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Eiskratzer auf den Straßen

Norderstedt stumpft ab - mit der Fräse

09. Februar 2010 | 18:32 Uhr | Von Wolfgang Blumenthal

Ebnet die Fahrbahn und wirft das Eis in Bröckchen auf einen Lkw: eine Asphalt-Fräse in Norderstedt. Foto: Ruff

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Eispanzer verwandeln die Straßen in schneeharte Buckelpisten. Um sie wieder zu glätten, hat Norderstedt zwei Baumaschinen umfunktioniert.

Norderstedt. Eines ist sicher: Viele Städte und Gemeinden in Schleswig-Holstein werden von nun an neugierig nach Norderstedt schielen. Denn in der größten Stadt im Kreis Segeberg hatten die Verantwortlichen eine bahnbrechende Idee: Seit gestern kommen Asphaltfräsen gegen eisharte Buckelpisten zum Einsatz. "Das klappt sehr gut", sagt Norderstedts Stadtsprecher Hauke Borchardt auf Anfrage. Zwei Maschinen rückten auf die Straßen aus und waren zunächst noch im "Probebetrieb". Mit Erfolg. Bis zum Wochenende will Hamburgs Nachbarstadt weiter aufrüsten. Bis zu sechs Maschinen sollen dann für normale Straßenverhältnisse sorgen.

Das Prinzip ist denkbar einfach: Die Asphaltfräse rückt statt einem alten Straßenbelag dem harten Eispanzer zu Leibe - bis auf eine Dicke von zwei Zentimetern. "So wird die Straße nicht beschädigt", sagt Borchardt. Anschließend wird die glattgefräste Eisdecke mit Sand abgestreut, und der Autofahrer hat wieder buckelfreie Fahrt.

"Kleiner Eisgipfel" im Rathaus

"Die Situation war zuletzt sehr unerfreulich", berichtet der Stadtsprecher. "Vor allem in den Nebenstraßen hatten sich in der Fahrbahnmitte und an den Rändern Eispanzer gebildet. Mit einem Radlader oder gar einem Schneeschieber kamen unsere Einsatzkräfte dagegen nicht mehr an. So manches Auto lag am Ende auf dem Eis auf." Am Montag schließlich versammelte Norderstedts Oberbürgermeister Hans-Joachim Grote seine Bediensteten im Rathaus. "Sozusagen zum kleinen Eisgipfel", sagt Borchardt. Im "gemeinsamen Brainstorming" sei dann die Idee mit den Asphaltfräsen geboren worden.

In manchen größeren Städten sind die Menschen baff: "Das hätte ich mir hier auch gewünscht, und zwar vor Wochen schon!", entfuhr es gestern Lübecks Stadtsprecher Marc Langentepe am Telefon. Zuständig ist hier jedoch die Stadtreinigung Lübeck GmbH. Deren Sprecherin Cornelia Tews schränkt ein: "Das Modell Norderstedt ist hier nicht ohne weiteres übertragbar." So gebe es in Lübeck sehr viele kleine Straßen und Gassen, die ein Durchkommen für Asphaltfräsen unmöglich machten. Zudem seien Lübecks Hauptstraßen frei.

In Neumünster läuft alles "relativ glatt"

Neumünster indes findet das Vorhaben interessant, sieht aber in der City weniger ein Problem. "Hier läuft alles relativ glatt", sagt Stadtsprecher Stephan Beitz ganz ohne Ironie. "Wir beobachten alle Ideen", sagt auch Flensburgs Stadtsprecher Thomas Kuchel. "Doch Asphaltfräsen kommen derzeit bei unserem Technischen Betriebszentrum nicht in Frage. Die Maschinen müssten gemietet werden. Und das ist zu teuer."

Auch Norderstedt muss die Maschinen bei Firmen mieten. "Uns geht Sicherheit vor Kosten", so der Sprecher.

Dafür ging die Stadt noch einen Schritt weiter: Nach Angaben von Borchardt rücken jetzt zusätzlich 50 Helfer des Technischen Hilfswerkes (THW) und etwa 40 Einsatzkräfte des städtischen Betriebsamtes im Kampf gegen vereiste Bürgersteige aus. Bürger, die sich beteiligen, erhalten kostenlos Streugut.


 

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