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Hilfskräfte

"Ich möchte mal wieder ausgeschlafen zur Arbeit"

22. August 2010 | Von Bettina Dethloff, Schleswig-Holstein am Sonntag

"Ich geh schon mal ein wenig vorschlafen": Die Sylter Hilfskräfte lassen sich durch den Feuerteufel auf der Insel nicht in Panik versetzen.

Ein Brandstifter tobt wie ein Wirbelsturm über die Insel, doch die Sylter lassen sich nicht zu Fall bringen. "Ich geh schon mal ein wenig vorschlafen": Das ist auf Deutschlands beliebtester Ferieninsel derzeit Realität. Auf Sylt gibt es vor allem unter den Rettungskräften eine Menge Leute, die jede Gelegenheit nutzen, eine Mütze voll Schlaf zu bekommen. Denn: Man weiß ja nicht, was kommt.

Schließlich gab es innerhalb der letzten zehn Tage eine ganze Serie an Bränden, darunter drei Großeinsätze mit Evakuierungen: In Westerland brannte es in einem Haus mit 48 Wohnungen, ein paar Tage später (in der Nacht zu Montag) hatten die Sylter Feuerwehren mehrere Einsätze in Folge, darunter Großeinsätze in einem Hotel in Wenningstedt und im Schulungszentrum Klappholttal. Und die Serie setzte sich fort. Am späten Dienstagabend und in der Nacht zu gestern brachte der Brandstifter Rettungskräfte (und deren Familien) erneut um ihre Nachtruhe.

"Besondere Aufmerksamkeit ist angebracht"

Die Menschen auf der Insel reagieren unterschiedlich: "Ich kontrolliere einmal mehr die Fenster, das reicht." Andere können nicht mehr ruhig einschlafen und einige sagen schlicht: "Der kann nur hoffen, dass wir ihn nicht vor der Polizei kriegen."

"Natürlich sind die Menschen nervös und in Sorge um ihr Hab und Gut", erklärt Hans Wilhelm Hansen, Leiter des Ordnungsamtes Sylt. "Besondere Aufmerksamkeit ist auch angebracht. Den Königsweg, wie man sich verhalten sollte, gibt es nicht." Von Panik könne aber keine Rede sein. "Diese Geschichte hat auf der Insel eine Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst", so Hansen. "Und die Rettungskräfte arbeiten sowieso Hand in Hand. Wir haben alles im Griff."

"Der Alltag geht weiter"

Auch Karl-Heinz Kroll, Vorsitzender und Geschäftsführer des DRK Sylt, behält die Ruhe: "Wir versuchen weiterhin, die Normalität zu leben", erklärt er. Viele seiner Mitarbeiter haben bis zur Grenze der Belastbarkeit geschuftet, als sie hunderte evakuierte Menschen in der Katastrophenhalle 28 betreuten. Schließlich gibt es für die Rettungskräfte in der Hochsaison auf Sylt auch ohne die Brandserie mehr als genug zu tun. "Doch der Alltag geht weiter", betont Kroll. "Auch die Kollegen in unserem Pflegeheim bleiben gelassen. Sie sind sensibilisiert, natürlich, aber sie bleiben ruhig."

So wurden und werden auch die Feste gefeiert, wie sie fallen: In Keitum fand gestern das Feuerwehrfest wie geplant statt ("jetzt erst recht!"), auch die Bewohner nördlich des Friedrichshains in Westerland, die gleich mehrfach von Brandstiftung betroffen waren, ließen sich ihr Siedlungsfest nicht nehmen - auch wenn sie diesmal früher nach Hause gingen.

Und auch wenn die Polizei inzwischen einen 46-jährigen, dringend tatverdächtigen Mann festgenommen hat, heißt es vorerst weiterhin: Fenster abends zu, Außenbeleuchtung an und Flucht- und Rettungswege frei halten. Vorsicht kann ja nicht schaden. Doch die Hoffnung wächst, dass der Spuk endlich ein Ende hat, vor allem bei den Feuerwehrleuten: "Ich wünsche mir, meine Kameraden demnächst nur beim Dienst oder auf dem Feuerwehrfest zu sehen. Und ich möchte wieder einmal ausgeschlafen zur Arbeit gehen."


 

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