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Klimawandel

Die Nordsee ist zu warm

09. Februar 2010 | 17:02 Uhr | Von Marietta Hülsmann

Die Nordsee verändert sich: Für die Miesmuschel ist der Lebensraum bedroht. Foto: rah

An Land sorgt der Winter für eisige Temperaturen, im Wasser nicht unbedingt: Die Nordsee ist zu warm, warnt das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie.

Mit einem monatlichen Mittelwert im Januar von 6,3 Grad liegen die Wassertemperaturen in der Nordsee zwar noch unter dem durchschnittlichen Mittel, aber immer noch zu hoch, meldet das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH)."Seit 1988 gibt es einen grundsätzlichen Temperaturanstieg", sagt der Geologe Dr. Hartmut Heinrich vom BSH.

Die Konsequenzen der Erwärmung sind dramatisch: "Nicht jede Pflanzen- und Tierart überlebt den Temperaturanstieg", erklärt Lena Eggers, Meeresbiologin an der Universität Kiel. Wärmeliebende Tiere werden gestärkt, erklärt die Expertin. Die Miesmuschel werde beispielsweise immer mehr von der pazifischen Auster verdrängt. Eiderenten und Austernfischer werden dadurch ebenfalls seltener, denn die Muschelbänke sind Nahrungsgrundlage dieser Vögel. Und Muschelbänke bieten wiederum 50 anderen Arten einen Lebensraum.

Auch Plattfische wie Scholle und Seezunge sind vom Klimawandel betroffen. "Diese Fische trifft man kaum noch im Watt, sie tauchen in kühlere Tiefen ab", berichtet Thomas Borchardt vom Nationalparkamt Wattenmeer. Dafür beobachtet der Biologe mittlerweile die wärmeliebenden Sardellen und Sardinen im Wattenmeer. Seehunde seien zwar in ihrem Lebensraum nicht bedroht, aber auch sie reagieren auf das veränderte Klima: Bisher gebaren die Weibchen Ende Juni, durch die Erwärmung kommen die kleinen Seehunde nun schon Anfang des Monats auf die Welt.

"Nicht alle Tiere haben die Möglichkeit, in immer kältere Regionen abzuwandern"

Die Tierwelt verändere sich zwar, aber leide nicht maßgeblich unter dem Klimawandel, prognostiziert der Fachmann. Entwarnung gibt er dennoch nicht: "Nicht alle Tiere haben die Möglichkeit, in immer kältere Regionen abzuwandern. Für Eisbären wird es am Ende keinen Platz mehr geben", sagt Borchardt.

Niedersachsen reagiert auf die Erwärmung der Nordsee: Wissenschaftler von elf Forschungsinstituten wollen die Veränderungen genau unter die Lupe nehmen. Die Landesregierung stellt dem Forschungsverbund für drei Jahre 3,3 Millionen Euro bereit. Schleswig-Holstein engagiert sich mit mehreren Initiativen für die Rettung der Meere, unter anderem mit dem Exzellenz-Projekt "Ozean der Zukunft", an dem eine Vielzahl von Wissenschaftlern mitwirkt.

Nicht immer ist allerdings der Klimawandel Schuld an der Veränderung der Tierwelt: Auch der Möwenbestand an der Nordsee verringert sich. Doch das liegt daran, dass die Tiere zu wenig Abfall finden, wie Borchardt berichtet: "Viele Müllkippen sind mittlerweile einfach abgedeckt. Da können die Vögel nicht fressen."


 

Leserkommentare

 
HELMUT ERB 09.02.2010 20:15
Panikmache

Wieder einmal wird in dieser Zeitung eine harmlose Pressemeldung in eine Katastrophenmeldung umgedeutet.

Das BSH meldet, daß die Oberflächentemperatur der gesamten Nordsee im Januar um 0,3 Grad Celsius unter dem langjährigen Mittel für diesen Monat liegt. Man darf wohl sagen, daß es kälter war als im langjährigen Durchschnitt des Monats Januar. Kälter, nicht wärmer.

Nur im Einzelvergleich mit den besonders kalten Wintern der Vergangenheit zeigt sich die Nordsee im Januar 2010 wärmer.

Weil es so gut ins Bild paßt, läßt die Verfasserin unerwähnt, daß die Wassertemperaturen im Watt und im Küstenvorfeld besonders niedrig sind. Dort ist es sozusagen saukalt.

Wer aus diesem Sachverhalt ein Katastrophenbild zusammenzimmert, will Ängste fördern. So etwas nennt man Panikmache.



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