PANORAMA

 

Weniger Geld für Vertretungslehrer

Unterrichtsausfall - "Es fehlt hinten und vorne"

25. Februar 2013 | 07:50 Uhr | Von Frank Jung


Mehr Geld für Vertretungslehrer? Mehr Lehrerstellen? Darüber, was wirklich gegen Unterrichtsausfall hilft, sind sich Lehrer, Eltern und Ministerium im Land uneins. Foto: dpa

Mehr Geld für Vertretungslehrer? Mehr Lehrerstellen? Darüber, was wirklich gegen Unterrichtsausfall hilft, sind sich Lehrer, Eltern und Ministerium im Land uneins. Foto: dpa

Der Vertretungsfonds für Lehrer wurde gekürzt. Schulämter bewilligen Aushilfskräfte daher wieder zurückhaltender. Die Folge: mehr Unterrichtsausfall.

Kiel. Mit der Begründung, die Mittel seien längst nicht ausgeschöpft worden, hat das Land den Vertretungsfonds für Lehrer zu Jahresbeginn halbiert. Trotzdem sorgt Unterrichtsausfall an den Schulen in Schleswig-Holstein weiter für Unmut. "Es ist nach wie vor ein Thema", klagt Astrid Schulz-Evers, Vorsitzende des schleswig-holsteinischen Elternvereins. Darin engagieren sich Elternbeiräte von allen Schularten. "Aus den Schulen wird uns signalisiert, dass es hinten und vorne fehlt", sagt Schulz-Evers. "Es wird Zeit für ein Erfassungssystem, das den Ausfall so benennt wie er sich wirklich ereignet", fordert die Vorsitzende des Elternvereins.

Allein in den vergangenen Tagen haben sich 19 Schüler und Eltern in den Redaktionen des sh:z gemeldet und ihrem Ärger über nicht erteilte Stunden Luft gemacht. Eine von ihnen ist Kerstin Rexin-Haar aus St. Peter-Ording: Vom 11. Dezember bis zum vergangenen Montag sei in der elften Klasse ihrer Tochter Englisch ausgefallen. Der nicht vermittelte Stoff ist nicht das einzige Ärgernis. Seit der Erkrankung der Lehrerin habe sich auch kein Schüler mehr verbessern können, so dass die Noten zum Halbjahreszeugnis auf der Basis des Stands von Anfang Dezember erteilt wurden, schildert Rexin-Haar. Deshalb sei der Notendurchschnitt der Klasse in Englisch deutlich schlechter als normalerweise ausgefallen. Dem Gymnasium selbst will die Nordfriesin gar keinen Vorwurf machen, wie sie betont. "Es ist das System, das offenbar nicht in der Lage ist, in Krankheitsfällen genug Personal bereitzustellen."

"Anpassungen unter ökonomischen Gesichtspunkten"

War der Vertretungsfonds des Landes unter Ex-Minister Ekkehard Klug für das vergangene Jahr auf rund 24 Millionen Euro verdoppelt worden, so hat ihn die jetzige Landesregierung wieder wie in früheren Zeiten auf zwölf Millionen Euro heruntergefahren. Daraufhin beobachtet die Interessenvertretung der Lehrkräfte in Schleswig-Holstein (IVL) - im Kern der Verband der Realschullehrer - eine "deutlich zurückhaltendere Zuteilung von Vertretungsstunden durch die Schulämter", so die IVL-Vorsitzende Grete Rhenius. Ein Schreiben, in dem zum Beispiel das Schulamt des Kreises Plön dazu auffordert, "auch Anpassungen unter ökonomischen Gesichtspunkten ins Vertretungskonzept einer Schule aufzunehmen", liegt dem sh:z vor. "Die Schulämter haben Angst, dass sie sonst in diesem Jahr mit den gekürzten Mitteln nicht auskommen", sagt Rhenius.

Sybille Pahlke, Schulrätin im Kreis Schleswig-Flensburg, bestätigt dies. Angesichts des gekürzten Vertretungsfonds ist sie wie die Schulämter anderer Kreise zu der alten Praxis zurückgekehrt, personellen Ersatz an weiterführenden Schulen in der Regel erst nach drei Wochen Krankheit zu gewähren - und dann auch nur im Umfang von 50 Prozent. Im vergangenen Jahr habe es die Möglichkeit gegeben, vom ersten Tag an Vertretungskräfte einzusetzen, sagt Pahlke. Wohl sei auch das nicht überall gelungen. Aber grundsätzlich sei es schon einfacher gewesen. Unter anderem dadurch, dass in Teilzeit arbeitende Lehrer mit Mitteln aus dem Vertretungsfonds umgehend für einen erkrankten Kollegen ihre Stundenzahl aufstocken konnten.

