WIRTSCHAFT
Das Aus einer Traditionsfirma
Foto-Pionier Kodak ist pleite
Einst hatte Kodak die analoge Fotografie entscheidend geprägt. Mit dem Wechsel zu digitalen Bildern kam das US-Unternehmen jedoch nie klar. Foto: dpa
Stuttgart. Die digitale Revolution in der Fotografie droht das Branchen-Urgestein Kodak hinwegzufegen. Die gut 130 Jahre alte Traditionsfirma hat am Donnerstag nach einem langen Überlebenskampf Insolvenz in den USA beantragt. Das Management will den Neustart wagen, doch es ist unklar, ob das Unterfangen letztlich gelingt.
Die deutsche Kodak-Tochter erwartet keine Auswirkungen von dem US-Insolvenzantrag des Foto-Pioniers. "Wir sind nicht davon betroffen", sagte ein Unternehmenssprecher am Donnerstag in Stuttgart. Das Unternehmen hat in Deutschland knapp 1000 Beschäftigte. In Deutschland gehe das Geschäft normal weiter, betonte der Sprecher. Alle Verpflichtungen würden erfüllt. Es habe nur vereinzelt Nachfragen von verunsicherten Kunden gegeben. Am Hauptsitz in Stuttgart sind Verwaltung, Vertrieb und Service mit 220 Beschäftigten angesiedelt. In Osterode im Harz stellen 560 Mitarbeiter Druckplatten her. In Kiel und München seien jeweils 30 Personen beschäftigt. Der Rest der Mitarbeiter arbeite im Außendienst.
Deutsche Gesellschaften nicht Teil des US-Insolvenzverfahrens
Die Insolvenz sei ein "notwendiger Schritt", um wieder auf die Beine zu kommen, erklärte Konzernchef Antonio Perez. Das Geschäft soll derweil weiterlaufen. In den USA ist es nicht ungewöhnlich, dass sich Unternehmen für ihre Sanierung in ein Insolvenzverfahren nach dem sogenannten „Chapter Eleven“ (Abschnitt 11 des Insolvenzgesetzes) flüchten. Das schützt vor Forderungen der Gläubiger und gibt den Firmen damit Zeit, sich neu zu sortieren.
Die deutschen Gesellschaften sind nicht Teil des US-Insolvenzverfahrens. Die Mitarbeiter machten sich jedoch Sorgen, sagte Betriebsratschef Wolfgang Eisele am Donnerstag. Kodak ist seit 1896 über Tochterfirmen hierzulande aktiv. Aktuell gibt es in Deutschland noch etwas über 1000 Mitarbeiter. Hauptsitz ist Stuttgart mit etwa 380 Stellen. Zu Spitzenzeiten hatten hier einmal 4500 Menschen Diaprojektoren, Kameras und Kopierer hergestellt.
Mit dem digitalen Durchbruch kamen die Schwierigkeiten
Eastman Kodak, wie das Unternehmen vollständig heißt, hatte die analoge Fotografie entscheidend geprägt. Mit dem Wechsel zu digitalen Bildern hatte der US-Konzern jedoch massive Schwierigkeiten. Ähnlich erging es dem kleineren Rivalen AgfaPhoto. Ende 2005 waren am Traditionsstandort Leverkusen nach rund 140 Jahren die Lichter ausgegangen. Mehr als 1000 Beschäftigte verloren damals ihren Arbeitsplatz. Der Name lebt indes weiter und wird von einer Holding an Fremdfirmen lizenziert. Selbst Agfa-Kleinbildfilme gibt es bis heute zu kaufen. Kodaks Insolvenz ist jedoch eine ganze Nummer größer. Den Vermögenswerten von 5,1 Milliarden Dollar (3,9 Mrd Euro) stehen Schulden von 6,8 Milliarden Dollar gegenüber. Damit Kodak weitermachen kann, stellt die Großbank Citigroup nun fast eine Milliarde Dollar zu Verfügung. Die Finanzierung muss allerdings noch vom Insolvenzrichter gebilligt werden, der das letzte Wort hat.
Kodak bereitet sich auf ein längeres Schattendasein vor: Der Umbau des US-Geschäfts solle erst 2013 abgeschlossen werden, erklärte die Firma. Konzernchef Perez will Kodak als Druckerspezialisten neu erfinden. Doch der Wandel geht nur schleichend voran und führte immer wieder zu Verlusten. Seit 2003 wurden bereits 47.000 Arbeitsplätze gestrichen und 13 Fabriken dichtgemacht. Das Unternehmen beschäftigte zuletzt weltweit noch rund 17.000 Mitarbeiter.
Anschluss an Konkurrenten aus Asien verloren
Die Erfindung des Fotofilms und des Kleinbildformats hatten den Konzern aus der Nähe von New York einst reich gemacht. Kodak war auch an den Anfängen der digitalen Fotografie beteiligt. Allerdings verlor das Unternehmen hier schnell den Anschluss an Konkurrenten aus Asien.
Der Siegeszug der Digitalfotografie warf schließlich as angestammte Kodak-Geschäft komplett durcheinander. Tragende Säulen wie der Fotofilm brachen praktisch komplett weg. Versuche, in neue Geschäftsbereiche wie Pharma zu gehen, schlugen fehl.
Diverse Patente für die Digitalfotografie
Kodak hält jedoch noch diverse grundlegende Patente für die Digitalfotografie, die in so ziemlich allen Geräten von der Spiegelreflexkamera bis hin zum Handy zum Einsatz kommen. Das Management sieht darin den Schatz von Kodak und will rund 1100 Patente zu Geld machen. Der Verkauf stockt jedoch seit Monaten - auch weil mögliche Käufer Ärger wegen einer späteren Kodak-Insolvenz fürchteten. Jetzt könnten die Patente im Zuge des Insolvenzverfahrens womöglich leichter den Besitzer wechseln. Damit käme dringend benötigtes Bares herein.
Über eine Kodak-Insolvenz war seit Monaten heftig spekuliert worden, die ersten konkreten Hinweise gab es schon im Oktober. Eine Serie von Verlustjahren hatte die Bargeldreserven angegriffen. Das Unternehmen hatte selbst gewarnt, dass ohne neue Mittel binnen zwölf Monaten das Aus kommen könnte.
Kurs der Kodak-Aktie schmilzt dahin
Der Kurs der Kodak-Aktie war nach den Insolvenzgerüchten dahingeschmolzen. Die New Yorker Börse drohte bereits, das Papier aus dem Handel zu verbannen, weil der Kurs dauerhaft unter einem Dollar fest hing. Während die Aktie noch in den 90er Jahren mehr als 90 Dollar kostete, notiert sie seit Wochen bei 50 Cent. Am Donnerstag stürzte das Papier vorbörslich auf 39 Cent ab.
In den vergangenen Tagen hatte Kodak mit einer Serie von Patentklagen für Schlagzeilen gesorgt. Binnen einer Woche wurden Apple, Samsung, der Smartphone-Spezialist HTC und der Erzrivale Fujifilm verklagt. Die Klage gegen Samsung feuerte Kodak nur wenige Stunden vor dem Insolvenzantrag ab. Nach Einschätzung von Experten versucht Kodak mit den Klagen, potenziellen Kaufinteressenten die Schlagkraft seines Patent-Portfolios zu demonstrieren.
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