TOP-THEMA

 

NPD-Demo in Neumünster

Alle Fraktionen gegen "braune Einfalt"

16. Februar 2012 | 08:20 Uhr | Von Udo Carstens

Einigkeit über Parteigrenzen hinweg: (von links) Stefan Kommoß (FDP), Andreas Hering (SPD), Guntram Pappe (Bündnis für Bürger), Sabine Krebs (CDU) und Thomas Krampfer (Grüne) beteiligen sich mit ihren Parteifreunden am Engagement gegen Rechts. Foto: Ziehm

Die Parteien in Neumünster unterstützen den Runden Tisch und setzen ein Zeichen gegen die NPD-Demo am 1. Mai. Auch die Schließung vom "Club 88" wird geprüft.

Neumünster. Auch wenn die Ratsversammlung am Dienstag ausfiel und damit auch die Debatte um den Rechtsextremismus - alle Parteien wollen ein politisches Zeichen setzen gegen die angekündigte NPD-Demonstration am 1. Mai. Der Runde Tisch für Toleranz und Demokratie, der heute um 17 Uhr zusammenkommt, erhält von sämtlichen Fraktionen der Ratsversammlung Unterstützung. Die Botschaft ist eindeutig: "Bunte Vielfalt statt brauner Einfalt in Neumünster!"

Extra zur Ratsversammlung hatte das überparteiliche Bündnis gegen Rechts 43 Ausgaben der "Jüdischen Allgemeinen" bereitgelegt, damit jedes Ratsmitglied den Artikel von Tuvia Tenenbom über den "Club 88" lesen konnte. Für Bündnis-Sprecher Dr. Christof Ostheimer gehören auch die "Titanic" und der "Athletic Klub Ultra" zu den neonazistischen Strukturen, die "Symbolkraft für die gesamte norddeutsche Szene" besitzen. Die Beseitigung dieser rechten Stützpunkte würde helfen, die öffentliche Neonazi-Präsenz in Neumünster zu verringern.

"Ein deutliches Zeichen" gegen die NPD-Demo

Die SPD schloss sich dem Bündnis-Aufruf an und legte für die Ratsversammlung eine Resolution gegen Rechtsextremismus vor. Fraktionschef Andreas Hering fordert, alle Schritte zu prüfen, die zu einer Schließung von "Club 88" oder "Titanic" führen könnten. Außerdem sollte Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras der Ratsversammlung regelmäßig Bericht erstatten über den Rechtsextremismus in der Stadt. Das zivilgesellschaftliche Engagement müsse gestärkt und vor allem die Aufklärungsarbeit in den Schulen ausgeweitet werden.

Für die CDU erweiterte Sabine Krebs den SPD-Antrag: Die Bürger sollen ermutigt werden, sich für Toleranz und Demokratie einzusetzen. "Dazu gehört auch ein deutliches Zeichen" gegen die NPD-Demo am 1. Mai. Dabei soll der Runde Tisch die Aktionen koordinieren; unter diesem Dach wäre Platz für Vereine, Verbände, Kirchen, Gewerkschaften und Parteien. "Vom Gesangverein über Schulklassen und Sportvereine bis hin zu Initiativen von Unternehmen" ist für Sabine Krebs ein Engagement vorstellbar.

"Keinen Freiraum für Rechtsextremismus"

Für Guntram Pappe vom Bündnis für Bürger (BFB) "kann es doch nicht sein, dass die Rechten hier in der Stadt aufmarschieren". Wenn der Staat sich hinter dem Demonstrationsrecht verschanze und es nicht schaffe, dem brauen Treiben Einhalt zu gebieten, dann sei eben das zivile Engagement gefordert. Laut Pappe geht die Gründung des Runden Tisches auf eine Initiative des Jugendhilfeausschusses zurück - vor allem der Nachwuchs müsse über Neonazis aufgeklärt werden.