Differenzierungsstunden zum Kompensieren

An den Gemeinschaftsschulen leiden unter der neuen Situation insbesondere die Differenzierungsstunden. Dabei sollen zwei Lehrkräfte in einer Klasse sein und sie getrennt in lernstärkere und lernschwächere Gruppen unterrichten. "Jetzt bleibt uns nichts anderes übrig, als den Schulen zu raten, Doppelbesetzungen in den Differenzierungsstunden zum Kompensieren von Unterrichtsausfall zu nutzen", erklärt Pahlke. An den Grundschulen sehe es noch schwieriger aus, da diese nicht einmal über das Reservoir Differenzierungsstunden verfügen. "Deshalb bekommen die Grundschulen aus dem Vertretungsfonds schon mal eher etwas ab als die weiterführenden Schulen."

Nach der bisherigen Statistik des Landes fallen nur rund zwei Prozent des Unterrichts aus. Bildungsministerin Waltraud Wende hatte jedoch im November erstmals eingeräumt, dass sie dies für unrealistisch hält und zugestanden, dass Schüler, Eltern und Lehrer etwas anderes erleben. Wende hat daraufhin angekündigt, im Laufe dieses Jahres ein wirklichkeitsbezogenes Erfassungssystem zu entwickeln.

Mehr Lehrerstellen als besseres Mittel

Die Kürzung des Vertretungsfonds verteidigt Ministeriumssprecher Thomas Schunck damit, dass die Mittel aus dem Fonds 2012 nicht ausgeschöpft worden seien. Von 24 seien etwa 15 Millionen Euro abgerufen worden. Als besseres Mittel gegen Unterrichtsausfall sehe das Ministerium mehr Lehrerstellen. Schunck verweist darauf, dass Wende davon 300 neue geschaffen habe.

Dabei seien die Schularten allerdings sehr unterschiedlich berücksichtigt worden, die neuen Stellen deshalb kein einheitliches Mittel gegen Stundenausfall, moniert Rhenius. Bernd Schauer, Geschäftsführer der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, (GEW), bevorzugt besser ausgestattete Kollegien als Mittel gegen Unterrichtsausfall. Nicht zuletzt, weil es zunehmend schwieriger werde, qualifizierte Aushilfskräfte zu finden: oft Leute mit erstem Staatsexamen, aber ohne Referendariat. Die seien vor allem in Nähe der Unistädte verfügbar. Dithmarschen, Steinburg und Lauenburg gelten als besonders schwieriges Terrain. Auch deshalb sei der Fonds nicht verfrühstückt worden. Allerdings fehlen nach einer Berechnung der GEW auch nach der Aufstockung noch 1300 Lehrerstellen. Schauer: "Ganz gleich, was man macht - es ist wie in alle Richtungen an einer Decke zu ziehen, die zu klein ist."

In Facebook-Diskussion überwiegen Negativ-Beispiele

In einer Dikussion auf der shz.de-Facebook-Seite überwiegen die Beispiele von ausfallendem Unterricht. So schreibt etwa Michael Sauerborn: "Manchmal habe ich das Gefühl, dass mehr Stunden ausfallen als stattfinden. Nächste Woche fallen komplette Tage aus weil andere Klassen Projekte vorstellen müssen. Das kann es doch nicht sein." - "Ich habe zwei Kinder in zwei schulen in Flensburg. Es vergehen keine drei Tage, ohne dass nicht mindestens eine Stunde ausfällt", schreibt Stefan Krüger.

Von positiven Erfahrungen berichtet hingegen Jasmin Beetz: "Also ich bin in Heide auf das WHG gegangen und da kannten wir so etwas wie Unterrichtsausfall nicht wirklich. Klar fiel mal eine Stunde aus, aber das kam echt selten vor. Meistens wurde die Ausfallstunde dann von einem anderen Lehrer übernommen und wir hatten Mathe statt Englisch."


 
Leserkommentare
 
FLÖTEN SPIEL 25.02.2013 09:30
...

