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Wirtschaft
Keine Zeit für Schwarzarbeit
Kiel / Tübingen. Derzeit wird in Deutschland so wenig schwarz gearbeitet wie seit 18 Jahren nicht mehr. "Die Schattenwirtschaft wird 1,6 Milliarden Euro weniger umsetzen als im Vorjahr", prognostizierte am Dienstag Bernhard Brookmann vom Tübinger Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW). Diese Entwicklung bestätigen auch die Handwerkskammern im Norden. "Die Beschwerden über Schwarzarbeit sind gegenüber den Vorjahren seltener geworden", hat Dirk Belau von der Flensburger Kammer beobachtet. Die Schattenwirtschaft blühe immer dann besonders, wenn es der Wirtschaft schlecht gehe. Jetzt jedoch seien die Auftragsbücher voll und viele bisher Arbeitslose hätten wieder einen Job gefunden.
Trotzdem: Nach Berechnung der Tübinger Forscher bleibt die Schattenwirtschaft mit einem Gesamtumsatz von 343 Milliarden Euro einer der größten Wirtschaftszweige Deutschlands. Jeder siebte Euro wird hier am Fiskus vorbei verdient. Besonders anfällig ist laut Belau das Bau- und Ausbaugewerbe sowie die Kfz- und Friseur branche. Der Nachweis, dass mutwillig Steuern hinter zogen und Kranken- sowie Rentenkassen um Sozialversicherungsbeiträge betrogen werden, sei jedoch schwer zu führen. "Der Übergang zwischen Illegalität und erlaubter Nachbarschaftshilfe ist fließend", so Belau.
Betriebe und Baustellen werden überprüft
Um die Firmen im Norden vor der rechtswidrig arbeitenden Konkurrenz zu schützen, setzt das Kieler Wirtschaftsministerium auf verschärfte Kontrollen. Zusammen mit dem Zoll werden regelmäßig Betriebe und Baustellen überprüft. Effizienter ist jedoch aus Sicht der Wirtschaft die Senkung der Lohnnebenkosten. "Das macht Schwarzarbeit unattraktiver, weil sich das Risiko, erwischt zu werden, wegen der geringeren Differenz zwischen Brutto und Netto nicht mehr lohnt", erläutert Marcus Schween, Justiziar der IHK Schleswig-Holstein.
Ins gleiche Horn stoßen die Tübinger Forscher: Allein durch die Senkung der Rentenbeiträge von 19,9 auf 19,6 Prozent werde die Schattenwirtschaft 2012 um weitere 650 Millionen Euro schrumpfen - weil reguläre Arbeit dadurch billiger werde. Zudem schlagen sie vor, Anreize für Schwarzarbeit zu kappen. Zum Beispiel durch eine stärkere steuerliche Absetzbarkeit von haushaltsnahen Dienstleistungen und Kinderbetreuung. "Das allein würde die Schwarzarbeit um vier bis sechs Milliarden Euro drücken", so Brookmann. Sinnvoll sei es auch, Firmen, die schwarz arbeiten lassen, fünf Jahre von öffentlichen Auftragsvergaben auszuschließen.
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