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Rocker

01. August 2014 | 17:54 Uhr

Ex-Rocker vor Gericht : Spitzel, Lügner, Kronzeuge

vom

Steffen R. behauptet, das NSU-Terrortrio sei in Kiel gewesen, was gelogen ist. Sind die Ermittler der Soko Rocker auf einen Geschichtenerzähler hereingefallen?

Kiel | Der Fall des "Hells Angels"-Kronzeugen Steffen R. (40) schlägt weiter Wellen. Aussagen, die der Ex-Rocker zur rechtsextremen NSU gemacht hat, waren gelogen - was die Frage aufwirft, welchen Wahrheitsgehalt seine übrigen Behauptungen haben. Die Kieler Staatsanwaltschaft stützt sich bei ihren Ermittlungen gegen die Kieler "Hells Angels" auf den verurteilten Straftäter, aber hat Steffen R. die Behörden manipuliert, um eine mildere Strafe zu erhalten und ins Zeugenschutzprogramm aufgenommen zu werden?
Maßgeblich für die bislang größte Razzia gegen Rocker im Norden war die Aussage von Steffen R., die Kieler "Hells Angels" hätten den türkischen Ex-Türsteher Tekin Bicer im Fundament einer Lagerhalle einbetoniert. Eine Leiche wurde dort jedoch nicht gefunden.
"Tot in einem Zuflussrohr"
Es ist allerdings nicht das erste Mal, das Steffen R. mit Informationen zu einem Vermissten aufwartete. Für Oberstaatsanwalt Hans-Jürgen Neufang aus Naumburg an der Saale (Sachsen-Anhalt) war die Suche nach Tekin Bicer wie ein Déjà-vu. Eine solche Geschichte hatte Steffen R. Ermittlern bereits in seiner alten Heimat erzählt. Der Oberstaatsanwalt: "Es ging um einen verschwundenen Imbissbetreiber türkischer oder kurdischer Herkunft." Steffen R., der 1998 vom Landgericht Halle wegen Brandstiftung zu sechs Jahren Haft verurteilt worden war, meldete sich damals aus dem Vollzug. "Er sagte, der Vermisste liege tot in einem Zuflussrohr der Saale", so Hans-Jürgen Neufang. Eine Suchaktion mit Hundertschaften und einem Hubschrauber begann. Eine Leiche konnte nicht gefunden werden.
Steffen R. aber wurde 2001 vorzeitig aus der Haft entlassen. "Die Erfahrung, dass sich die Zusammenarbeit mit der Polizei auszahlt, dürfte er mitgenommen haben", sagt Neufang. Dazu zählte auch die Bereitschaft von Steffen R., als V-Mann für die Behörden zu arbeiten. Unter dem Decknamen "Herzbube" trug er Informationen aus der rechten Szene zusammen, während er gleichzeitig um Weißenfels im Süden Sachsen-Anhalts ein Bordell-Imperium schuf. Steffen R. setzte seine Prostituierten, teilweise waren es Minderjährige, unter Heroin, zwang sie mit Schlägen zum Anschaffen.
Kaufte NSU-Trio Waffen in Kiel?
Die Behörden beendeten die Zusammenarbeit mit ihm aber erst, als Steffen R. in einem Prozess wegen Zuhälterei seine Tätigkeit als Spitzel offenlegte und seinen V-Mann-Führer Holger G., heute Kriminalrat, schwer belastete. Im September 2003 gab das LKA Sachsen-Anhalt einen Vermerk heraus, in dem es vor einer Zusammenarbeit mit Steffen R. warnte. Der wurde zu drei Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt, die er in Schleswig-Holstein absaß, da er auch Mittäter belastet hatte. Im Norden knüpfte er Kontakte zu den "Hells Angels", wurde Chef der Unterstützergruppe "Legion 81", die die Drecksarbeit im Milieu erledigte.
Das brachte ihn 2011 erneut vor den Haftrichter und in U-Haft - Steffen R. packte aus. Er berichtete nicht nur über die Rocker, sondern auch über das NSU-Terrortrio. So will er im Auftrag der Landeskriminalämter Sachsen-Anhalt und Thüringen eine von den Behörden bezahlte Neonazi-Party veranstaltet haben, bei der Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe gegen 23.30 Uhr aufgetaucht seien. Und 2009 soll das Trio sogar in Kiel gewesen sein. "Die beiden Uwes und die Beate" seien gekommen, um Waffen zu kaufen. Ein Maschinengewehr, eine Maschinenpistole, mehrere Pistolen sowie Schrotflinten hätten sie bekommen, damit auf die "Alte Meierei", ein Zentrum der Linken in Kiel, geschossen.
Lügen für den Zeugenschutz?
Laut Bundesanwaltschaft stimmt an diesen Aussagen nichts. Derartige Waffen seien bei dem Trio auch nicht gefunden worden. Es sei davon auszugehen, dass der Zeuge "bewusst wahrheitswidrige Angaben" gemacht habe, heißt es aus Karlsruhe. Warum? Ein Mithäftling von Steffen R. berichtete Ermittlern, er habe R. 2011 in der JVA Neumünster den Tipp gegeben, dass man Leute belasten müsse, die bekannt seien, damit man Zeugenschutz bekomme. Diesen Rat befolgte Steffen R. offenbar.
"Es wäre nicht nötig gewesen", heißt es aus Ermittlerkreisen in Kiel. "Als Rocker-Aussteiger hätte er den auf jeden Fall erhalten." Die Warnung vor Steffen R. wurde beim Kieler Landeskriminalamt erst vor knapp drei Wochen kommuniziert. Das sei jedoch unerheblich, da Steffen R. in Kiel kein V-Mann gewesen sei. "Für Zeugen gibt es keine Warnhinweise", so ein Ermittler. "Sie müssen gehört, ihre Aussagen geprüft werden. Und das haben wir getan." Bei den Rockern sei vieles zutreffend gewesen. Das brachte Steffen R. statt zehn milde vier Jahre ein, dazu ein Lob vom Staatsanwalt.
Wie wird seine Glaubwürdigkeit heute beurteilt? Die Kieler Oberstaatsanwältin Birgit Heß sagt: "Dazu geben wir keinen Kommentar ab."

