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Sommer in Schleswig-Holstein

24. April 2014 | 07:47 Uhr

Experte zum Klimawandel - "Mehr Urlauber werden gen Norden reisen"

vom

Der Klimawandel treibt neue Touristen ins Land. Experte Professor Dr. Edgar Kreilkamp erklärt, warum er eine Chance für Schleswig-Holstein ist - und man ihn trotzdem aufhalten muss.

Herr Professor Kreilkamp, was erwartet uns angesichts des drohenden Klimawandels in Schleswig-Holstein?
Der Meeresspiegel wird ansteigen und es wird wärmer. Dazu prognostizieren Klimaforscher, dass der Sommer in Zukunft deutlich trockener, der Winter feuchter wird. Im Sommer können die Niederschlagsmengen bis zu 20 Prozent ab- und im Winter bis zu 20 Prozent zunehmen.
Für manchen Touristiker, der mehr Urlauber nach Schleswig-Holstein locken will, klingt das doch gar nicht schlecht, oder?
Auf den ersten Blick vielleicht. Denn wir wissen aus vielen Untersuchungen, dass die Suche nach Sonne seit jeher einer der Hauptreisegründe ist. Laut einer Studie ist "Sonne und Wärme genießen" für 51 Prozent der Befragten sehr wichtig, ein gesundes Klima immerhin noch für 44 Prozent.
Also kann Schleswig-Holstein touristisch vom Klimawandel profitieren?
Wir haben zumindest festgestellt, dass andere Regionen im Vergleich für manche Urlauber unattraktiver werden. So fahren etwa immer mehr Schweizer nicht mehr ans Mittelmeer, weil es ihnen dort zu heiß geworden ist. Statt dessen wählen sie eher den viel weiteren Weg an die norddeutschen Küsten.
Und diese Touristen kommen auch immer wieder?
Wie alle Touristen wollen sie etwas geboten bekommen, am besten ein vielseitiges Angebot. Die meisten Urlauber legen Wert auf Natur, Kultur und Gesundheit. Wer gute Qualität bietet, etwa mit einer besonderen Hotellerie oder Appartements, hat gute Chancen, die Touristenströme einzufangen. Nur mit einem ausgebautem Dachgeschoss mit Omas Möbeln bekommt man aber keine neuen Gäste.
Birgt denn der Klimawandel nicht auch Risiken für den Tourismus im Norden?
Zunächst einmal setzt der Klimawandel ja langsam ein. Und er trifft andere Regionen härter. So bucht etwa heute kaum noch jemand lange im Voraus einen Winterurlaub im Harz. Da gibt es einfach keinen verlässlichen Schnee mehr, deswegen kommen mehr Tagesausflügler und spontane Kurzurlauber.
Aber besteht nicht die Gefahr, dass Schleswig-Holstein bald nichts mehr zu vermarkten hat, weil es unter Wasser steht?
Nein, nein. Natürlich wird es mehr Extremwetterlagen geben: mehr Starkregen, Unwetter, auch mehr Sturmfluten. Aber vor allem letzterem kann auf zwei Wegen begegnet werden: Zum einen sind die Deiche zu erhöhen, eine Aufgabe des Küstenschutzes. Zum anderen können diese Ereignisse touristisch genutzt werden, indem geschützte Sturmbeobachtungsstationen für Interessierte gebaut werden.
Das klingt gefährlich...
...noch ist es ja nicht so weit. Der Tourismus hat Zeit, sich auf den Klimawandel einzustellen. Deutliche Änderungen kommen erst ab 2030. Aber wir müssen auch im Tourismus den CO2-Ausstoß reduzieren und zu einer Verminderung der Folgen des Klimawandels beitragen. Was wir heute ändern, wird erst ab 2050 Auswirkungen auf den Klimawandel haben. Wir müssen alles daran setzen, den Klimawandel aufzuhalten.
Wenn die Leute wegen weniger CO2-Produktion weniger reisen und neue Energiebranchen mit Maisfeldern, Biogas-Anlagen und Windrädern die Landschaft im Norden prägen - sind das nicht negative Faktoren für den Tourismus?
Nicht unbedingt. Na klar: Wenn man Menschen fragt, ob sie es gut finden wenn in ihrer Urlaubsregion künftig viele Windräder stehen, dann antworten 95 Prozent mit Nein. Wir wissen aber auch, dass es Umfragen unter Urlaubern aus Regionen mit vielen Windrädern gibt. Und dort nennen die meisten Urlauber die Windkraftanlagen nicht einmal in der Kategorie: Mich stört...
Wird denn der Urlaub durch den Klimawandel teurer?
Möglich, vor allem weil in den touristischen Regionen Investitionen nötig sind. Da denke ich nicht mal an die Erhöhung der Deiche, sondern etwa an die bessere Dämmung der Urlaubsquartiere oder etwa die Ausflugsschiffe, die schadstoff ärmer werden müssen, um nur einige Punkte zu nennen.
Werden denn die Urlauber klimabewusster?
Ja, vor allem wenn es um die Entfernung zum Reiseziel geht. Schon heute zählen sich fünf Prozent der Deutschen zu den Kunden von Veranstaltern, die umweltverträgliche Reisen anbieten. Acht Prozent geben an, dass sie explizit Reisen buchen, die bestimmte Umweltstandards berücksichtigen. Dass zusätzlich über 20 Prozent der Deutschen künftig beim Buchen darauf achten wollen, lässt ein weiteres Wachstum dieses Marktes erwarten. Im übrigen: Junge Urlauber buchen eher nachhaltige Reiseangebote als ältere Reisende.
Was können die Tourismusorte tun, um ihrerseits das Klima zu schützen?
In Mecklenburg-Vorpommern gibt es etwa eine Waldaktie. Touristen zahlen freiwillig einen kleinen Betrag, um den CO2- Ausstoß auszugleichen, den ihr Urlaub verursacht. Dafür werden Bäume gepflanzt. Zunächst dachten viele, das Konzept könne nicht funktionieren, jetzt wird es schon schwierig, Flächen für die neuen Wälder zu finden. Dazu passt, dass fast 90 Prozent der Bevölkerung fordert, dass Tourismusanbieter dazu beitragen sollen, die Auswirkungen auf den Klimawandel zu vermindern.
Also sind die Menschen auch bereit, für die Verhinderung des Klimawandels ihr Portemonnaie zu öffnen?
So pauschal würde ich das nicht sagen. Im Rahmen des Forschungsprojektes Kuntikum an unserer Universität, bei dem auch Urlauber aus Schleswig-Holstein befragt wurden, gaben zwar 74 Prozent an, dass sie Klimaschutz für eine "Bürgerpflicht" halten. Aber die Zahlungsbereitschaft ist dann doch wesentlich geringer.

