WIRTSCHAFT

 

Brauerei

Mit Frühlingsbock gegen den Branchentrend

09. Februar 2011 | 08:30 Uhr | Von Carlo Jolly

Frühlingsoffensive: (v.l.) Marketingleiter Ulrich Beuth, Sommelier Hendrik Aufderheide, Geschäftsführer Hans-Peter Heyen Foto: iwersen

In Deutschland wird weniger Bier getrunken - vor allem der Markt für Pils ist geschrumpft. Brauereien setzen daher auf neue Trends, wie das "Frühlingsbock".

Flensburg. Deutschlands Bierbrauer haben im abgelaufenen Jahr 2,5 Millionen Hektoliter Bier weniger abgesetzt als im Jahr davor - das ist fast fünf Mal so viel wie die Flensburger Brauerei als Schleswig-Holsteins größtes Brauhaus mit rund 530.000 Hektolitern insgesamt absetzt. Um knapp drei Prozent ist auch der Umsatz der Branche 2010 geschrumpft.

Dass die Flensburger Brauerei (160 Mitarbeiter, 16 Azubis) auch hier im Branchentrend liegt, wird im hohen Norden aus zwei Gründen entspannter betrachtet als beim Wettbewerb: Zum einen hätten die Flensburger in den Vorjahren gegen den Branchentrend Zuwächse verzeichnet (2008: 3,6 Prozent, 2009: 3,1 Prozent), zum anderen habe man den Preiskampf vieler großer Konkurrenten nicht mitgemacht. Brauerei-Geschäftsführer Hans-Peter Heyen und sein Marketing-Chef Ulrich Beuth schließen daraus jedenfalls: "Die Probleme im deutschen Biermarkt werden auch durch die Brauer selbst forciert."

Sortenvielfalt und Produktinnovationen

Da der Pils-Markt offenbar am stärksten schrumpft, sehen Flensburgs Brauer große Chancen in der zunehmenden Sortenvielfalt und Produktinnovationen. Denn gegen den Trend wuchsen zum Beispiel der Absatz des alkoholfreien Pils um 1,6 Prozent, Malzbier um 2 Prozent und Radler sogar um 7,3 Prozent.

Am Dienstag stellten Heyen und Beuth das jüngste Kind des Hauses vor, das "Flensburger Frühlingsbock". Mit 16,9 Prozent Stammwürze und 6,9 Prozent Alkoholgehalt soll die Sorte, die das Winterbock ablöst, leicht und würzig zugleich schmecken. Gebraut wird das Bier mit der Plopp-Flasche mit eigens dafür aus Tettnang am Bodensee importierten Aromahopfen.

Ein weiteres Wachstumssegment der Norddeutschen ist derzeit der Export, bei dem noch zweistellige Zuwächse zu erzielen sind. Ob Chile, Bahamas oder Australien - in keiner Region auf dem Globus muss man auf das Flens verzichten. Als Schwergewichte im Export nannte Ulrich Beuth Italien, Russland und China. In Peking und Shanghai sollen bereits eine komplette Kneipe und ein Bierzelt mit Flensburger Bier gestaltet sein. Heyen: "Bier mit Bügelverschluss kannten die vorher gar nicht."

(jol, shz)


 

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