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Haftbefehl

"Wollte auf mich aufmerksam machen"

23. August 2010 | 18:11 Uhr | Von Kay Müller / shz.de

Der Tatverdächtige wird auf einer Polizeiwache verhört. Foto: rtn

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Der Feuerteufel von Sylt hat ausgezündelt. Bis in die Abendstunden saß der mutmaßliche Täter beim Haftrichter - der erließ dann Haftbefehl. Das Motiv: Er wollte Aufmerksamkeit.

"Feuer frei für Ihre Fragen." Die Eröffnung der Pressekonferenz von Polizeisprecherin Kristin Stielow in der Husumer Polizeidirektion wirkt etwas zynisch - angesichts der 17 Brände auf Sylt, die in den vergangenen Tagen den Insulanern den Schlaf raubten.

Am Montag nun die Erleichterung: Der 46-jährige Taxifahrer Thomas R., den die Polizei in der Nacht zu Sonnabend festgenommen hat, sitzt in Flensburg in Untersuchungshaft. Es bestehe Fluchtgefahr, er habe "mit dem Gedanken gespielt, alles hinzuschmeißen und abzuhauen", sagt Oberstaatsanwältin Ulrike Stahlmann-Liebelt. "Er hat alle 17 Brände eingeräumt, die ihm zur Last gelegt werden." Und er sei "sehr erleichtert" gewesen, als er die Taten bei seiner sechsstündigen Vernehmung zugegeben habe. R. habe detailliert Auskunft gegeben und Täterwissen offenbart. "Wir gehen davon aus, dass er die Taten allein begangen hat", so Stahlmann-Liebelt. Nur mit Feuerzeug und Papier richtete er mindestens mehrere Hunderttausend Euro Schaden an, zweimal in Häusern, in denen er selbst wohnte. Bis auf ein Feuer in der Heide bei Westerland am 18. August, zu dem noch ermittelt wird, ist die Brandserie damit aufgeklärt.

Einzelgänger mit Alkoholproblemen

Auf eine entscheidende Frage hat weder die Staatsanwältin noch der Leiter der polizeilichen Ermittlungen auf Sylt, Ralf Stolle, eine Erklärung. "Er hat gesagt, er habe kein bestimmtes Motiv gehabt. Außer vielleicht, dass er die Aufmerksamkeit auf sich lenken wollte", sagt Stahlmann-Liebelt. Die Brandorte habe er zufällig ausgewählt. Mehr habe er dazu nicht gesagt. Die Polizei hatte offenbar schon bei einem der ersten Brände nach einem langhaarigen blonden Mann gesucht. R. hat lange blonde Haare. Letztlich habe dann laut Stolle jedoch "Kommissar Zufall" geholfen, weil der Mann bei seiner letzten Brandstiftung in der Nähe des Tatortes gesehen wurde, flüchtete und sich versteckte. Polizisten fanden ihn, nahmen R. fest, der keinen Widerstand leistete.

Wer ist der Mann, der auf Sylt Angst und Schrecken verbreitete? In seiner Bundeswehrzeit lernte der aus dem Raum Gelsenkirchen stammende Mann Nordfriesland kennen. "Er fuhr häufiger von Husum nach Sylt, weil es in Husum keine schönen Strände gab", sagt Stolle. Seit Thomas R. als Zeitsoldat diente, habe es ihn auf die Insel gezogen. Mit Gelegenheitsjobs schlug sich der Mann, der keine Ausbildung hat, durchs Leben. Wegen eines Verkehrsdelikts ist er vorbestraft. Nach seiner Scheidung zog der Mann vor drei Jahren nach Sylt, fuhr dort für verschiedene Taxiunternehmen. R. hat ein minderjähriges Kind.

Mehrere Verletzte, Polizei im Dauereinsatz

Der 46-Jährige soll ein Einzelgänger mit Alkoholproblemen sein. Bei seinen letzten Brandstiftungen am Sonnabend war er angetrunken. Warum R. gerade in diesem Sommer zum Feuerleger wurde, dabei drei Menschen verletzte und Hunderte in Lebensgefahr brachte, ist weiter unklar. "Er wusste, dass Menschen in den Gebäuden waren, in denen er zündelte", sagt Stahlmann-Liebelt. Sie ermittelt wegen schwerer, menschengefährdender Brandstiftung. R. droht eine mehrjährige Haftstrafe.

Begonnen hatte die Brandserie am 11. August. Insgesamt 17 Mal brannte es auf Sylt. Mehrere Menschen wurden verletzt, vierhundert Urlauber wurden aus Hotels und Unterkünftigen geholt und in Notlagern untergebracht. Feuerwehren, Rettungskräfte und Polizei waren rund um die Uhr im Dauereinsatz. In der Nacht zum Sonntag zündelte der Täter am Westerländer Rosenweg zum letzten Mal. Entdeckt worden war das Feuer von dem 13-jährigen Andreas Reuß aus Alfter bei Bonn, der zusammen mit seinen Eltern Karin und Stephan Reuß auf der Insel Urlaub macht. Der Junge saß noch vor dem Fernseher und roch den Rauch. Er ist selbst bei der Freiwilligen Feuerwehr und wusste was zu tun ist: Sofort alarmierte er seine Eltern, Nachbarn und die anderen Hausbewohner. Alle brachten sich rechtzeitig in Sicherheit. Mit Eimern und Schüsseln voller Wasser löschten sie gemeinsam die Flammen ab.


 

Leserkommentare

 
STEFAN PETERS 23.08.2010 22:15
Langweiliger Artikel

Hallo liebes SHZ-Team! Viele Zeitungen wissen anscheinend detallierter und mehr als das örtliche SHZ-Zeitungsteam. Irgendwie traurig wenn die nicht ansässigen Zeitungen viel mehr Inhalte zu dem Thema liefern. So erfährt der Leser bei Ihnen nicht, dass das erste Feuer in dem eigen Keller gelegt wurde, er selber evakuiert wurde, von der Stadt eine andere Wohnmöglichkeit bekam - direkt gegenüber von einem Brandort und nur wenige Schritte entfernt von vielen anderen Brandorten. Es sogar in dem Vorgarten seiner neuen Behausung brannte und das er kurz vorher seinen Job als Taxifahrer bei einem Unternehmen verloren haben soll......

HERBERT FREY 24.08.2010 08:24
Wie gut,...

...dass wir Herrn Peters haben. Dass das erste Feuer in dem Haus ausbrach, in dem der Mann selbst wohnte, ist bereits hier geschrieben worden. Vielleicht wollte der Autor in diesem Text das nicht nur wiederkäuen. Siehe z.B. hier: www.shz.de/artikel/article/237/verdaechtiger-auf-sylt-festgenommen.html
Dass der eine oder andere Boulevard-Fakt fehlt, macht den Artikel aber nicht gleich langweilig. Dass die Polizeisprecherin "Galgenhumor" hat, finde ich z.B. auch sehr informativ. Und es lässt den Text nicht so langweilig beginnen, wie die ewig gleich formulierten Polizeimeldungen.
Was mich aber zum eigentlichen Kern beschäftigt: Warum zündelt ein Mensch, um Aufmerksamkeit zu bekommen, und bringt dadurch sich und andere in Gefahr? Da gibt es doch dank vieler freier TV-Sender mittlerweile andere Alternativen - auch wenn der Mann nicht singen kann.



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