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Neumünster
Angst vor Neonazi-Demo und Umsatzminus
Neumünster. Die Stadt hat es offenbar versäumt, wichtige Institutionen über die am Sonnabend geplanten Demonstrationen von Neonazis und Antifaschisten zu informieren. Weder das Museum, auf dessen Parkplatz die Auftakt- und Abschlusskundgebungen der Rechtsextremen stattfinden sollen (der Courier berichtete), noch die Marktleute erhielten bis gestern eine Nachricht. Die sollen am Sonnabend zeitgleich mit den Demonstrationen auf dem Großflecken ihre Waren anbieten.
"Ich werde auf jeden Fall versuchen zu erreichen, dass die Kundgebungen der Neonazis noch verlegt werden", teilte Museums-Chefin Astrid Frevert gestern mit. Es sei "überhaupt nicht schön", dass ausgerechnet der Parkplatz zwischen Schleusberg und Wasbeker Straße für den Aufmarsch von geschätzten 150 Neonazis ausgesucht wurde, meinte sie. Der Platz wurde erst im vergangenen Jahr erneuert und ist als offizieller Besucherparkplatz des Museums ausgeschildert.
Angst um Wochenmarktstände
Auch Stefan Wegener, Sprecher der Marktleute, hatte am Mittwoch noch keinen Anruf aus dem Rathaus erhalten. Er meint, jeder Marktbeschicker müsse selbst abwägen, ob er das Risiko eingehe und auf dem Wochenmarkt seine Waren anbiete. "Hätte ich auf dem Großflecken meinen Stand, würde ich nicht kommen", sagt er und berichtet von Neonazi-Aufmärschen in Kiel: "Da haben sich meine Mitarbeiter geweigert, ihre Gesundheit aufs Spiel zu setzen." Zudem sei unklar, wer im Falle von Krawallen die Schäden an Verkaufsständen bezahle.
Wegener rechnet am Sonnabend mit Einbußen für die Marktleute im "hohen zweistelligen Bereich". Familien, aber auch ältere Leute würden aus Angst dem Markt fernbleiben. "Es ist nie klar, ob die Demonstrationen so verlaufen, wie sie geplant sind", sagt er.
"Keine wertvollen Sachen ins Schaufenster"
Das sieht auch Renée Clément so, die Inhaberin der gleichnamigen Buchhandlung am Kuhberg. "Auf jeder Demonstration kann etwas passieren", meint sie. Vor der Tür ihres Ladens werden sich am Sonnabend-Vormittag fünf Stunden lang vermutlich 200 Gegendemonstranten aufhalten. "Deshalb lege ich keine wertvollen Sachen ins Schaufenster", sagt sie.
Gerd Grümmer, Chef des Einzelhandelsverbandes, hofft auf "relativ innenstadtneutrale Demonstrationszüge". Er regt an, Aktionen gegen Rechtsextreme nicht unbedingt am gleichen Tag mit deren Aufmärschen zu legen. "Je weniger man denen Beachtung schenkt, desto besser", sagt er.
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