Wir hatten damals in der 9. Klasse nicht eine einzige Stunde Mathematik, da die Lehrerin irgendwelche Kreislaufprobleme hatte unangemeldet ausgefallen ist. Wir haben sie damals bei Schulbeginn kurz kennengelernt, danach nie wieder gesehen. Aufgrund der Umstellung auf Gesamtschule mit Gymnasiumteil gabs auch keine Ersatzlehrer, da die verbliebenden im Gymnasium aushelfen mussten. Da war nämlich noch niemand. Hat uns gefreut in der 9. jeden Tag früher nach hause bzw. später zur Schule. Dafür haben wir in der 10. Blut und Wasser geschwitzt um den Stoff aus der 9 UND der 10. zu lernen.
Ein hoch auf unser Bildungssystem. Allein wieviele Stunden fallen im Winter aus wegen "Kaputter Heizung"? Zudem kann der Lernstoff nicht vernünftig durchgegangen werden, wenn in den Klassen 50% oder gar mehr Ausländer sitzen, die kein Wort deutsch verstehen oder gar nur gebrochen. Und alles muss immer und immer wieder durchgekaut werden. Kein Rassismus sondern Fakt. Sieht jeder der mal in eine Klasse reinschaut.

GERHARD STAHL 25.02.2013 11:11
Es geht um fehlende Lehrer in dem Artiekl

Sie haben das Themna verfehlt. Setzen. Sechs.
Unnötige Verwaltungen
und Parlamente werden aufgebläht, für Schulen fehlt dann das Geld.
Lehrer sind vorhanden, beziehen Hatz-4 oder fahren Taxi.
TOLL !
.
Verstehste, was ich meine ?
.

FLÖTEN SPIEL 25.02.2013 11:22
...

Ist mir völlig wurscht was du meinst. Und wer so die Rechtschreibung missbraucht sollte keine Sprüche wie "Setzen. Sechs" bringen. Andernfalls heissts für dich: Gehe nicht über Los, sondern wander direkt wieder in die Schule. Verstehste, was ich meine?

HANS STEIN 25.02.2013 12:01
FLÖTEN SPIEL 25.02.2013 11:22

Man sollte nicht anderen den Missbrauch der Rechtschreibung vorwerfen, wenn man sie selbst nicht beherrscht. Lesen Sie mal Ihren ersten Satz.
Ich gebe zu, dass ich Fehler hier mache. Aber: Haste heute noch keinen Fehler gemacht, haste heute nichts gelernt ;-)

Übrigens: Dafür, dass so schlecht deutsch gesprochen wird, sind in erster Linie unsere "Integrations-" und "Einwanderungs-" Minister verantwortlich, egal von welcher Partei.

FLÖTEN SPIEL 25.02.2013 12:53
...

Na super, da fehlt ein Wort. Kommt eigentlich jeder drauf dass da wohl beim Editieren was falsch gelaufen ist. Das Nachrichtenfenster hier ist einfach zu klein. Und ich hatte noch dass Glück in eine rein Deutschsprachige Klasse zu kommen, lang lang ists her. Ich möchte jetzt nicht in irgendeiner Stadt wohnen und dort zur Schule gehen müssen. Aber juckt ja auch niemanden. Immer rein in die Klasse. Wen jucken die anderen die vielleicht was lernen könnten. Schonmal aufgefallen, dass immer mehr Jugendliche Probleme haben? Wenn ich allein schon sehe dass denn & den vertauscht wird, oder "wehn", "währe" statt "wäre" usw usw usw. Sowas sieht man sogar in Bewerbungen. Da stellen sich einem die Nackenhaare auf. So ein langer Text und ich hab jetzt noch nicht einmal sorgfältig auf die Rächtschraibunck geachtet.

WERNER LORENZEN-PRANGER 25.02.2013 13:03
@ Hans Stein und Flötenspiel

Daß die deutsche Sprache so vermurkst ist, liegt vor allem an der Rechtschreibreform - und dann den diversen "Reformen" der "Reform". Sprache ist etwas, das natürlich mit der gesamten übrigen Kultur wächst, nichts, an dem man künstlich herumbastelt. Außerdem - es war schon immer so, daß es auch Menschen gab, die nicht mit einem überragenden Verstand ausgestattet waren, das ist nichts neues - auch nicht in Bewerbungen. Gespräch zweier Lehrlinge im Stadtbus, ca. 1964: "Weißt du, wie viel Zentimeter ein Meter hat?" - "Ach, Millionen und aber Millionen." Meine Tante hat den Schwank live und in Farbe mitbekommen und immer wieder gern erzählt. Übrigens: Die Beiden waren natürlich blond und deutsch - Ur-Schleswiger Jungs... :o)

FLÖTEN SPIEL 25.02.2013 13:48
....

