WIRTSCHAFT
Flensburger Brauerei
Ein kleiner Riese feiert Jubiläum
Hinter dem Sudkessel: Hans-Peter Heyen, Geschäftsführer Technik (rechts), und Vertriebs-Geschäftsführer Andreas Tembrockhaus. Foto: Michael STAUDt
Flensburg. Die Flensburger Brauerei ist im Biermarkt ein ganz Kleiner und ein ganz Großer zugleich: Mit rund 500.000 Hektolitern Jahresabsatz sind die Produzenten der Marke mit dem Plopp eine kleine Privatbrauerei gegenüber den deutschen Branchengrößen, die jedes Jahr mehrere Millionen Hektoliter verkaufen. Innerhalb Schleswig-Holsteins sieht es allerdings ganz anders aus. Hier ist die Brauerei mit ihren rund 150 Mitarbeitern seit dem Rückzug von Holsten aus Kiel und Neumünster das letzte größere Brauunternehmen im Land. Und im schwierigen Biermarkt, der zuletzt Jahr für Jahr rund anderthalb Prozent schrumpfte, melden die Flensburger für 2012 einen Spitzenabsatz: Um 5,7 Prozent habe der Absatz der Flensburger im abgelaufenen Jahr zugelegt, berichtete gestern der für Marketing und Vertrieb zuständige Geschäftsführer Andreas Tembrockhaus: "Das haben wir nicht jedes Jahr. Damit sind wir sehr zufrieden".
Die äußerst positiven Zahlen kommen dem Familienunternehmen gerade recht: In diesem Jahr feiert die Flensburger Brauerei ihr 125-jähriges Bestehen: Seit 1888 wird am Flensburger Munketoft Bier gebraut - mit Brauwasser, das seinen Ursprung in den unterirdischen Gletscherströmen Nordskandinaviens haben soll und das aus zwei 270 Meter tiefen Brunnen unter dem Brauereigelände in Mineralwasserqualität gefördert wird.
"Wir wollen dem Bier viel Zeit geben"
Einer der Gründe für den florierenden Absatz liegt im rasant wachsenden Exportgeschäft. Die Auslandsausfuhren, überwiegend nach Italien, Russland, Fernost und Südamerika, wachsen bei den Flensburgern rasant. Allein in der Bilanz 2012 steht ein Plus von 48 Prozent. Das kleine, aber feine Exportgeschäft habe sich seit 2009 von zwei auf fünf Prozent des Absatzes erhöht, sagte Tembrockhaus: "Jede Woche geht ein Lastzug nach Russland und ein Container nach China." Außerdem beginne man sich auf dem dynamischen dänischen Markt zu entwickeln, der traditionell fast nur Platz für inländische Marken geboten habe. Doch selbst ohne das extrem schnell wachsende Exportgeschäft stehe für die Flensburger ein Plus von 4,1 Prozent unterm Strich.
Langfristig scheint sich überdies auszuzahlen, dass die Flensburger viel weniger bereit zu sein scheinen als manche Branchengröße, ihr Gebrautes zu sogenannten Aktionspreisen zu verramschen. Denn während die in der Branche als Fernsehbiere titulierten, auf dem Bildschirm sehr präsenten Mitbewerber eine Aktionspreisquote von 40 Prozent hätten, liege die eigene lediglich bei 18 Prozent. "Wir sind eine ziemlich teure Marke. Wir möchten nicht, dass unser Bier verramscht wird", sagt Tembrockhaus.
Im Jubiläumsjahr führt Flensburger nicht nur eine Faßbrause - zunächst mit Zitronengeschmack - ein. Der für die gesamte Brautechnik zuständige Geschäftsführer Hans-Peter Heyen stellte gestern ein neues "Edles Helles" vor, das die Brauerei aus einer alten Rezeptur aus dem Jahr 1955 entwickelt habe und das doppelt so lange reifen darf wie das herkömmliche Pils. "Es ist ein besonderes Verfahren, wir wollen dem Bier viel Zeit geben", sagte Heyen. Das beginne bei der Auswahl der Rohstoffe, aus der Maische werde nur die Vorderwürze verwendet, und dem Bier werde eine zweite Gärung gegönnt. Heyen: "Heute ist es nicht mehr alltäglich, dass man einem Bier zwei Monate Zeit gibt, bis es fertig ist."
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