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von Kay Müller
erstellt am 13.Aug.2012 | 07:53 Uhr

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01. | Udo Damerau | 12.08.2012 | 08:44 Uhr
@ ROSA ROSE 11.08.2012 11:09

"Den Klimawandel bis Dienstag Vormittag nutzen."
Den Mittwoch können Sie auch noch mit einplanen... Viel Spaß!

02. | Udo Damerau | 11.08.2012 | 19:59 Uhr
Zukunft

"Der Meeresspiegel wird ansteigen und es wird wärmer. Dazu prognostizieren Klimaforscher..."

Zum Meeresspiegel, der ansteigt, bisher aber keine steigende Tendenz zeigt:
http://www.youtube.com/watch?v=vZxCywx26i4
http://www.youtube.com/watch?v=f9sje9igfpE

Zum ´prognostizieren´:
Professor Schellnhuber legt Wert darauf, dass er KEINE Prognosen liefert, sondern lediglich ´Scenarien´, die er selbst ´Geschichten für die Zukunft nennt´ - also nicht EINE BESTIMMTE Zukunft, sondern MEHRERE Geschichte-n:
http://www.youtube.com/watch?v=4WEFE_hRb28

"Zunächst einmal setzt der Klimawandel ja langsam ein..." Jau! Und hat vor zehn oder auch mehr Jahren bereits aufgehört - kann man an den Temperaturen ablesen; Ausreißer gibt und gab es immer - und das in beiden Richtungen.

