PANORAMA

 

Mathe-Olympiade

Für die jungen Rechner ist der Weg das Ziel

05. Mai 2009 | Von Karin Lubowski

Schleswig-Holsteins Mathe-Olympioniken: Moritz Braun (Kronshagen), Fabian Thomsen (Kiel), Joshua Blöcker (Trittau), Olav Imsdahl (Eutin), Mathis Först (Glücksstadt), Niklas Moormann (Bargteheide), Alexander Osterkorn (Niebüll), Martin Väth (Quickborn), Annica Gosch (Kiel), Florian Tran (Kiel), Malte Lackmann (Neumünster), Johann Sawatzky (Glückstadt). Foto: Lubowski

Hauptstadt des Tüftelns, Knobelns und Kombinierens: Die Bundesrunde der Mathe-Olympiade fand in Lübeck statt.

Lübeck. Es denkt. Im Lübecker Johanneum brüten 193 Schülerinnen und Schüler aus den 16 Bundesländern über drei kniffligen Aufgaben. Viereinhalb Stunden lang. Bis morgen tüfteln sie sich durch den Bundesentscheid der 48. Mathematik-Olympiade. Es geht um die Teilnahme bei der Internationalen Mathe-Olympiade im Juli in Bremen. Mit dabei sind zwölf Mathe-Asse aus Schleswig-Holstein.

"Die Arznei macht kranke, die Mathematik traurige und die Theologie sündhafte Leute." Der Spruch stammt von Martin Luther und hat Jahrhunderte lang mathematische Kleingeister getröstet. Allerdings stimmt er nicht ganz und ist damit logischerweise falsch: Vom wahren Wesen der Mathematiker kann man sich dieser Tage im Johanneum, der deutschen Mathe-Arena 2009, überzeugen; traurig ist das offenkundig nicht. Im Foyer geht es laut und aufgeräumt zu, gerade ist eine von zwei viereinhalbstündigen olympischen Klausuren geschrieben.

300 Minuten Stillsitzen

Wie lief’s denn? "Ging so", sagt Mathies Först aus der 8. Stufe des Detlefsengymnasiums Glückstadt. Joshua Blöcker vom Gymnasium Trittau hat ein gutes Gefühl im Kopf. Viel anstrengender seien die 300 Minuten Stillsitzen gewesen, sagt er. Und der Glückstädter Oberprimaner Johann Sawatzky freut sich über einen "intelligenten Lösungsweg".

Deutlich unterrepräsentiert sind in dieser Bundesrunde die schleswig-holsteinischen Mädchen. Annica Gosch von der Kieler Käthe-Kollwitz-Schule ist das einzige. "Zufall", sagt sie. Vergangenes Jahr war das Geschlechterkonto mit fünf Mädchen zu sieben Jungen ausgeglichener.

Was hier zusammensteht und über Mathe redet wie andere Leute über Musik, sind herausragend Begabte, die sich von Schul-, über Kreis- und Landesausscheidungen hochgerechnet haben. Von denen muss keiner ans Pult gezwungen werden. "Die haben alle für diese Olympiade trainiert - mit Spaß trainiert", sagt Betreuer Hinrich Lorenzen, selbst Mathematiker und außerdem zuständig für die Ausbildung Schleswig-Holsteinischer Lehrer, die den Kindern ja die Lust an der Mathematik erhalten sollen. Wie so ein Training aussieht? "Man löst halt ähnliche Aufgaben", sagt Joshua nüchtern.

"Viele gute Mathematiker können nicht rechnen"

Mit Rechnen hat das hier so viel zu schaffen, wie das Abc mit den "Buddenbrooks". Es erleichtert die Arbeit ungemein. Allerdings: "Viele gute Mathematiker können nicht rechnen", sagt Lorenzen schmunzelnd. Wie in jedem gescheiten Matheunterricht zählt bei dieser Olympiade der Weg ohnehin mehr als das Ziel. Ein richtiges Ergebnis ohne Lösungsweg bringt einen von sechs Punkten; führt ein richtiger Weg zum falschen Ergebnis bringt das fünf Punkte.

Wer sich außer am Luther-Zitat an weiteren wohlfeilen Vorurteilen freut, nach denen Mathematiker wortkarge Sonderlinge seien, verrechnet sich auf alle Fälle: 193 mathematische Begabungen sehen genauso normal aus wie 193 Fußballspieler. "Und die sehen nicht nur so aus", sagt Lorenzen. "Die sind auch ganz normal." Stimmt. Nur die Gesprächsthemen sind gerade ziemlich speziell.

Morgen werden die Medaillen für die besten deutschen Mathe-Pennäler verliehen. Die Sieger messen sich dann mit den besten der Welt.


 

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