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Prozessauftakt in Meldorf
Elf anvertraute Pferde verschachert
Pferdeliebhaber sind emotional - und in den meisten Fällen weiblich. Wenn sie sich von einem Tier verabschieden, dann nur unter der Bedingung, dass es auf einer Weide leben kann und nicht auf dem Schlachthof endet. Dieses Versprechen wurde mindestens zehn Pferdebesitzern in Norddeutschland gegeben - und offenbar gebrochen.
Angeklagt ist ein Pärchen aus Heide in Dithmarschen. Sabine D. und Frank M., beide 40 Jahre alt, wurde gestern vor dem Amtsgericht Meldorf vorgeworfen, zwischen Oktober 2007 und Januar 2009 in zehn Fällen elf ihnen anvertraute Beistellpferde unterschlagen zu haben. Gewerbsmäßiger Betrug, lautet die Anklage. Einige Tiere seien gewinnbringend weiterverkauft worden, so der Staatsanwalt. "Zum Teil ist der Verbleib der Tiere auch unbekannt." Beistell pferde sind eine gängige Praxis: Sie werden zu anderen Pferden gestellt, damit die Herdentiere nicht einsam sind. Doch damit nicht genug: Das Heider Pärchen soll zudem die ihnen übergebenen Pferde nicht angemessen gepflegt und ernährt haben. Damit sind die beiden auch wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz angeklagt.
"Wir haben uns umarmt"
17 Zeugen waren geladen. Die meisten Betroffenen sind über eine Internet-Anzeige der Angeklagten Sabine D. aufmerksam geworden. Stets sei mit besonders liebevollen Worten ein "Weidekumpel" für ein einsames Pferd auf einer Koppel bei Heide oder ein Therapiepferd gesucht worden, sagen die Zeugen nahezu gleichlautend. Und der erste Kontakt - er war fast immer überwältigend. "Sie war sehr sympathisch", schildert es Ilona B. (45) aus Stoltenberg im Kreis Plön. "Es war so nett, so toll", erinnert sich Andrea W. (42) aus Neuendeich (Kreis Pinneberg). "Wir haben uns umarmt", sagt Diana H. (31) aus Gothendorf bei Eutin.
Fast mitleidig hört die Angeklagte - eine durchaus aparte Person - diese Aussagen. Ihr vertrauten die späteren Opfer, überließen ihr die Pferde. Doch irgendwann brachen die Kontakte ab. Als "Petra Walter", "Sabine Kruse" oder "Nadine Walter" haben die geprellten Pferdebesitzer die Angeklagte kennen gelernt. Doch sie war nicht mehr auffindbar. Die meisten Pferde auch nicht.
"Dexter" war nur noch Haut und Knochen
Das zuletzt angehörte Betrugsopfer schildert ein Pferde-Drama, das einige Frauen im vollbesetzten Zuhörerbereich zu Tränen rührt. Dies war der Fall "Dexter": Besitzerin war Anastasia J. (45) aus Nützen (Kreis Segeberg). Sie hatte ihr Oldenburger Pferd im August 2007 an das Pärchen abgegeben. Später erfährt sie Schreckliches: "Dexter" hatte entgegen dem Vertrag den Besitzer gewechselt. Dann erhält sie Fotos von dieser Übergabe, die sie zum Weinen bringen. "Bei uns war er noch dick und rund - da aber war er nur noch Haut und Knochen."
Die weiteren Gerichtsfälle, bei denen das angeklagte Pärchen Pferde veruntreut haben soll: Stute "Siska" aus Stoltenberg (Kreis Plön) - verschwunden. Stute "Blanche" aus Holm bei Wedel - verschwunden. Wallach "Whisky Sour" aus Hannover - in Honigsee bei Kiel wiederentdeckt. Stute "Avondi" aus Gothendorf bei Eutin - nahe Soltau in Niedersachsen wiederentdeckt. Stute "Gräfin" aus Neuendeich (Kreis Pinneberg) - verschwunden. "Tasman" aus Steigberghaff in Angeln - in Itzehoe wiederentdeckt. Die Quarterhorse-Pferde "Macho" und Shockey" aus Weyhe bei Bremen - verschwunden. Haflinger-Stute "Goldi" aus Averlak in Dithmarschen - möglicherweise auf dem Schlachthof geendet. Stute "Romanza" aus Averlak in Dithmarschen - verschwunden. Wallach "Lucky Voyager" aus Horst (Kreis Steinburg) - verschwunden.
Einige Tiere sollen an den Pferdehändler Theo S. (50) aus Esperstoft in Angeln verkauft worden sein. Doch welche Pferde er zu einer Schlachterei nach Dortmund gefahren hatte, daran konnte er sich gestern vor Gericht nicht mehr erinnern. Der Prozess wird fortgesetzt.
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