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Schenefeld/Brisbane
Feuerwehr-Alltag am anderen Ende der Welt
Australier im Dienst: Scott Marles (links) mit seinen Kameraden Arne Mohr, Marc Lehmann, Kai Düfer und Axel Sülflohn von der Feuerwache Hamburg Stellingen. Foto: Röhrs
Schenefeld / Hamburg / Brisbane / Australien. "Katze auf dem Dach". Ein Einsatz, der Feuerwehrmann Scott Marles vor bis dahin nicht gekannte Herausforderungen stellte: Schnee und ein mehrstöckiges Gebäude. Denn wo er herkommt, halten Buschbrände die Feuerwehr auf Trap. Und hohe Gebäude gebe es im australischen Umland gar nicht. Scott Marles kehrt seiner Feuerwache in dem 15000-Seelen-Städtchen Burpengary nahe der Stadt Brisbane für ein Jahr den Rücken. Im vergangenen Dezember packte er seine Sachen. Zusammen mit Ehefrau Heather (46) und den beiden Söhnen Kyle (18) und Harry (12) nahm er den Flieger nach Deutschland, um am anderen Ende der Welt das Leben eines anderen zu übernehmen: Mit dem Feuerwehrmann Dirk Wahlstedt aus Schenefeld tauscht er ein Jahr lang Haus, Auto und den Job. Als Brandmeister übernimmt er stellvertretend für seinen deutschen Austauschpartner den Dienst bei der Feuerwache Stellingen der Berufsfeuerwehr Hamburg.
Personenrettung - für Scott völliges Neuland
Seit 24 Jahren ist Scott Feuerwehrmann. Buschbrände, Autounfälle, Branderziehung sein Alltag in Australien. Und in Deutschland? "Wir rücken öfter aus, aber dann auch für Einsätze, für die die Feuerwehr in Australien nicht zuständig ist." Zum Türenöffnen oder Keller leer pumpen beispielsweise. Und Personenrettung - für Scott völliges Neuland. "In Australien sind Feuerwehr und Rettungsdienst getrennt voneinander organisiert." Um im Angriffstrupp mitzufahren, musste Scott Marles noch einmal eine Atemschutzübung absolvieren. "Die Geräte unterscheiden sich in beiden Ländern." Aber auch auf dem selben Aufgabengebiet gibt es Unterschiede. "In Australien haben wir es öfter mit Frontalzusammenstößen zu tun, weil es auf den Autobahnen keine Mittelleitplanken gibt." Besonderes Augenmerk hatte der Austausch-Brandschützer auf das technische Gerät, das bei Autounfällen zum Einsatz kommt. "Ich werde viele Anregungen mit nach Hause nehmen."
Scott Marles selbst ist bisher unfallfrei auf den deutschen Straßen unterwegs, "obwohl wir in Australien ja auf der linken Seite fahren und ich noch nie im Schnee gefahren bin." Jeden Morgen fährt er mit einigen Itzehoer Kollegen nach Hamburg. "Ich muss deshalb schon um 4.30 Uhr aufstehen. In Australien bin ich jeden Tag in 20 Minuten mit dem Rad zur Arbeit", erklärt Scott. An das Lenkrad der Einsatzfahrzeuge setzt er sich aber nicht. "Das ist sicherer für alle", sagt er mit einem Zwinkern und seine Kameraden auf der Feuerwache stimmen in sein Lachen an. Derselbe Beruf, derselbe Humor. "Meine Kollegen sind hier genauso wie in der Heimat, nur dass sie deutsch sprechen." Diese Beobachtung bestätigt auch Wachführer Thorsten Grams: "Sie können hingehen wo sie wollen, alle Feuerwehrleute sind der selbe Schlag Mensch." Und "Scotty" - wie ihn seine Kameraden nennen - geht glatt als deutscher Teamkollege durch, was zuweilen für gute Unterhaltung sorgte. "Auf Einsätzen sprachen mich die Leute wie jeden anderen Feuerwehrmann auch an. Aber mein Deutsch war noch nicht so gut und ich verstand kein Wort."
"Deutschland - Die Nachricht war erst einmal ein Schock"
Deutsch pauken mussten auch die anderen Familienmitglieder, denn das Abenteuer Deutschland ist ein Familienprojekt. Ehefrau Heather und die Söhne Kyle und Harry kamen mit nach Schenefeld. In ihrem eigenen Zuhause wäre auch kein Platz mehr für sie gewesen. Dort lebt Austausch-Partner Dirk Wahlstedt mit seinen Kindern für ein Jahr. "Deutschland - Die Nachricht war erst einmal ein Schock", berichtet Kyle. "So lange so weit weg." Aber der Student fand schnell Gefallen an seiner Heimat auf Zeit. "Ich konnte auf das Wacken Open Air gehen. Dafür beneiden mich alle meine Freunde zuhause." Er und Bruder Kyle engagieren sich bei den Schenefelder Pfadfindern, verbringen viel Zeit mit Gleichaltrigen aus der Gemeinde. Zur Schule gehen sie hier aber nicht. "Ich unterrichte Harry zuhause", sagt Heather Marles. Kyle hält den Anschluss ans Studium via Internet.
Das Einleben haben Scott Kameraden und die Gemeindemitglieder der Familie leicht gemacht, schwärmt Heather Marles von "der sympathischen, offenen Art der Deutschen". Überrascht waren die vier Australier allerdings von der Vielfältigkeit der Bundesrepublik. Das Bild von Biertrinkern in Lederhosen und Bayrischen Bergen haben sie durch viele neue Eindrücke vervollständigt. "Deutschland ist so bunt, mit so vielen Facetten", ist Heather Marles begeistert.
Ebenso wie vom Marmeladenkochen. "Das hat mir eine Nachbarin gezeigt." Am meisten beeindruckt sind die Vier aber vom Schnee: "Das haben wir vorher noch nie erlebt."
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