Diese Reformen gabs nur, um die deutsche Sprache und Rechtschreibung zu vereinfachen, damit die Immigranten es nicht so schwer haben. Ich hingegen schreibe in Briefen usw. immer nach der alten Rechtschreibung, und dabei bleibts auch. Schaut euch mal den Film "Idiocrazy" an, daß ist die Zukunft. Anfänge davon erlebt man heute Tag für Tag, und dass wesentlich extremer als zu 1964.

NORBERT EGGERT 25.02.2013 15:23
@Flötenspiel

Zitat:
Diese Reformen gabs nur, um die deutsche Sprache und Rechtschreibung zu vereinfachen, damit die Immigranten es nicht so schwer haben. Ich hingegen schreibe in Briefen usw. immer nach der alten Rechtschreibung, und dabei bleibts auch. Schaut euch mal den Film "Idiocrazy" an, daß ist die Zukunft. Anfänge davon erlebt man heute Tag für Tag, und dass wesentlich extremer als zu 1964.
tatiZ:
Und der ganze Text ist nach der alten Rechtschreibung?
Respekt!
Bei der Rechtschreibreform wurde aber unteranderem keine Satzzeichenreform vorgenommen ;-)
Und "daß" wurde 1964 noch "daß" und nicht "dass" geschrieben. Und bei bestimmten Konstellationen auch als "das" :-)

FLÖTEN SPIEL 25.02.2013 16:03
...

Keine Ahnung wo du dass herhaben willst. Das hier ist weder ein Brief, noch eine Bewerbung oder sonstiges. Dass ist nen schlichter Kommentar, da ist mir die Rechtschreibung mal ziemlich wurscht, solang es keine gravierenden Fehler sind und obendrein verständlich. Selbst wenn ich blind tippen würde, käme mir nie in den Sinn bspw. "Erklärung" mit "h", also "Erklährung" zu schreiben. Ich tippe mit bis zu 184 Wörtern pro Minute, da kommen kleine Vertipper halt vor. Ich werd mich bestimmt nich hinsetzen und nun erstmal alles Korrekturlesen. und nu geh den film gucken.

BERND BROT 25.02.2013 16:30
Die beste Schule ist außerhalb der Schule

Statt mit dem 'Nürnberger Trichter' Köpfe vollstopfen zu wollen, sollte in der Schule die Lernfähigkeit, Kreativität, Eigenverantwortung usw. vermittelt werden, dann ist U-Ausfall halb so schlimm. Auch 'Toleranz' wäre wichtig, dann würde hier hoffentlich nicht mehr so oft, in Anbetracht einer Weltbevölkerung von über sieben Milliarden Menschen, gegen Migranten, Ausländer etc. negativ kommentiert werden. Im gebrechlichen Alter werdet Ihr auf diese Menschen angewiesen sein!

NORBERT KARL 25.02.2013 17:01
Flötenspiel !

In Hamburg wurde letztens ein Mann zusammengeschlagen.
Und wissen Sie weswegen?
DER HATTE KEINE AUSREDE MEHR GEHABT !

DR. JUERGEN SOECHTIG 25.02.2013 17:09
Unterrichtsausfall lautet das Thema

.
Die älteren Herrschaften hier kennen den Unterrichtsausfall aus ihrer Schulzeit nur als Rarität. Heutzutage ist es das Hauptfach. Seltsamer Weise gibt es dafür im Zeugnis keine Benotung für die Schule.

Unverantwortlich dumme und ideologisch bornierte Bildungspolitiker vernichten den einzigen "Rohstoff", von dem wir in D leben: Bildung, Wissen und Technologie. Diese Überflieger begreifen einfach nicht, welchen Schaden sie anrichten.

Wer schafft eigentlich das Geld heran, wenn alle nur noch von H4 leben. Müssen dann wieder die Rentner in die Fabriken, da sie die einzigen sind, die dann noch Ahnung haben?

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HANS STEIN 25.02.2013 18:21
DR. JUERGEN SOECHTIG 25.02.2013 17:09

"Müssen dann wieder die Rentner in die Fabriken, da sie die einzigen sind, die dann noch Ahnung haben?"
Diese Kurzsichtigkeit gab es auch bei uns in der Firma. Beim Stellenabbau hat man nur auf die älteren (und erfahrenen) Jahrgänge geschaut. Jetzt suchen sie verzweifelt gut qualifizierte Leute und meinen, dass man die einfach so buchen kann.

Ja, Herr Dr., Sie müssen demnächst wieder früh aufstehen und 80 km zur Arbeit fahren oder Sie bekommen einen Strafabzug von Ihrer Rente. Eine Gesetzesvorlage soll es in Brüssel schon geben ;-)



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