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Leck
Mehr Gewalt trotz Videoüberwachung
Leck. Die Tendenz ist steigend. Ob ein handgreiflicher Streit zwischen zwei angetrunkenen Discobesuchern oder eine Prügelei mehrerer Jugendlicher auf der Straße - in Leck kommen wieder häufiger Straftaten mit Körperverletzungen zur Anzeige. Bereits vor drei Jahren machte die Gemeinde mit derartigen Delikten Schlagzeilen. Damals entschloss sich das Amt Südtondern, rund um den Marktplatz vor der Alten Apotheke als Gefahrenschwerpunkt drei Videokameras zu installieren. Ein in Schleswig-Holstein in dieser Form einzigartiges Projekt: Keine andere Stadt im Norden, wohl aber der knapp 8000 Einwohner zählende Ort Leck, lässt einen öffentlichen Bereich rund um die Uhr überwachen, die Daten aufzeichnen und für einen gewissen Zeitraum speichern.
Die Geräte, auf die zehn Schilder hinweisen, wurden nach Absprache mit dem Datenschutzbeauftragten der Polizei sowie dem Landeszentrum für Datenschutz montiert. Sie sollen einerseits Straftäter abschrecken, anderseits der Aufklärung von Strafhandlungen dienen. Ein anfangs erfolgreiches Vorhaben: "Die Bewachung hat sich bewährt und Wirkung gezeigt", vermeldete noch im vergangenen Jahr Max-Günther Erichsen, Leiter der Polizeizentralstation in Leck. Wurden im ersten Halbjahr 2009 acht Fälle von Körperverletzung rund um den Marktplatz angezeigt, so waren es im zweiten Halbjahr jedoch bereits 18. Im ersten Halbjahr dieses Jahres stieg die Zahl der Delikte auf 19. Die Überwachung - ursprünglich auf sechs Monate begrenzt - besteht deshalb weiterhin. Dafür sieht das Ordnungsamt nach Absprache mit der Polizei Bedarf, obwohl die komplette Videoanlage inklusive Wartung monatlich etwa 1500 Euro kostet.
Bis zu 50 Prozent Aufklärungsquote
Womöglich wäre die Anzahl der Körperverletzungen ohne die Überwachungskameras am Markt noch höher, antwortet Erichsen auf die Frage zum Nutzen der Kameras. Zudem sei die Maßnahme, die von der Bevölkerung weitgehend akzeptiert wird, für die Aufklärung von Straftaten wichtig. In den vergangenen Monaten ging die Polizei 47 Fällen aus dem Bereich nach. 19 Mal konnte ein Tatverdächtiger ermittelt und beweiskräftig überführt werden. "Eine Aufklärungsquote von 40 bis 50 Prozent", so Erichsen.
Warum es jüngst jedoch immer häufiger zu Körperverletzungen kommt, dafür hat der Leiter der Polizeizentralstation zwei Erklärungen: So würden Bürger heutzutage eher Anzeige erstatten. Zum anderen zeige sich auch in Leck der Trend, dass Auseinandersetzungen kaum noch verbal, sondern mit Fäusten ausgetragen werden. "Sie bekommen schon für Nichtigkeiten einen Schlag auf die Nase", resümiert Erichsen. Die Gewaltbereitschaft nehme zu - besonders unter männlichen Jugendlichen.
Von Leck als einem "heißen Pflaster" mag Bürgermeister Rüdiger Skule Langbehn dennoch nicht sprechen: "Leck ist ein Ort mit Stadtcharakter. Daher zeigen sich hier auch die Probleme, die in Städten auftreten." Trotzdem könne man sich, so sagt es Erichsen, in Leck sicher fühlen. "Denn sollte es doch einmal zu einer Straftat kommen, dann setzen wir alles daran, sie aufzuklären. Dafür brauchen wir aber auch die Bürger. Sie sollen nicht wegschauen, sondern uns anrufen. Das ist wichtig." So könne jeder etwas zur Sicherheit in Leck beitragen.
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