WIRTSCHAFT

 

Neue Konzernzentrale

Tesa zieht von Hamburg nach Norderstedt

07. Februar 2012 | 19:07 Uhr | Von Markus Lorenz

Nivea und Tesa - bekannte Marken aus dem Hause Beiersdorf. Die Zentrale für die Klebestreifen wird ab 2015 in Schleswig-Holstein sein. Foto: dpa

Der Klebefilm-Hersteller Tesa verlässt Hamburg. Der Aufsichtsrat der Konzernmutter Beiersdorf hat einen Neubau in Norderstedt (Kreis Segeberg) beschlossen.

Hamburg / Norderstedt. Für Schleswig-Holstein ist es ein Ansiedlungserfolg erster Güte, für Hamburg ein Schlag ins Kontor: Der Klebstoffhersteller Tesa verlegt seinen Firmensitz samt Forschungs- und Technologiezentrale mit insgesamt 800 Arbeitsplätzen von Hamburg-Eimsbüttel nach Norderstedt. Das hat der Aufsichtsrat der Konzernmutter Beiersdorf entschieden.

Der neue Standort liegt nur wenige hundert Meter jenseits der Landesgrenze auf Schleswig-Holsteiner Gebiet, unweit des Flughafens Fuhlsbüttel. Auf dem Fünf-Hektar-Areal will Tesa bis 2015 einen Gebäudekomplex errichten, in dem die bisher getrennt unterbrachten Abteilungen unter einem Dach arbeiten. "Der Standort Eimsbüttel stößt an seine Grenzen", sagte Tesa-Vorstandschef Thomas Schlegel. In Norderstedt gebe es genügend Platz auf für die angestrebte weitere Expansion.

Hamburg bot mehrere Grundstücke an

Hamburg hatte bis zuletzt versucht, Tesa zu halten und mehrere Grundstücke angeboten. "Am Ende war die Lösung in Norderstedt für uns aber am besten geeignet", sagte Tesa-Sprecher Reinhart Martin. Nach sh:z-Informationen hatte Hamburg eine Erweiterung am bisherigen Standort ins Gespräch gebracht. Tesa wollte allerdings nicht abwarten, bis dort das notwendige Planrecht geschaffen würde.

Für Norderstedts Wirtschaftsförderer ist die Ansiedlung ein Coup - und auch eine Revanche für den Wegzug des Windradherstellers Nordex nach Hamburg im Jahr 2011. Launig schreibt das Kieler Wirtschaftsministerium auf Facebook auf die Fanseite der Staatskanzlei Schleswig-Holstein: "Das ist doch mal ein packender Film - da bleiben einige hundert Arbeitsplätze in Schleswig-Holstein kleben."

Wirtschaftssenator als fairer Verlierer

Hamburgs Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos), der persönlich um den Verbleib von Tesa gekämpft hatte, gab sich als fairer Verlierer: "Wir respektieren diese unternehmerische Entscheidung. Ich freue mich, dass Unternehmen und die Arbeitsplätze der Metropolregion erhalten bleiben."

In Wahrheit ist die Abwanderung ausgerechnet in den Speckgürtel für Hamburg ein herber Verlust. Hinter vorgehaltener Hand war im Rathaus manche Spitze in Richtung Schleswig-Holstein zu vernehmen. "Was regen die sich eigentlich wegen der Windmesse auf", fragte ein Offizieller süffisant. Regelrechte Empörung herrscht wegen des Verhaltens von Beiersdorf. 2003 hatte Hamburg den Kosmetikriesen mit viel Steuergeld vor der Übernahme durch Procter & Gamble bewahrt. "Ein bisschen mehr Dankbarkeit kann man schon erwarten", hieß es in der Wirtschaftsbehörde hinter vorgehaltener Hand.


 

Leserkommentare

 


Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu schreiben. Anmelden

Warum muss ich mich anmelden/registrieren?

shz.de distanziert sich prinzipiell von allen in den Leserkommentaren geäußerten Meinungen ohne Rücksicht auf deren Inhalte. Alle Beiträge in den Leserkommentaren geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen der User wieder.

Bitte beachten Sie unsere Richtlinien für Kommentare!


 

SHZ.DE MOBIL

Auch unterwegs bestens informiert!

Mit der iPhone-App und dem Mobilportal von shz.de haben Sie die neuesten Nachrichten aus Schleswig-Holstein immer zur Hand.

Weitere Informationen...

 
 
HÄUFIG GELESEN

Drei Tote bei Verkehrsunfällen im Norden

Drei Menschen sind am Donnerstag bei Verkehrsunfällen in Hamburg und Schleswig-Holstein ums Leben ...mehr

 
 


KONTAKT | IMPRESSUM | AGB | DATENSCHUTZ