WIRTSCHAFT

 

Flughafen Blankensee

Lübeck will Hamburgs dritte Startbahn werden

10. Februar 2012 | 07:20 Uhr | Von Eckard Gehm

Neu montiert: Das Instrumentenlandesystem in Lübeck. Foto: jbs

Die Politik streitet erneut um die Zukunft des Lübecker Flughafens. Dessen Chef Jürgen Friedel ist trotz hoher Verluste optimistisch - und schafft für Investoren neue Anreize.

Lübeck. Der Lübecker Flughafen hat den höchsten Verlust in seiner Geschichte geschrieben: 6,5 Millionen Euro. Die Passagierzahlen gingen um 38 Prozent zurück. In der Politik wird die Zukunft des Verkehrsflughafens nun erneut kontrovers diskutiert - obwohl die Lübecker mit einem Bürgerentscheid den Betrieb bis zum Ende dieses Jahres gesichert haben. Das ist auch die Frist, die der Hansestadt als alleiniger Gesellschafterin noch bleibt, einen Investor zu suchen.

"Der ist noch nicht gefunden", gibt Jürgen Friedel, Geschäftsführer der Flughafen Lübeck GmbH, zu. Aber es würden weiter Anreize geschaffen. So haben Ingenieure in dieser Woche mit der Montage eines moderneren Instrumentenlandesystems begonnen, die Landebahn wird um 120 Meter verlängert. Das Schleswiger Oberverwaltungsgericht (OVG) hatte das im vergangenen März genehmigt (Az.: 1 MR 17/10 u.a.), obwohl über eine Klage von Flughafengegnern gegen die gesamten Ausbaupläne erst demnächst verhandelt wird.

"Jede Investition ist eine Wette auf die Zukunft"

Geschäftsführer Jürgen Friedel sieht in dem OVG-Entscheid ein Indiz dafür, dass auch das Hauptsacheverfahren gewonnen werden wird. Im Landtag treten unterdessen die Grünen auf die Bremse. Das Land will den vier Millionen Euro teuren Ausbau mit 1,76 Millionen Euro fördern. Andreas Tietze, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen, sagte am Donnerstag: "Es gibt kein wirtschaftliches Konzept, jede Investition ist eine Wette auf die Zukunft." Die Grünen hätten daher einen Antrag eingebracht, mit dem der Zuwendungsbescheid hinterfragt werde. "Der Wirtschaftsminister soll plausibel erklären, wie die für eine schwarze Null notwendige Zahl von einer Million Passagiere erreicht werden soll."

"Visionäre sehen in die Zukunft", entgegnet Geschäftsführer Friedel. "Die wachsende Metropole Hamburg benötigt eine dritte Start- und Landebahn. Der Flugplatz Kaltenkirchen wird nie gebaut werden, der Hamburger Airport wird Lübecks Kapazitäten brauchen." Zudem könnten mit der Verlängerung der Landebahn große Ferienflieger voll besetzt zu den kanarischen Insel starten.

Vermutlich wird die kommende Landtagswahl über das Schicksal des Lübecker Flughafens entscheiden. SPD-Spitzenkandidat Torsten Albig hat sich bereits gegen Blankensee ausgesprochen: "Unsere Kommunen brauchen keinen Flughafen." Diese Aussage zeige sein undemokratisches Verständnis von Wählerwille und Bürgerbeteiligung, erklärten am Donnerstag Hans-Jörn Arp (CDU) und Christopher Vogt (FDP). Ihre Landtagsfraktionen hätten einen Antrag für Lübeck eingebracht. "Wir wollen dem Flughafen und den dortigen Arbeitsplätzen eine Chance geben."


 

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