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Behrensdorf

"Hier wird Übermenschliches geleistet"

24. November 2010 | 18:44 Uhr | Von dpa, shz.de

Feuerwehrmänner gehen über einen durchweichten Deich am Urlaubsort Behrensdorf (Kreis Plön).

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Seit Tagen stauen sich die Wassermassen im Großen Binnensee nahe der Ostsee und drohen einen Deich aufzuweichen. Die Feuerwehr ist im Großeinsatz, um den Ort Behrensdorf zu schützen.

"Wenn die Sirene geht, da geht man los und lässt alles stehen und liegen". Manfred Urbasch von der Freiwilligen Feuerwehr aus Neuenrade bei Neumünster hielt auch sein 57. Geburtstag nicht vom Großeinsatz der Feuerwehr an der Ostsee bei Hohwacht (Kreis Plön) ab: Um eine Überflutung des Urlaubsortes Behrensdorf zu verhindern, kämpfen seit Dienstag insgesamt rund 1000 Feuerwehrleute in Wechselschichten gegen ein Überlaufen des Großen Binnensees. "Wir sind an der Grenze der Leistungsfähigkeit", sagte der Bürgermeister der Gemeinde Hohwacht, Matthias Potrafky am Mittwoch. Und der Amtswehrführer Karl-Hein Antolic meint: "Die Männer und Frauen leisten bei der Nässe und Kälte Übermenschliches."

Für Mittwochabend hofften sie auf eine erste Entlastung: Dann sollte der Wasserstand der Ostsee wieder so weit gefallen sein, dass eine Schleuse geöffnet und Wasser aus dem Binnensee ins Meer fließen kann. Anwohner waren nirgendwo gefährdet, versicherten die Einsatzleiter vor Ort. Gefährdet waren nur wenige Häuser und der um diese Jahreszeit verlassene Campingplatz. "Es geht darum, Hab und Gut zu schützen", sagte Gerhard Bock (58) von der Kreisfeuerwehr Plön. Die Gebäude würden so mit Sandsäcken abgesichert, dass allenfalls Keller voll laufen könnten.

 

Der Deich drohte aufzuweichen, nachdem der Wasserstand des mehrere hundert Hektar großen Sees nach schweren Regenfällen angestiegen war und nicht abfließen konnte. Bei Temperaturen um Null Grad und zeitweise leichtem Schneefall knieten die Feuerwehrleute auf dem kalten Boden, befüllten pausenlos die weißen Sandsäcke, um die Schwachstellen des Deiches am See zu verstärken. Zahllose Feuerwehrfahrzeuge säumten die Straße zwischen Behrensdorf und Hohwacht. Das Technische Hilfswerk war zur Versorgung eingesetzt.

Viele waren stundenlang im Einsatz, bevor sie etwas Warmes bekamen. Sie waren verdreckt, die Anstrengung zehrte an den Kräften, die geröteten Gesichter spiegelten die Erschöpfung. Doch keiner klagte darüber. Auch nicht über die schneidende Kälte, die nach und nach selbst durch die dicken Feuerwehruniformen kroch. Sie hatten alle Hände voll zu tun: 15.000 Sandsäcke wurden bis zum Morgen gefüllt, im Laufe des Tages seien mindestens 15.000 weitere dazugekommen, sagte Antolic. Er selbst machte nach elf Stunden Einsatz nur eine kleine Pause, um weiterzumachen. "50 Sandsäcke sind eine Tonne", verdeutlichte er die Strapazen. Der nasse, braune Sand wurde im Pendelverkehr von Lastwagen aus den Kiesgruben heran transportiert. Keiner vor Ort kann sich an eine ähnlich dramatische Lage erinnern. "Wir haben so etwas noch nicht erlebt", sagte Antje Kuhn, 47, von der Feuerwehr in Schlesen am Selenter See. Sie war seit dem frühen Morgen mit Mann und Sohn dabei, schaffte die Sandsäcke mit auf ein Boot, das den Deich abfuhr und dort sicherte, wo es nötig war.

Die Lage wird noch über Tage angespannt sein, denn das Wasser fließt nur langsam ab. Wenn die Schleuse sechs Stunden geöffnet ist, sinkt der Wasserstand des Sees nur um einen Zentimeter, sagt die Einsatzleitung. Sie rechnet mit zwei bis drei Wochen, bis der normale Pegelstand wieder erreicht ist. Bis Donnerstag sollen durchgängig jeweils rund 200 Feuerwehrleute vor Ort bleiben, danach noch rund 100, sagt Harald Koopmann vom Kreisordnungsamt. Dafür kommen vor allem Wehren aus den Kreisen Plön und Ostholstein. Notfalls müssen aber auch andere Feuerwehren anrücken. Denn irgendwann seien die Kräfte doch verbraucht, heißt es. Auch am Mittwochabend konnte noch keine Entwarnung gegeben werden. Noch immer drohte das Wasser im Großen Binnensee über die Deiche zu treten.


 

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