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von Eckard Gehm
erstellt am 10.Okt.2012 | 08:06 Uhr

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01. | Stefan Greve | 09.10.2012 | 16:43 Uhr
HÖHÖ

@W. wenn's nur einmal gewesen wäre ;)
Das scheint die Masche zu sein, Kriminell ohne Ende und wenn man erwischt wird einfach bischen lügen und dinge erfinden die ins Bild passen. Vor einigen Jahren waren's die Nazis, die er verraten hat, und nun sind halt die Rocker drann! Wie dem auch sei er hat seine Ministrafe, die Ermittlungsbehörden haben sich auf ganzer linie lächerlich gemacht. Bin gespannt was als nächstes kommt, denn das etwas kommen wird steht für mich ausser Frage.
Schönen Tag noch . . .

02. | Frank W. | 09.10.2012 | 11:07 Uhr
Unglaublich

Für mich überhaupt nicht nachvollziehbar, dass ein höchstqualifiziertes LKA einem solchen Schwindler aufgesessen sein soll.
Da müssen doch klare Beweise auf dem Tisch gelegen haben bevor man sich entschlossen hat die Halle komplett abzubauen, weil man die Leiche nicht gefunden hat muss die Halle jetzt wieder aufgebaut werden. Dadurch entsteht dem Steuerzahler ein Schaden von weit über 1 Millionen Euro, unglaublich.

03. | mir reichts | 09.10.2012 | 09:42 Uhr
ja ja

die bösen bösen Buben und ihre vom Erfolg träumenden Ermittler
http://www.fnp.de/fnp/region/hessen/rmn01.c.10217133.de.htm

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