PANORAMA
Youtube-Trend
Flensburg tanzt den "Harlem Shake"
Flensburg. Ein junger Mann steht mit einem Motorradhelm mitten auf dem Flensburger Südermarkt. Passanten gucken irritiert. Vor allem, als Musik erklingt und er heftig mit seinem Becken wippt. "Geht's dem noch gut?", könnte man sich fragen. Doch plötzlich tauchen immer mehr junge Tänzer auf. Teilweise in skurrilen Verkleidungen - ein Mädchen trägt einen gelben Overall und spielt auf einer Plastik-Gitarre, ein Mann mit Cowboy-Hut schwingt Laser-Schwerter durch die Luft. Alle springen und verrenken sich zu dem Elektro-Beat.
Was sich hier abspielt und bei den zufälligen Zuschauern entweder Kopfschütteln oder Lachen auslöst, nennt sich "Harlem Shake". Es ist ein Tanz, der um die Welt geht - ein Internet-Trend auf der Videoplattform Youtube, der nun auch Flensburg erreicht hat. Geplant hatten die Aktion der 17-jährige Nico Lefhalm (der Mann mit dem Helm) und der 21-jährige Tim Molter. "Wir haben eine Facebook-Gruppe gegründet und darin aufgerufen, an der Aktion teilzunehmen", sagt Molter.
Internet-Trend im Fernsehen gesehen
Molter wurde nicht durch das Internet auf den Trend aufmerksam, sondern durch das klassische Medium Fernsehen. "In den Nachrichten von ProSieben wurde über den ,Harlem Shake' berichtet", sagt Molter, "da dachte ich, das müssen wir auch machen."
In den Nachrichten erfuhr Molter auch, dass alles Anfang Februar startete: Vier junge Männer kommen auf die Idee, zu dem Lied "Harlem Shake" des New Yorker DJs Baauer zu tanzen und alles mit einer Kamera zu filmen. Dabei tragen sie bunte Ganzkörperkostüme. Als der Bass einsetzt und eine tiefe Stimme auffordert "Do the Harlem Shake", wird aus dem Tanz eine wilde Zappelei.
21 Millionen Klicks für das Original
Das Video findet im Internet viel Aufmerksamkeit: 21 Millionen Menschen haben es sich angeschaut. Und Hunderttausende ahmen es nach. Dabei hat sich eine feste Form der Darstellung und Inszenierung entwickelt: Die Videos sind etwa 30 Sekunden lang, erst tanzt nur eine Person, während alle anderen sich nicht davon ablenken lassen, nach 15 Sekunden gibt es einen Schnitt und es wird getanzt - je verrückter, desto besser.
Mehr als 200.000 Videos zum "Harlem Shake" gibt es auf Youtube mittlerweile. Täglich kommen Tausende neu hinzu. Damit macht der Tanz dem letzten Internet-Hype um den "Gangnam Style" des südkoreanischen Rappers Psy mächtig Konkurrenz.
In der Luft und unter Wasser
Der "Harlem Shake" verbreitet sich im Internet wie ein Virus. Die Symptome nehmen dabei kreative Formen an. Eine Gruppe tanzt während eines Fallschirmsprunges, eine andere in einem Schwimmbad unter Wasser - samt Fahrrad fahrendem Taucher. Kieler Sportstudenten rasten zu der Musik in einer Sporthalle aus. Der Flensburger "Harlem Shake" bleibt dagegen relativ blass. Kostümiert sind nur wenige und die Zahl der Teilnehmer ist auch gering, obwohl in der Facebook-Gruppe über 600 Tanzlustige ihr Erscheinen versprochen hatten. "Wir wollten eigentlich den größten ,Harlem Shake' Deutschlands erreichen", sagt Molter. Letztendlich kamen nur 30 Personen.
Zufrieden waren Molter und seine Freunde dennoch: "Es ging auch darum, einfach mal bei so einer Bewegung mitgemacht zu haben." Zwar haben sie in der Innenstadt für Aufmerksamkeit gesorgt, aber sie waren nicht die ersten Flensburger, die vom "Harlem Shake" infiziert wurden. An der Kurt-Tucholsky-Schule flippte man bereits vor einer Woche aus.
Anti-Bewegung will den Trend stoppen
So ist das mit Trends. Es dauert seine Zeit, bis sie überall angekommen sind. Auch in Zeiten des schnellen Internets. Und während auf dem Südermarkt noch getanzt wird, gibt es bereits die ersten Anti-Videos im Netz und Initiativen, die zum Boykott des Tanzes aufrufen. Der Journalist Björn Tantau von der Technologie-Zeitschrift "t3n" fragt sich in seiner Kolumne, ab wann ein viraler Trend weh tue. Das passiere dann, wenn das Ergebnis der Imitationen mehr und mehr an Qualität verliert.
Nach Informationen von shz.de planen weitere Flensburger, ein "Harlem Shake"-Video zu drehen: Die Sportstudenten der Universität. Das klingt nach Qualität.
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Bekanntermaßen stammt der Mensch vom Affen ab. Bei manchen Individuen scheint diese Nähe sehr ausgeprägt zu sein. Nun denn, jeder blamiert sich, so gut er kann!