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Warnstreiks im Öffentlichen Dienst
Kommentar: Einem nackten Mann...
Wenn heute die Warnstreiks im Öffentlichen Dienst auch über Schleswig-Holstein kommen, steht die Gewerkschaft Verdi vor einem Balance-Akt. Sie darf bei ihrem Arbeitskampf das Verständnis der Bevölkerung nicht verlieren.
Dort wird das Begehren nach höheren Löhnen von Erzieherinnen, Busfahrern oder Müllwerkern vermutlich akzeptiert; dies sind Einkommensschichten, die bekanntermaßen nicht gerade mit Spitzengehältern ausgestattet sind. Andererseits wird Verdi schnell Rückhalt verlieren, wenn Schüler und Pendler schon wieder frierend an Bushaltestellen zurückgelassen werden, Eltern schon wieder vor verschlossenen Kindergärten stehen, der Müll an den Straßen in den Tonnen gefriert, Autos über zugeschneite Straßen rutschen. Von Warnstreiks in warmen Amtsstuben ganz zu schweigen: Wenn dort die Arbeit ruht, ballt der Bürger schnell die Faust in der Tasche, weil er dort Leute vermutet, die die Arbeit sowieso meist nicht erfunden haben.
Kein Wunder also, dass Verdi-Sprecher Frank Schischefsky ankündigt: "Wir wollen es am Anfang nicht gleich übertreiben!" Er wird wissen warum.
Hinzu kommt, dass auch Verdi einem nackten Mann nicht in die Tasche greifen kann. Jeder weiß, dass die Kommunen weithin kein Geld haben. Der Kieler Oberbürgermeister Torsten Albig hat recht, wenn er beklagt, dass die Städte, Kreise und Gemeinden im staatlichen Gemeinwesen stiefmütterlich behandelt werden. Erst bedient sich der Bund, dann das Land; die Kommunen bekommen, was übrig bleibt. Albigs Forderung nach einer Ausschaltung der Länderebene ist gewiss nicht mehr als eine Provokation, aber eine neue Wertschätzung der kommunalen Ebene bei Bund und Ländern ist allemal fällig. Dann hätten die Kreise, Städte und Gemeinden vielleicht auch mehr Geld für ihre Leute.
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