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Fettes Brot

"Das Album war übernotwendig"

12. März 2010 | Von Olaf Neumann

Auf zwei Einzel-CDs bringt Fettes Brot das erste Live-Album auf den Markt: "Fettes" und "Brot". Olaf Neumann traf die Hamburger Musiker zum Interview.

Seit Jahren eng beisammen: König Boris, Doktor Renz und Björn Beton (v.li.) Foto: Herndorff

König Boris, Björn Beton und Dokter Renz alias Fettes Brot gelten als die Pioniere des Deutschraps. Jetzt bringt das Trio verteilt auf zwei Einzel-CDs das erste Live-Album auf den Markt: "Fettes/Brot". Olaf Neumann traf die Hamburger Musiker.

"Fettes/Brot" wurde während Eurer letzten Tournee mitgeschnitten. Ein klassisches Live-Album?
König Boris: So ist es. Das Format "Live-Album" ist mittlerweile ziemlich verkommen. Eine mittelmäßige Live-Platte wird verschenkt, damit das aktuelle Studiowerk Gold geht. Teile davon hat der Tourmanager noch schnell mit dem Handy mitgeschnitten. Bei uns ist das aber noch wie früher. Wir wollten ein Standardwerk erschaffen und haben deshalb die Tour von 2008 komplett mitgeschnitten sowie etliche Konzerte von 2009. Beim Abhören der Aufnahmen gab es sogar für uns selbst unheimlich viel zu entdecken. Auf der Bühne ist man ja auf seinen Part konzentriert, so dass man im Eifer des Gefechts gar nicht bemerkt, was die Band da so spielt.

Die Band hat sich vom Rap-Trio zu einer elfköpfigen "Soul-Punk/Ska-Funk/Meta-Pop"-Formation entwickelt. Zeigt "Fettes/Brot" auf, wo es mit der Band hingegen soll?
Björn Beton: Dieses Live-Produkt ist so homogen wie kaum ein Studioalbum von uns, weil der Bandsound einen deutlich roten Faden ergibt. Diese Stringenz vermissen wir im Nachhinein bei unseren bisherigen Studiowerken. Das waren oftmals Expeditionen ins Musikreich. Es wurden nur marginal Dinge nachbearbeitet. Wir haben zum Beispiel in den Ansagen kleine Versprecher eingebaut, damit es nicht zu perfekt klingt.

Gerade im Live-Kontext klingen viele eurer Songs um einiges lebendiger. Ist das Live-Spielen die eigentliche Bestimmung von Fettes Brot?
Dr. Renz: Dass diese Platten so gut klingen, ist unserer großartigen Band geschuldet. Seitdem wir zu elft unterwegs sind, hat sich ein neues Universum aufgetan. Es ist sozusagen das Gelée Royal unserer zweijährigen Konzertreise mit der großen Band. Nach 15 Jahren war solch ein Live-Dokument übernotwendig, um es mal mit den Worten unserer Steuerberaterin auszudrücken.

Wie finden die Musiker von The Clash die Neufassung von "London Calling"?
Björn Beton: Wir haben unsere Version zwar genehmigen lassen, wissen aber nicht, ob die heute noch lebenden Clash-Musiker sie persönlich gehört haben. Ich würde es mir jedenfalls wünschen. "Hamburg Calling" und "My Way By Nature" sind lieb gewonnene Live-Stücke, die wir jetzt erstmals veröffentlichen. Bei "My Way" stand die Genehmigung auf Messers Schneide. Letztendlich ist eine geschmackliche Entscheidung, ob die Rechteinhaber sich solch eine Bearbeitung vorstellen können. "My Way By Nature" ist eine Hommage an "Nordisch By Nature", ein Lied, das wir den Konzertbesuchern mehrere Jahre vorenthalten haben.

Fettes Brot treten Mo., 10. Mai, bis Mi., 12. Mai, 20 Uhr, in der Großen Freiheit in Hamburg auf. Die Konzerte sind ausverkauft. Fr., 10. Dez., 20 Uhr, gastieren sie in der Hamburger Color Line Arena, Karten: 01805/853653.

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