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Sensationsfund am Danewerk

Das Tor der Wikinger

27. August 2010 | 16:12 Uhr | Von Wolfgang Blumenthal

Am ausgegrabenen Schutzwall (v.li.): Der Leiter des Archäologischen Landesamtes Schleswig-Holstein, Claus von Carnap-Bornheim, Dänemarks Generalkonsul Henrik Becker-Christensen, Landrat des Kreis Schleswig-Flensburg Bogislav Tessen von Gerlach und Schleswig-Holsteins Bildungsminister Dr. Ekkehard Klug. Foto: dpa

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"Sechser im Lotto" für Archäologen: Sie haben das mittelalterliche "Tor nach Skandinavien" nahe Haithabu freigelegt.

Der "Ochsenweg" - bei Dannewerk trägt auch eine kleine Landstraße im Kreis Schleswig-Flensburg diesen Namen. Sie folgt parallel zur Autobahn 7 einer uralten Route und durchbricht eben bei der Gemeinde Dannewerk einen ebenso historischen Wall - das Danewerk. Was die meisten Autofahrer bislang nicht ahnten: Sie durchfuhren einen künstlichen Durchbruch. Nur 50 Meter westlich verbarg sich jahrhundertelang unter dem Wall der offenbar echte Durchlass im Danewerk. Claus von Carnap-Bornheim, Leiter des Archäologischen Landesamtes, beschrieb die Entdeckung am Freitag mit nur einem Wort: "Sensation". Endlich scheint das historische Tor nach Skandinavien entdeckt zu sein.

Lange wurde danach gesucht. Bereits jetzt sprechen viele Fakten dafür, dass es dem Team um Grabungsleiterin Dr. Astrid Tummuscheit vom Archäologischen Landesamt gelungen ist, das im Jahr 808 in den fränkischen Reichsannalen genannte "einzige Tor" freizulegen. So wurden von Erde verfüllte Löcher entdeckt, in denen einst kräftige Holzpfosten zur Stützung der steinernen Wangen der Mauer gesteckt haben müssen. Und es wird weiter gegraben. "Wir hoffen, noch einen Meter tiefer weitere Indizien für Holzkonstruktionen zu finden", erklärt Astrid Tummuscheit.

500 Jahre lang standhaft

Das Danewerk zwischen der einstigen Wikingersiedlung Haithabu bei Schleswig und der Treene diente als südliche Befestigungsanlage der Dänen gegen die Sachsen und Slawen. Mindestens 500 Jahre lang durchschritten Könige und Händer, quälten sich Heere und Herden durch den einzigen und etwa sechs Meter breiten Durchlass durch die bis zu sieben Meter hohe Mauer auf dieser Schleswiger Landenge zwischen den Meeren.

Möglicherweise aber noch länger. "Wann der Durchlass verfüllt worden war, wissen wir bis heute nicht", berichtet die Grabungsleiterin. "Irgendwann nach dem Bau der Waldemarsmauer." Diese wurde um 1170 vor die alte, etwa 3,50 Meter hohe Feldsteinmauer gebaut und ragte dann bis zu sieben Meter in die Höhe. Die Waldemarsmauer bildete die Endphase des Danewerks "und war der erste bedeutende Backsteinbau im Norden", so Claus von Carnap-Bornheim. Seit der Entdeckung des Tores wissen die Archäologen nun auch, dass dieses Ziegelwerk sich von der linken Torwange vier Kilometer westlich ins Landesinnere zog.

Café musste abgerissen werden

Bevor überhaupt Voruntersuchungen an dieser Schnittstelle von Danewerk und Ochsenweg starten konnten, musste jedoch ein baufälliges altes Café abgerissen werden, das just an dieser Stelle in die alte Befestigungsanlage hineingebaut worden war. Teilweise dienten alte Feldsteinmauerreste als Fundament. "An einigen Stellen sieht man noch Betonreste", deutet Grabungsleiterin Astrid Tummuscheit an. Der Sydslesvigsk Forening (Südschleswiger Verein) konnte im Jahr 2008 das Café mit Mitteln des AP Møller erwerben. Und der Stromriese Eon Hanse unterstützte den Abriss.

Von 2009 an übernahmen die Archäologen aus Schleswig die Grabungen. Schleswig-Holsteins Kulturminister Ekkehard Klug (FDP) war vom Ergebnis begeistert: "Das Tor öffnet uns auch neue Wege bei der Anerkennung des Danewerks als Weltkulturerbe bei der Unesco."


 

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