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Kommentar
Das päpstlich-beredte Schweigen
Der Papst hat sich - endlich! - zu den Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche geäußert. Aber nur zu denen, die die Kirche in Irland erschüttert haben. Zugleich hat er geschwiegen. Nämlich zu den Untaten, die seine Priester in seiner Heimat verbrochen haben. Warum?
Wochenlang wurde im Vatikan an dem Hirtenbrief für die Iren formuliert. War man danach so erschöpft, dass es für offene und tröstende Worte an die Schäfchen in Deutschland nicht mehr reichte? Der Hinweis des Vatikan-Sprechers, "der Papst müsse nicht jeden Tag über alles sprechen", ist angesichts der Missbrauchsopfer in Benedikts Heimat schon beinahe zynisch zu nennen.
Die Interpretation der deutschen Bischöfe, die römischen Betroffenheitsformulierungen als Botschaft für alle zu lesen, ist unter kirchenpolitischen Gesichtspunkten vielleicht verständlich. Richtig ist sie nicht. Denn der Papst und die katholische Kirche in Deutschland haben durch die mittlerweile tausende Missbrauchsfälle einen tiefgreifenden Schaden genommen. Den behebt man nicht mit Zögern, Schweigen und Zynismus. Wenn die Kirche nicht an den schändlichen Taten einiger ihrer Priester zerbrechen will, dann muss sie sich offen und vor allen Betroffenen bekennen. Schweigend geht das nicht!
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