefrorene Ente

Vieles spricht nach Meinung von Experten dafür, dass der erfahrene Tauchlehrer sein Jacket auf eine bestimmte Tiefe tariert hatte und abgetrieben ist. "Sonst hätte ihn die etwa zehn Kilo schwere Ausrüstung wohl auf den Grund gezogen", so die Einschätzung Günter Herrmanns von der Flensburger Wasserschutzpolizei. Weitere Option: Das Opfer wollte auftauchen, würde dann buchstäblich unter dem Eis kleben.Nur einmal gab es gestern ein kurzen Moment der Aufregung, als die Beamten einen zunächst undefinierbaren Gegenstand weitab im Eis entdeckten . Handelte es sich womöglich um das Trägergerät des Tauchers? Ein Polizeibeamter schritt, an Leinen gesichert, etwa 100 Meter über das Eis. Dann die Entwarnung: Das unbekannte Objekt entpuppte sich als Ente. Tiefgefroren.


 

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