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Fernsehkritik: Kieler Tatort "Frau am Fenster"
Die Neue macht Borowski Dampf
Ungleiches Duo: Sibel Kekilli ermittelt im Kieler Tatort jetzt als Sarah Brandt an der Seite von Klaus Borowski (Axel Milberg). Foto: dpa
Endlich ergibt die Rolle des Klaus Borowski einen Sinn: In Polizeianwärterin Sarah Brandt hat der dröge Kommissar seinen Gegenpol gefunden. Während Borowski noch bürokratisch vor sich hinbrütet, verschafft sich die junge Computerspezialistin schon illegal Zugang zur Datenbank der Landesjustizbehörden. Ihre Rechtfertigung: "Wir sind doch die Guten, oder?". Bei so viel Temperament verschlägt es Borowski glatt die Sprache.
Statt auf bedeutungsschwangere Blicke setzt der neue Kieler Tatort auf spritzige Dialoge, plastische Charaktere und famose Schauspieler. Allen voran brilliert Sibylle Canonica in "Frau am Fenster" in der titelstiftenden Rolle der Tierärztin Charlotte Delius. Nach Außen mimt die Veterinärin den Gutmenschen, innerlich ist sie eine Besessene.
Ordinäre Blondinen und Explosionen in der Mikrowelle
Von ihrem Fenster aus beobachtet Delius den Nachbarn, Streifenpolizist Hans Nielsson, rund um die Uhr. Spätestens als der Begehrte eine blutjunge Blondine bei sich einziehen lässt, müsste der Tierärztin klar werden, dass sie mit ihrer verblühenden Schönheit keine Chance bei ihm hat. Stattdessen wird die ordinär gekleidete Nebenbuhlerin gekillt und in einer Jauchegrube versenkt; auch Koffer und Habseligkeiten der jungen Frau lässt Delius verschwinden. Dumm nur, dass die Zahnspange der Ermordeten am Tatort liegen bleibt.
Kommissar Borowski tappt lange im Dunkeln, während der Zuschauer die Lösung des Falls von vornherein kennt. Trotzdem ist "Frau am Fenster" spannend erzählt nicht zuletzt, weil sich die Geschichte im dörflichen Milieu eines Kieler Vorortes abspielt. Jeder kennt jeden, trotzdem gelingt es Dr. Delius seit Jahrzehnten, ihre gespaltene Persönlichkeit zu verbergen. Gruselig: Nur wenn die Psychopatin von nebenan allein zu sehen ist, lässt sich der Wahn an kleinen Gesten ablesen; ganz ohne Pathos. Als sie eine Zecke in der Mikrowelle zum Explodieren bringt, spritzt das Blut gegen die Glasscheibe. Delius atmet auf und den Zuschauer schaudert es.
Unfreiwillige Männer-WG und allabendlicher Suff
Nicht nur der komplizierte Mordfall und die aufmüpfige junge Kollegin setzen Kommissar Borowski zu; auch zu Hause hat er keine ruhige Minute. Sein Vorgesetzter Roland Schladitz (Thomas Kügel) steckt in einer Ehekrise und hat sich für drei Wochen bei Borowski einquartiert. Jetzt muss sich der Kommissar nach Dienstschluss auch noch mit dem Chef betrinken und dessen Liebesleid wälzen. Bald schon repariert der Eindringling tropfende Wasserhähne, veranstaltet Putzorgien und bekocht den Kollegen lukullisch kurz: Schladitz bringt Borowskis Single-Haushalt völlig aus dem Takt.
"Du bist schlimmer als eine Ehefrau", stöhnt der Kieler Kommissar denn auch einmal auf, im Übrigen trägt er sein Schicksal wie immer mit norddeutschem Phlegma. Die Zwischensequenzen in der Männer-WG lockern den Tatort angenehm auf und bringen den Zuschauer zum Schmunzeln.
Brandts coole Fassade bröckelt
Schließlich gelingt es Borowski doch noch, sein Revier zurückzuerobern. Schladitz versöhnt sich mit seiner Ehefrau und die coole Fassade der Polizei-Elevin Brandt bröckelt. Trotz ihrer streckenweise fast pubertär anmutender Trotzigkeit verheißt der Charakter der Sarah Brandt Tiefe.
Schon bald darf das Tatort-Publikum mehr über sie erfahren, denn am 6. November ist das Kieler Duo wieder im Einsatz. Klaus Borowski und Sarah Brandt ermitteln in "Borowski und der coole Hund" gemeinsam mit einem schwedischen Kollegen, das Drehbuch dieser Tatort-Folge basiert auf einer Vorlage des schwedischen Krimiautors Henning Mankell.
Leserkommentare
Sehr geehrter Herr Kuttich,
vielen Dank für Ihren Hinweis. Wir haben den Fehler korrigiert.
Die Onlineredaktion
Moin Herr Kuttich,
es freut mich immer, mich mit Menschen auszutauschen, die sich auch Gedanken über die deutsche Sprache machen. Bei der Redewendung "Sinn machen" bin ich allerdings anderer Meinung als Sie. Bei Interesse lesen Sie doch einmal nach, was Sprachforscher der Uni Bremen zu dem Thema sagen: www.iaas.uni-bremen.de/sprachblog/2009/01/12/seit-wann-machen-wir-im-deutschen-sinn/: Offenbar lässt sich die Wendung bereits in den 60er Jahren des 18. Jahrhunderts im deutschen Sprachgebrauch belegen und macht also durchaus Sinn.
MfG Antonia Stahl
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"Endlich MACHT die Rolle einen Sinn". Nichts macht Sinn, sondern etwas ergibt Sinn; in etwas liegt Sinn; etwas ist sinnvoll. Also HAT die Rolle nun einen Sinn. Anscheinend machen alle mit, wenn es um die Verkrüppelung der deutschen Sprache geht...
Da kann man nur noch den Kopf schütteln...