"Die Herzkammer der Stadt"
Hamburg. Als Hamburg am Ende des 19. Jahrhunderts das Tor zur Welt aufstieß, war sie der Türöffner: die Hamburger Freihafen-Lagerhaus-Gesellschaft (HFLG), die am 7. März 1885 aus der Taufe gehoben wurde. 125 Jahre später feiert das Traditionsunternehmen unter seinem jetzigen Namen HHLA groß Geburtstag. "Die HHLA ist die wirtschaftliche Herzkammer der Stadt", schwärmte Wirtschaftssenator Axel Gedaschko (CDU) gestern beim Senatsempfang für die Jubilarin, zu dem mehrere hundert Gäste in den Großen Festsaal des Rathauses gekommen waren. "Seit jeher sind Umschlag und Lagerung von Gütern in der Hansestadt untrennbar mit der Hamburger Hafen und Logistik AG verbunden", befand Bürgermeister Ole von Beust(CDU).
Tatsächlich setzte schon die Vorgängerin diesbezüglich Maßstäbe. Die HFLG wurde gegründet, um die Speicherstadt als damals topmodernen Lagerhauskomplex zu bauen und zu betreiben. Das heute denkmalgeschützte Backstein-Ensemble wurde zum Garanten für einen beispiellosen Boom. Dank des Zollfrei-Privilegs stieg Hamburg bis zum Ersten Weltkrieg zum weltweit drittgrößten Hafen auf. 1939 folgte unter den Nazis die Verschmelzung mit der staatlichen Kaiverwaltung und die Umbenennung in Hamburger Hafen und Lagerhausgesellschaft (HHLA); das Kürzel blieb, als 2005 das antiquierte "Lagerhaus" durch "Logistik" ersetzt wurde. 1945 lagen große Teile der Umschlaganlagen in Trümmern. Es sollte bis 1960 dauern, bevor die HHLA ihren Umschlagrekord von 1928 wieder erreichte. Danach ging es wieder unaufhaltsam bergauf. Die 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts bescherten dem Hafen die Container-Revolution. 1966 wurden die ersten Stahlboxen am HHLA-Terminal Burchardkai abgefertigt. Es war die HHLA, die den Van-Carrier entwickelte und die auch bei der Automatisierung des Umschlags Pionierdienste leistete. Als erster Containerterminal weltweit setzte der Burchardkai 1995 Satellitendaten zur Positionierung der Kisten ein. Der Mauerfall 1989 brachte Hamburg sein östliches Hinterland zurück - und dem Hafen stürmischen Rückenwind. Zeitgleich trieb die Globalisierung die Wachstumsraten über Jahre in zweistellige Dimensionen. Die HHLA baute in Altenwerder einen neuen Umschlagplatz - es war bei der Eröffnung 2002 der modernste der Welt. Wie von Geisterhand flitzten dort Containerbrücken automatisch zwischen den Kistenbergen umher.
2007 ging der städtische Betrieb an die Börse, wenn auch weniger Aktien in Umlauf kamen, als vom CDU-Senat beabsichtigt. Die HHLA-Docker ließen ihre Muskeln spielen, legten tageweise den Hafen lahm und sorgten dafür, dass nur 30 Prozent ihres Unternehmens an Anleger gingen. Das Sagen im Hafen hat weiterhin die Stadt.
Bis einschließlich 2008 dauerte der rauschhafte Boom. Fast war die Zehn-Millionen-Container-Marke geknackt. Dann kam die Krise. 2009 verlor die HHLA ein glattes Drittel des Containerumschlags. 2000 der 3500 Mitarbeiter mussten kurzarbeiten. Weil es aber der Konkurrenz nicht besser geht, bleibt das Unternehmen klar die Nummer an der Elbe. Rund zwei Drittel aller Container in Hamburg bewegt die HHLA.
Wer die wechselvolle Geschichte des Dauerbrenners anschaulich nachempfinden möchte, hat dazu in den kommenden Wochen vielfach Gelegenheit. In der Rathausdiele ist eine Ausstellung zum Thema zu sehen. Am 16. März erscheint zudem das Buch "Welt im Fluss", das die Geschichte des Hafenbetriebes nachzeichnet.
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