TOP-THEMA
Eistauchen
Im Winter ist die Ostsee bunter
Ein großes Team ist nötig, wenn Jan Langmaack und Michael Mauderer unter dem Eis tauchen wollen. Foto: Grätsch
Tarp. Da rein?! Minus sieben Grad zeigt das Thermometer-Display im Auto. Zu Eis erstarrt ruht die Oberfläche des kleinen Kies-Sees bei Tarp. Mit Axt und Säge haben sie ein Loch ins Eis geschlagen - und jetzt wollen sie ins Wasser.
"Da rein? Klar!" sagt Jan Langmaack. Er ist 28, Unterwasserfotograf, Meeresbiologe und passionierter Ganzjahrestaucher. Ihn und seinen "Buddy" Michael Mauderer (44) aus Janneby halten auch eisige Temperaturen nicht von ihrem Hobby ab. "Das Wasser ist wärmer als die Luft!", lacht Mauderer. "Nur minus zwei Grad!"
Im Winter ist es besonders bunt
Heute steigen die beiden in den Kies-See, um im Auftrag des Besitzers nach einem verlorenen Spezial-Rohr zu suchen. Sonst tauchen sie lieber in der Ostsee. Denn: "Wer sich die Ostsee nicht bunt vorstellen kann, sollte sie gerade im Winter betauchen, um sich von der Farben- und Artenvielfalt überzeugen zu lassen", sagt Langmaack.
Wenn das Wasser an der Oberfläche erstarrt ist, ist darunter richtig was los: Marine Nacktschnecken tummeln sich, die in ihrer Form wohl eher Außerirdischen als Nacktschnecken an Land ähneln. Blumentiere und auch Fische lassen sich im Winter besser beobachten. Sie suchen die küstennahen Gewässer auf, wo das Wasser, anders als im Sommer, nicht durch Algen und Phyto-Plankton eingefärbt, sondern besonders klar ist. Mehr Licht dringt nach unten - und mehr Licht bedeutet mehr Leben. Die beiden Taucher müssen sich jedoch den widrigen Bedingungen anpassen: Sie haben sich in klobige Trockentauchanzüge gequetscht, die so heißen, weil man darin unter Wasser tatsächlich nicht nass wird. Dicke Neoprenhauben auf den Kopf, Handschuhe an die Hände und dann an die Leine. "Eine separate Leinenführung mit Leinenführer über Wasser und noch ein zweites Taucherteam für den Notfall sind absolut notwendig", sagt Langmaack. Das macht Eistauchen zu einem aufwändigen Ereignis. "Jeder Tauchgang unter Eis ist eine Extrembedingung für Ausrüstung und Mensch. Man braucht diese Vorsichtsmaßnahmen, denn Fehler haben fatale Folgen. Wer sich was beweisen will, ist bei dieser Art des Tauchens völlig falsch." Aber: "Jeden Aufwand ist es wert - alleine, um nur die Luftblasen unterm Eis zu beobachten", erklärt er und seine Augen leuchten.
Dann steigen die beiden ins kalte Wasser, nehmen die Atemregler in den Mund, geben sich das Okay-Signal - und sind weg.
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