TOP-THEMA
TV-Kritik "The Voice of Germany"
Ivy Quainoo gewinnt Wettstreit der Stimmen
Der Kampf ums Mikrofon: Bei "The Voice of Germany" battelten sich die vier Finalisten Kim Sanders (Team Nena), Max Giesinger (Team Xavier Naidoo), Michael Schulte (Team Rea Garvey) und Ivy Quainoo (Team BossHoss) per Stimmgewalt. Foto: Sat.1/Pro7
Berlin. Die Tränen kullern über Ivy Quainoos Wangen, während sie ihren Gewinner-Song am Ende des Abends noch einmal singt. "Do you like what you see" (Gefällt dir, was du siehst?) lautet der Titel des Stücks. Und ob Ivy den Zuschauern gefällt! Die 19-Jährige mit der aparten Stimme ist am Ende von "The Voice of Germany" der Publikumsliebling. Ihr goldfarbenes Paillettenkleid funkelt, um sie herum ergießt sich minutenlang Konfettiregen.
Auch Michael Schulte aus Dollerup (bei Flensburg) kommt letztlich nicht gegen Ivys zurückhaltende Gelassenheit an. Noch zu Beginn des Finales hatte das rotgelockte Nordlicht in der Zuschauergunst auf dem ersten Platz rangiert; zwar sang Michael kraftvoller denn je, doch am Ende erntete er nur Bronze. Macht nichts, das Nordlicht gibt glaubhaft zu Protokoll, er gönne seiner Konkurrentin den Titel. Ivy kann indes nur noch grinsen, der Sieg hat ihr die sonst so große Stimme verschlagen.
"Der Xaver" rockt
Jeder der vier Finalisten - Kim Sanders (Team Nena), Max Giesinger (Team Xavier Naidoo), Michael Schulte (Team Rea Garvey) und Ivy Quainoo (Team BossHoss) - musste am Freitagabend drei Mal auf die Bühne. Die Kandidaten sangen je einen selbstgeschreibenen Song, den die Zuschauer bereits aus dem Halbfinale kannten, ein Duett mit dem eigenen Coach (bzw. Coach-Team) - und ein Duett mit einem populären Sänger nach persönlichem Gusto.
Letzteres war Max Giesingers Präsentation nicht unbedingt zuträglich. Er ließ sich ausgerechnet Katie Melua zu Seite stellen - eine Schönheit mit beeindruckendem Organ. Allein gegen die Gewalt ihrer Stimme war der Schwabe machtlos, sein Gesang ging unter. Zudem schmachtete er die Popelfe durch seine Ponyfransen an wie ein Schuljunge, vergaß darüber fast seinen Text. Niedlich - doch die abstimmungswütige Klientel der Teenager-Mädchen dürfte Max Giesinger mit diesem Auftritt vergrault haben. Er geht als Vierter aus dem Wettbewerb.
Und das, obwohl es ihm gelungen war, Xavier Naidoo alias "Dr. Ton" so richtig zum Rocken zu bringen. "Der Xaver", wie Max seinen Coach schwäbisch-neckend nennt, sang mit ihm im Duett den Rolling-Stones-Klassiker "Paint IT Black". Wow, wer hätte gedacht, dass ein weichgespülter Soulfreund das überhaupt kann? Alter Schwabe, und wie der das kann! Vielleicht sollte Mr. Naidoo die Musiksparte wechseln.
Kichernde Liebesbekundungen
Auch in anderer Hinsicht überraschte der einstige Dauernörgler der Show: Naidoo verteilte am Freitagabend ausgesprochen viel Lob. Bei "The Voice of Germany" haben sich halt doch alle lieb. Am liebsten hat sie alle aber die Übermutti Nena. Die deutsche Pop-Ikone mit dem bekifften Blick kam am Freitag gar nicht mehr auf den Boden, sie kicherte entweder albern oder hauchte, "Ihr seid alle so toll! Ich liebe Euch!", ins Mikrofon.
Nenas Finalistin Kim Sanders konnte sich in der Zuschauergunst indes nach oben arbeiten; vom vierten Platz zu Sendungsbeginn schaffte es die Mittvierzigerin letztlich auf Platz Zwei. Ein Grund dafür war sicher die Freude, die sie versprühte - vor allem im Duett mit Nena. Zu "Love Shack" ließen die beiden Frauen ihre Becken kreisen; zeigten im Ultraminikleid im Sixties-Style das ganze Bein; Nena kugelte schließlich juchzend über den Boden. Ihre Kollegen Alec und Sasha von The BossHoss konstatieren: "Die Körpertemperatur ist gerade um drei Grad gestiegen." U-hu!
Der Pumuckl und sein Papa
Kein Wunder also, dass sich Rae Garvey und sein Rotschopf Michael Schulte aus Angeln bereits auf die große Abschiedsparty am Abend freuen. Was spielt die Platzierung bei solchen Aussichten schon für eine Rolle? Außerdem konnte Michael sich bei "The Voice of Germany" einige Träume erfüllen: In Rae hat er einen musikalischen Ziehvater gefunden, zudem stand Michael mit einem seiner größten Idole auf der Bühne: Gemeinsam mit Ed Sheeran sang er am Freitag "The A Team"; zwei Pumuckl-Rotschöpfe pur mit Gitarre. Da kommt Lagerfeuer-Stimmung auf.
Das Nesthäkchen der Show konterte mit edlem Glamour. Im Duett mit ihren Coaches Alec und Sasha von the BossHoss ging es im Paillettendress um Liebesbekundungen via Aretha Franklin ("Say A Little Prayer"). Locker, glaubwürdig, wunderbar. "Du bist genau da, wo Du hingehörst, Baby!", hypen die beiden Männer ihre "kleine Schwester". Die Zuschauerabstimmung gibt ihnen recht.
ProSieben und Sat.1 wollen an den großen Erfolg der ersten "The Voice of Germany"-Staffel anknüpfen. Bereits im Herbst 2012 geht's in die zweite Runde.
Das Ergebnis:
1. Ivy Quainoo (Team BossHoss)
2. Kim Sanders (Team Nena)
3. Michael Schulte (Team Rae Garvey)
4. Max Giesinger (Team Xavier Naidoo)
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