PANORAMA
Blutspende
Die Nabelschnur als Lebensretter
Bentes Blut kann Leben retten. Stephanie Thor Straten und Stefan von Döhlen entschieden sich für eine Nabelblutspende. Foto: Emde
Kiel. Leben retten, mit Stammzellen, die sonst im Müll landen, das wollte auch Stephanie Thor Straten (35) und ihr Lebensgefährten Stefan von Döhlen (41). Als die Kielerin während ihrer Schwangerschaft von der Nabelschnurblutbank erfahren hat, gab es für die seit zehn Jahren bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) registrierte Frau kein Zögern. Stephanie Thor Straten: "Wir haben uns ausführlich informiert und wurden auch von unserer Hebamme sehr gut beraten. Wenn Bente jetzt so zum kleinen Lebensretter geworden ist, würde mich das freuen."
Bente kam am 5. Februar per Kaiserschnitt auf die Welt, von der Entnahme haben weder Baby noch Mutter etwas mitbekommen. Wann und wie wird die Nabelschnurblutspende gewonnen? Charlotte Lindner, Ärztin am Städtischen Krankenhaus, erklärt: "Das Kind wird geboren, natürlich oder per Kaiserschnitt. Erst nach der Abnabelung wird eine reguläre Blutprobe entnommen, um den Sauerstoffgehalt des Blutes zu bestimmen und bei einer Spende würde zusätzlich und kostenlos noch eine größere Menge entnommen." In 97 Prozent der Fälle landet jedoch das restliche Nabelschnurblut im Müll. Der Grund: "Das fehlende Wissen", sagt Lindner. Fast jede Frau, die beraten werde, entscheide sich für eine Spende.
Nicht jede Spende kann genommen werden
Doch nicht jede Spende kann auch genommen werden. Neben Störungen in der Schwangerschaft, Frühgeburten oder Infektionen ist auch eine zu geringe Menge Blut Ausschlusskriterium. Mindestens 60 Milliliter oder 200 Gramm Blut muss eine verwertbare Spende enthalten, da sonst die Zahl der Stammzellen zu gering für eine Transplantation ist. Wird so eine Spende im Städtischen Krankenhaus oder UKSH entnommen, wird sie gekühlt per Kurier sofort in die DKMS Nabelschnurblutbank nach Dresden gebracht, wo sie im aufwendigen Verfahren für eine mögliche Transplantation aufbereitet wird.
135 Spenden aus Kiel sind schon in Dresden eingetroffen, 62 allein in diesem Jahr. Die Zahl der Spendenbereitschaft ist dreimal so groß, erklärt Dr. Alexander Platz, ärztlicher Leiter in Dresden. Doch nicht jede Spende ist groß genug. Wie hoch der Bedarf in Deutschland ist, kann Platz nicht sagen. "Anders als bei Organspenden gibt es bei Leukämie, einer Stoffwechselerkrankung oder einem Immundefekt keine Warteliste, weil die Menschen einfach keine Zeit zum Warten haben." Deshalb betonen Bentes Eltern: "Wir können es nur jedem empfehlen und würden es beim zweiten Kind wieder tun."
Infomation: www.dkms-nabelschnurblutbank.de
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