Thomas Krampfer von den Grünen spricht, wenn vom "Club 88" die Rede ist, vom "Club Heil Hitler" - steht doch die 8 für das "H", den achten Buchstaben des Alphabets. Der Grünen-Sprecher ist überzeugt, dass "der latente Antisemitismus in der Bundesrepublik" durch Einrichtungen wie den "Club" nur noch gefördert werde. Diese Diskussion aber sei mit einem Tabu belegt - das müsse man durchbrechen.

Stefan Kommoß sagte, er hätte der Resolution natürlich ebenfalls zugestimmt. Man dürfe den Extremisten keinen Freiraum bieten. Der FDP-Sprecher bedauert, dass man zurzeit offenbar keine juristische Handhabe habe, den Gadelander Neo nazi-Treff zu schließen. Er stellt gleichzeitig fest: "Es wäre besser für Neumünster, wenn es den 'Club 88' nicht geben würde."

"Unter Kameraden": Am  Sonnabend im Journal
"Unter Kameraden" heißt der Text von Tuvia Tenenbom, den die Wochenzeitung "Jüdische Allgemeine" aus Berlin kürzlich abdruckte. Am kommenden Sonnabend ist die Passage, die bereits für einiges Aufsehen sorgte, im Schleswig-Holstein-Journal des sh:z zu lesen.
Der Autor Tenenbom ist der Leiter des "Jewish Theater of New York" und beschreibt in dem Text seinen Besuch im „Club 88“ in Neumünster. Unter falscher Identität verbrachte der Jude Tenenbom ein paar Stunden unter Rechtsradikalen. Das Kapitel über den umstrittenen Treff in Neumünster ist Teil seines neuen  Buches "I sleep in Hitler's room". Auf Deutsch erscheint es demnächst bei Suhrkamp unter dem Titel "Allein unter Deutschen".


 

Leserkommentare

 
HANS ALBERS 16.02.2012 22:11
Unter Kameraden!

Lieber unter Kameraden, als unter dem, was hier Demokratie geschimpft wird!
Ernsthaft jetzt mal, ist das was hier zurzeit abgeht, die Entwicklung die wir uns einst vorgestellt haben? Deutsche die sich von Migranten bespucken und auslachen lassen müssen, Politiker inkompetent und korrupt bis ins letzte Glied, eine Politik die sich insbesondere gegen das eigene Volk stellt, eine Bildungspolitik, die den Deutschen verblödet und statt dessen Fachkräfte aus dem Ausland importiert? Wen wollt Ihr denn noch verarschen? Nebenbei die ständig steigende Inflation, Deutschland - auch wenn ich einer Deiner Söhne bin, ich könnte vor Scham im Boden versinken. Kotzen kann ich leider nicht mehr, die Lebensmittelpreise sind für mich zu hoch und ich noch nicht weit genug mich bei der Tafel anzustellen. Ich bin übrigens Christ, falls es jemanden interessieren sollte. Fuck...



Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu schreiben. Anmelden

Warum muss ich mich anmelden/registrieren?

shz.de distanziert sich prinzipiell von allen in den Leserkommentaren geäußerten Meinungen ohne Rücksicht auf deren Inhalte. Alle Beiträge in den Leserkommentaren geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen der User wieder.

Bitte beachten Sie unsere Richtlinien für Kommentare!



 
 

SH-REISE

1000 Tipps für schöne Tage im Norden!
Der Norden hat viel zu bieten: In "1000 Tipps für einen schönen Tag in Schleswig-Holstein" finden Sie die schönsten Seiten des Landes und lernen geheime Attraktionen kennen. Einige haben wir hier für Sie.

 

 

LANDTAGSWAHL 2012

 

Beilagen der Woche

 
     

    "HERBIE" IN RENDSBURG

    Grönemeyer kommt nach Rendsburg!
    Alle wichtigen Informationen zum Konzert erhalten Sie hier.

     

    Nachrichtenticker

     

    Meistgelesene Artikel

     



     
    HÄUFIG GELESEN

    Drei Tote bei Verkehrsunfällen im Norden

    Drei Menschen sind am Donnerstag bei Verkehrsunfällen in Hamburg und Schleswig-Holstein ums Leben ...mehr

     
     


    KONTAKT | IMPRESSUM | AGB | DATENSCHUTZ