"Deutliche Änderungen kommen erst ab 2030." Und 2035 ist der Himalaya gletscherfrei! Mann, oh, Mann - hier langt´s mir!








03. | Thusnelda Greensleeves | 11.08.2012 | 12:17 Uhr
Kommentar von Helmut Erb

Sehr schöner Kommentar, Helmut. Findet man hier selten. ich stimme völlig zu und hab mich amüsiert.

04. | Rosa Rose | 11.08.2012 | 11:09 Uhr
Wieder so ein Experte

19 mal das Wort „Klima“ in unterschiedlich dramatischer Form in dem kurzen Text.
Das muß man erst mal hinkriegen. Es wird solange wiederholt bis die Angst im Rückenmark der Leute sitzt. Ist angekommen.
Der Herr Kreilkamp mag tatsächlich ein Experte auf dem Klimazug sein.
Seine Forschungschwerpunkte sind vor allem zum Thema „Klimawandel und Tourismus“, finanziert durch das BMBF und das Land Niedersachsen.
Und wenn sein Institut weiter in diese Richtung forschen will, sprich Gelder erhalten, muß auch er die Angst vor der Zukunft hoch halten.
Die „Sturmbeobachtungsstationen“ sind übrigens schon gebaut und schon bald steht schon für fast jeden Touristen eine Windindustrieanlage an der Küste zur Verfügung. Nur auf Sylt noch nicht... mmmh? Kommen dann die vielen Extremtouristen nicht mehr? Die sind dort scheinbar zu doof um Geld abzuzocken
Nur retten werden wir mit dem Wind & Co Wahn nichts.
Die Argumentation und die als Erkenntis präsentierten Lobbypressemitteilungen ums Langfristwetter, die Notwendikeit des EEG, Energiewende etc. nimmt immer mehr kabarettistische Züge an, wie auch in diesem Artikel wieder.
Bitte ein wenig mehr Gelassenheit mit dem weitgehend natürlichen Klimaänderungen.
Bitte!
Nun muß ich aber ab zum Strand. Den Klimawandel bis Dienstag Vormittag nutzen.

05. | Helmut Erb | 11.08.2012 | 07:54 Uhr
Wir müssen alles daran setzen, die Endzeitpropheten aufzuhalten

Noch einer.

Regelmäßig wird der Volkswirtschaftler Professor Hohmeyer von dieser Zeitung als Klimaforscher gefeiert, obwohl auch Wissenschaftler außerhalb ihres Fachgebietes nur interessierte Laien sind.

Der Betriebswirtschaftler Prof. Kreilkamp wird befragt, als wäre er Klimaforscher. Davon kann aber überhaupt keine Rede sein.

Die Fragen stellt Kay Müller, der davon ausgeht, daß Schleswig-Holstein bald unter Wasser steht. So entsteht ein Interview, das nicht auf Seite 3 mit Aufreißer auf der Titelseite gehört, sondern in den Schredder.

Im Norddeutschen Klimaatlas sind die Klimadaten zusammengefaßt, die von den Klimaforschern des HZG Geesthacht erwartet werden. Bis Mitte des Jahrhunderts könnte die Temperatur danach im Sommer um 1,6 Grad steigen. Der Niederschlag könnte um vier Prozent zurückgehen, die Anzahl der Regentage um drei. Die Entwicklung der Windgeschwindigkeit und der Sturmintensität ist unklar. Vielleicht wird es mehr, vielleicht weniger. Sonnenstunden und Bewölkung sind unklar. Vielleicht mehr, vielleicht weniger.

Ich werde jetzt eine der geschützten Sturmbeobachtungsstationen aufsuchen, um dort mit den zahllosen Schweizern über den menschengemachten Klimawandel zu sinnieren. Vielleicht treffe ich dort auch Kay Müller. Den erkennt man an der Schwimmweste.

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