WIRTSCHAFT

 

Quickborn

Bürger geben ihrer Stadt Vier-Millionen-Kredit

15. August 2009 | Von werm

In drei Tagen sind vier Millionen Euro zusammengekommen. Die Verwaltung hatte öffentlich gemacht, dass Bürger der Stadt Geld leihen können.

Quickborn. Dafür gibt's am Jahresende drei Prozent Zinsen - ein in Schleswig-Holstein einmaliges Finanzierungsmodell (wir berichteten). Im Rathaus gingen hunderte Anrufe ein. "Mit solch einem Ansturm haben wir überhaupt nicht gerechnet", gibt Stadtkämmerin Meike Wölfel zu. Etwa 100 Personen hätten mit der Stadt einen Vertrag geschlossen. Der Mindestbetrag von 5000 Euro war allerdings relativ selten dabei. Meist kamen höhere Anlagen zustande. Bei einer Summe fiel Wölfel fast vom Bürostuhl: Ein Nicht-Quickborner legte eine Million Euro an.

Mit den vier Millionen ist nun vorerst auch die Schallgrenze erreicht. "Alles weitere bewegt sich nicht mehr im Rahmen der Kassenkredite", erklärt Wölfel. Denn das Geld sei nur für die Deckung der laufenden Kosten gedacht. Neue Investitionen sollen damit nicht angefahren werden. "Unseren weiteren Kreditbedarf im Zuge der Schulneubauten und -sanierungen müssen wir über Investitionsdarlehen aufnehmen." Dies gehe dann nur wie üblich über die Banken.

"Etwa 60 Prozent der Anleger kommen aus der Stadt"

Die Quickborner Bürger haben fleißig zum Erreichen des angepeilten Ziels beigetragen: "Etwa 60 Prozent der Anleger kommen aus der Stadt", betont Wölfel. Doch so richtig zurücklehnen kann sich die Stadtkämmerin trotzdem noch nicht. "Jetzt bin ich damit beschäftigt, die ganzen noch ausstehenden Anfragen abzusagen." Hinzu kommt der Bericht für das schleswig-holsteinische Innenministerium: Die Kieler waren vollkommen von der Quickborner Idee überrascht - dabei habe sie sich das Vorhaben bereits im März telefonisch absichern lassen, so Wölfel. Trotzdem müsse sie jetzt noch einmal alles schriftlich festhalten.

Das Ministerium will anschließend die Rechtmäßigkeit des ungewöhnlichen Finanzierungsmodells prüfen. Die Beamten müssen sich allerdings etwas beeilen: Die meisten Verträge zwischen der Stadt und Geldgebern beginnen am 1. September.


 

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