SYLTER RUNDSCHAU

 

Brandserie

Festnahme lässt Insulaner aufatmen

23. August 2010 | 04:50 Uhr | Von Katja Zeidler/Jörg Christiansen

Die Ferienwohnanlage "Grenzhof" entging knapp der Brandkatastrophe. Fotos: Syltpicture

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Wieder brannte es auf Sylt - doch in der Nacht zu Sonnabend nahm die Polizei einen 46-jährigen Taxifahrer fest. Erleichterung bei Betroffenen und Politikern.

Sylt. Als das Siedlungsfest am Friedrichshain am Sonnabend mit Einbruch der Dunkelheit eigentlich enden sollte, brach im Festzelt plötzlich lautstarker Jubel aus. Statt nach Hause zu gehen, um Haus und Hof vor dem in ihrem Viertel besonders aktiven Sylter Feuerteufel zu schützen, herrschte auf dem Spielplatz inmitten der Siedlung noch für Stunden beste Stimmung. Der Grund war die Mikrofon-Durchsage von Peter Schnittgard, dass der Brandstifter gefasst sei und die Taten gestanden habe solle. Schnittgard: "Da herrschte ein Jubel, als wäre beim Fußball gerade ein Tor gefallen", so der Mit-Organisator.

Kein Wunder, hatten die Bewohner des Westerländer Nordens doch fast eine Woche lang in Angst vor dem unheimlichen Brandstifter gelebt, der allein in ihrem Umfeld mehrmals Feuer gelegt und Menschenleben in Gefahr gebracht hatte. "Die Erleichterung bei den Bewohnern der Siedlung ist riesig", so Schnittgard. Die Ermittler und Rettungskräfte, die in den vergangenen Tagen so professionell gearbeitet hätten, sollten "sich alle umarmt fühlen".

Wachdienst wird trotzdem fortgesetzt

Auch Bürgermeisterin Petra Reiber atmete auf, als sie erfuhr, dass mit dem 46-jährigen Taxifahrer vermutlich der Verantwortliche für die gesamte Brandserie seit dem 11. August gefasst sei. "Als ich die gute Nachricht weiter gab, waren alle erleichtert", sagte Reiber. "Besonders für Mütter und Kinder ist es beruhigend, dass man abends wieder ins Bett gehen kann, ohne Angst, im Schlaf von Flammen überrascht zu werden", ergänzte Westerlands Wehrführer Jörg Elias.

Geteilt wurde die Erleichterung und Beruhigung der Westerländer auch von Hartmut Schiller, dem Leiter von Klappholttal, wo vor einer Woche zwei Gebäude ein Raub der Flammen wurden. Obwohl auch die Polizei mittlerweile wohl davon ausgeht, dass der Taxifahrer für alle Taten seit dem 11. August verantwortlich ist, will Schiller den nächtlichen Wachdienst in der Akademie am Meer vorerst weiterführen. "Der Schock sitzt einfach zu tief, so etwas braucht man nicht noch einmal", sagte Schiller und rätselte über das Motiv: "Eigentlich kann er doch nichts gegen uns gehabt haben, schließlich kannte er uns ja gar nicht." In der kommenden Woche soll die provisorische Küche in vier Containern in Betrieb genommen werden. Außerdem hoffe man, aus dem abgebrannten Wirtschaftsgebäude noch vieles retten und das Haus wieder aufbauen zu können.

"Die letzte Nacht war ein Amoklauf"

Auch den Kameraden der Lister Feuerwehr, die am Montag am Großeinsatz in der Klappholttaler Akademie am Meer beteiligt waren, verschließt sich das Motiv des Täters völlig. "Die letzte Nacht war einfach nur noch ein Amoklauf", meinte Wehrführer Andreas Fließ. "Man könnte meinen, der Brandstifter wollte endlich erwischt werden." Noch am Sonnabendnachmittag hatte das interne Sommerfest der Lister Feuerwehr ganz ohne Alkohol stattgefunden - die Kameraden blieben einsatzbereit. "Als Bürgermeisterin Reiber uns über die Festnahme informierte, waren wir begeistert, dass es so schnell geklappt hat", so Fließ.

Ob sich der 46-Jährige, der erst seit kurzem auf Sylt lebt und als Taxifahrer arbeitet, zu seinen Motiven geäußert hat, wollte die Polizei am Wochenende nicht mitteilen. Am Mittag wurde der Mann per Auto aufs Festland gebracht. Bis zum Abend wurde er vom Haftrichter verhört, dessen Entscheidung bei Redaktionsschluss noch nicht bekannt gegeben wurde.


 

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