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"Geist ist geil" beim Eco-Marathon
Hamburg. Geiz ist geil. Beim Energiesparen allemal. Und beim größten studentischen Energiespar-Wettbewerb, dem Eco-Marathon, ist nicht nur Geiz, sondern auch Geist geil. Beides wird für den Bau von Fahrzeugen gebraucht, deren Energiebedarf längst nicht in Litern, sondern in Tropfen gemessen wird. Wer am wenigsten verbraucht, gewinnt. Am 6. und 7. Mai treten dafür auf dem EuroSpeedway in der Lausitz 200 europäische Mannschaften an. Aus Norddeutschland dabei: Das Team der Hamburger Hochschule für angewandte Wissenschaften, HAW.
Im Keller brennt mal wieder die Luft. 18 Studierende und vier Professoren schrauben, testen, formen, improvisieren, was Kräfte, Konzentration und Material hergeben. Das HAW-Team will seinem "Baby" auf den Punkt das Laufen beibringen. Das Baby ist das wasserstoffbetriebene Brennstoffzellen-Fahrzeug "Pingu II". Den Namen gab die Form, die der eines Kaiserpinguins nachempfunden ist - stromlinienförmig und damit effizient.
1622 Kilometer mit einem Liter Sprit
In der Lausitz gibt es einiges zu verteidigen. Einen sensationellen dritten Rang in der Brennstoffzellen-Konkurrenz etwa, vor allem aber vorbildlichen Teamgeist, mit dem die Mannschaft 2009 bis zum Schluss gegen die Tücken des Materials gekämpft hat - und im wahrsten Wortsinn im allerletzten Rennen auf den allerletzten Metern doch noch in die Wertung gefahren ist. Umgerechnet hatte der "Pingu" 1622 Kilometer mit einem Liter Sprit geschafft.
"Dieses Jahr wollen wir die 2000er Marke knacken", sagt Katharina Gabrecht (23). Die Fahrzeugbau-Studentin ist im drei Jahre alten Hamburger Eco-Team unter anderem für die Organisation zuständig und außerdem eine Frau der ersten Stunde. Ziemlich gelassen betrachtet sie das "Pingu"-Puzzle in der Werkstatt. "Im Moment sind wir froh, wenn wir den Vogel überhaupt zum Laufen bringen."
Pingus Premiere 2008
Besorgt klingt das noch nicht. Die Mannschaft ist in Sachen "letzter Drücker" von Anfang an einiges gewohnt. Etwa drei Jahre bereiten sich die studentischen Teams auf einen ersten Eco-Marathon gewöhnlich vor. "Das geht auch schneller!", hieß in Hamburg dagegen die Parole des betreuenden Fahrzeugtechnik-Professor Hans-Dieter Stucke. Tatsächlich stand der "Pingu" schon nach sieben Monaten zum ersten Mal 2008 am Eco-Marathon-Start, fuhr dort zwar nicht in die Wertung (das schafft kaum einer beim Debüt). Die junge Mannschaft hatte ihn dennoch auf die Strecke gebracht, was im Trubel dieser Veranstaltung ein Sieg der Willensstärke ist. "Unterm Strich haben wir ungeheuer von den Eco-Teilnahmen profitiert", sagt Katharina Gabrecht. "Wer erfährt sonst schon während seines Studiums, was Projekt-Management heißt, wie die Finanzierung solch eines Vorhabens bewerkstelligt werden kann. Und wann erleben Studenten schon mal, dass das, was sie zeichnen, auch hergestellt wird?"
Die Erfahrung der vergangenen beiden Jahre im Gepäck, kann sie diesmal dem Start in der Lausitz mit relativer Ruhe entgegen sehen - auch wenn Team und Fahrzeug runderneuert sind. "Von den ursprünglichen Eco-Leuten habe etliche den Abschluss gemacht. Aber es sind noch ausreichend Erfahrene dabei, die für die nötige Gelassenheit sorgen können. Erfahrung ist das A und O bei diesem Wettbewerb."
Sandwich-Bauweise mit Wabenstruktur
Auch der "Pingu" ist in weiten Teilen neu. "Der neue Motor beispielsweise ist besser auf die Brennstoffzelle abgestimmt", erklärt Gabrecht. "Die Hülle, letztes Jahr aus Glasfaser, ist jetzt komplett aus Kohlefaser. Das reduziert ihr Gewicht fast um die Hälfte." Sandwich-Bauweise mit Wabenstruktur, wie sie sich im Bootsbau längst bewährt hat, ist beim "Pingu" gewichtsreduzierend und zugleich stabilisierend zum Einsatz gekommen. "Die Hülle haben wir selbst gebaut", sagt Gabrecht. "Das ist für Studenten schon eine ganz besondere Erfahrung: Theorie in Praxis umzusetzen."
Eigentlich müsste der "Pingu" rennen wie geschmiert - zumal seine Pilotin, Claudia Thomas, ebenfalls eine Frau mit dreijähriger Eco-Erfahrung ist. Beschreien will es aber keiner. Vor allem, weil die erste Fahrt mit dem verbesserten Auto wohl erst in der Lausitz gestartet werden kann. "Es ist eben wie in jedem Jahr: eng", sagt Katharina Gabrecht. Als Ass im Ärmel wollen die Hamburger den alten Glasfaser-"Pingu" mitnehmen. "Für alle Fälle."
Der Eco-Marathon
... ist ein internationaler Wettbewerb für Studenten und Schüler, bei dem es gilt, das Fahrzeug mit dem geringsten Energieverbrauch zu ermitteln. Der Wettbewerb wird in unterschiedlichen Regionen der Welt ausgetragen und vom Mineralölkonzern Shell organisiert. In Europa fand der Eco-Marathon erstmals 1985 in Frankreich statt, seit 2009 ist er auf den EuroSpeedway Lausitz beheimatet. Gestartet wird in den Klassen "Prototypen" und "Urban Concept" (bei Fahrzeugen letzterer Klasse ist Straßentauglichkeit Voraussetzung) jeweils in den Kategorien Verbrennungsmotor Benzin, Verbrennungsmotor Autogas, Verbrennungsmotor Diesel, Solar/Fotovoltaikantrieb und Wasserstoff-Brennstoffzelle. Der Eco-Marathon 2010 wird am 6. und 7. Mai ausgetragen. Gemeldet sind rund 3000 Teilnehmer in 200 Teams, darunter 24 Mannschaften aus Deutschland.
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