PANORAMA
Nach Sanierung
Die "Thor Heyerdahl" meldet sich zurück
Nach 20 Monaten wieder unter Segel: Die Thor Heyerdahl lief gestern zur ersten Tagestour nach der Sanierung aus. Foto: Nobis
Kiel. Nicht nur für Eigner und Kapitän Detlef Soitzek ein bewegender Moment, sondern auch für die Besatzung und die Söhne des Namensgebers. "Ein tolles Erlebnis. Endlich wieder segeln und die Kraft des Windes spüren", schwärmte Peter Liebich mit einem Blick in die Masten.
Seit August ist der Mainzer jeden Tag an Bord gewesen und hat die Arbeitsabläufe koordiniert. Mario Bregulla aus Bad Dürkheim hat die Sanierung vom ersten Werfttag an begleitet und kann noch gar nicht glauben, dass der Toppsegelschoner jetzt wieder unterwegs ist. "Wir realisieren erst jetzt so langsam, was da an Arbeit drin steckt", sagte Bregulla.
60.000 ehrenamtliche Arbeitsstunden
60.000 ehrenamtliche Arbeitsstunden sind protokolliert - insgesamt dürften es über 100.000 sein, schätzen die Helfer. "Man muss schon eine kleine Träne wegdrücken", gestand Dieter Lentfer, stellvertretender Vorsitzender des Trägervereins "Thor Heyerdahl".
Dem zollten auch die Söhne Heyerdahls, Björn und Thor junior, Respekt. "Unser Vater wäre glücklich gewesen zu sehen, was hier mit jungen Leuten gebaut wurde", erklärte Thor Heyerdahl jun., der zur Erinnerung an den historischen Moment zwei Nieten aus dem alten Rumpf geschenkt bekam. Er gestand, dass er es beim Mastsetzen im Dezember nicht für möglich gehalten habe, dass das Schiff bis zum Sommer wieder einsatzbereit sein würde und war umso mehr beeindruckt.
"Botschafter des Nordens"
Auch Landtagspräsident Martin Kayenburg, Schirmherr der Sanierung, räumte ein, angesichts der Finanzierung anfangs skeptisch gewesen zu sein. Mittlerweile sei er wie viele andere vom "Thor-Heyerdahl"-Virus infiziert und wünsche dem Jugendsegler, dass die Erfolgsgeschichte weitergehe, nachdem zwei Jahre dafür gekämpft wurde. Dem schloss sich Dr. Marc Gottschald, Geschäftsführer der Nordmetall Stiftung, an, die trotz anfänglicher Zweifel zu den Unterstützern des Projekts zählt. "Wir wollten die 'Thor Heyerdahl' als Botschafter des Nordens erhalten wissen", erklärte Gottschald. Außerdem habe ihn die ehrenamtliche Arbeit von so vielen Menschen aus ganz Deutschland fasziniert.
Bei aller Bewunderung für den Einsatz der jungen Helfer hob Schiffbauingenieur Klaus Herrling die Leistung des Eigners hervor. "Ohne ihn wäre es nicht möglich gewesen. Er ist über seine Grenzen hinaus gegangen, und ich bin heute zufrieden, dass er gesund ist", sagte Herrling. Soitzek selbst räumte ein, sich wie nach 40 Monaten Werft zu fühlen. Doch erst nach der Kieler Woche will er sich eine Auszeit gönnen. "Es ist noch einiges zu tun, und wir müssen bekannt machen, dass die 'Thor' endlich wieder fährt", sagte Soitzek.
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