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27. Juli 2016 | 09:41 Uhr

Energiewende : Windräder töten 100.000 Vögel im Jahr

vom

Die Energiewende soll kommen, aber wie schnell? Um diese Frage ringen Naturschützer mit Umweltminister Habeck.

Kiel | "Schon jetzt kommen bis zu 100.000 Vögel pro Jahr in Windkraftanlagen ums Leben", schätzt Hermann Hötker, Leiter des Michael-Otto-Instituts des Naturschutzbundes (Nabu) in Bergenhusen (Kreis Schleswig-Flensburg), der sich seit Jahren mit dem Problem beschäftigt. Er sieht seinen Verband in der "Zwickmühle. Wir sind für die Energiewende, wollen aber auch die Vögel schützen." Hötker meint, dass es genug Flächen gibt, um das Ziel der Regierung erreichen zu können. Es müsse abgewägt werden, wo Gutachten zum Vogelschutz sinnvoll sind.
Die Regierung will "die konkurrierenden Interessen von Wirtschaft und Naturschutz gegeneinander abwägen und ausgleichen". Und die Rechtslage sei klar. "Insbesondere die den Artenschutz betreffenden Regeln unterliegen nicht vollständig der nationalen Gesetzgebung, sondern werden stark durch europäische Regelungen geprägt. Eine nicht ausreichende Beachtung der artenschutzrechtlichen Regelung kann zu erheblichen Verzögerungen führen. Insofern dienen Gutachten zum Vogelschutz der Rechtssicherheit von Planungen und führen nicht zur Verzögerung und Verhinderung, sondern der zeitnahen Umsetzung der in diesen Fällen gut geplanten Vorhaben", heißt es aus dem Ministerium. Und Habeck sagt: "Es handelt sich um Einzelfälle, das kriegen wir hin."
"Wenn es mehr Windräder gibt, gibt es mehr tote Vögel"
Doch eines steht trotzdem fest, wie Hötker sagt: "Wenn es mehr Windräder gibt, gibt es mehr tote Vögel." Gefährdet seien neben Seeadlern auch Störche, Kraniche und Uhus. Für die seltenen Rotmilane bestehe beim Ausbau der Windenergie sogar die "Möglichkeit der Bestandsbedrohung". Die Tiere nähmen die Gefahr nicht wahr, die ihnen droht. Denn auch bauliche Veränderungen an Windrädern können die Vögel nicht schützen, sagt Hötker: "Das bringt nichts."
Deswegen warnen auch andere Naturschützer vor einem "Windhundverfahren" bei der Genehmigung der Windeignungsflächen, wie der Nabu-Landesgeschäftsführer, Ingo Ludwichowski: "Wir müssen beim Ausbau der Windenergie vorsichtig bleiben." Habeck hatte sich bereits wegen seines Vorschlags, Gemeinden könnten zur Beschleunigung des Windparkausbaus schon jetzt - vor Verabschiedung des Regionalplans für Windeignungs flächen - mit der Feinplanung beginnen, Kritik eingehandelt. Bleibt doch das Risiko bei den Kommunen. Die Regierung will sich im November mit dem Plan befassen.

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erstellt am 27.Jul.2012 | 04:27 Uhr

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