PANORAMA

 

CO2-Umwandlung

Algen fressen Klimakiller

16. September 2009 | Von mlo

Wohin mit dem Klimakiller Kohlendioxid aus den Kraftwerken? Weltweit tüfteln Forscher an Methoden, um das Gas zu entschärfen.

Hamburg. In Hamburg sind Experten dabei jetzt nach eigenen Angaben einen großen Schritt vorangekommen. Nach einem Jahr Betrieb einer Pilotanlage zur Umwandlung von CO2 in Biomasse meldeten die Wissenschaftler gestern "mehr als viel versprechende Ergebnisse".

Auf dem Gelände des Erdgasspeichers von Eon Hanse in Hamburg werkelt ein winzig kleiner Helfer an der Lösung des Klimaproblems. Die Mikroalge "Chlorella vulgaris Hamburgensis" wandelt in den europaweit ersten Reaktoren dieser Art Kohlendioxid mit Hilfe von Sonnenlicht in Biomasse um. Einfach gesagt: Die Kleinstlebewesen ernähren sich vom Klimagas und produzieren daraus Sauerstoff sowie organische Stoffe. Die Algenkulturen werden dann als Biodiesel oder Biogas zu neuen Energieträgern. Das CO2 wird "gewissermaßen im Kreis gefahren. Die Forscher der Uni Hamburg schwärmen von ihrer Wunderwaffe: "Chlorella Vulgaris" vermehre ich unter optimalen Bedingungen bis zu zehnmal schneller als vergleichbare Rohstoffe wie Mais oder Raps.

"Es ist gelungen, die Lichtausnutzung um das Zehnfache zu steigern"

Die optimalen Bedingungen für die gefräßigen Mikroalgen herzustellen, ist das Hauptziel und auch das Hauptproblem der Testanlage. Die Fortschritte nach zwölf Monaten Praxis stimmen die Betreiber aber zuversichtlich. Es sei gelungen, die Lichtausnutzung um das Zehnfache zu steigern, berichtet E.on-Sprecher Ove Struck. "Mit einem neu entwickelten Photobioreaktor könne wir das volle Sonnenlicht nutzen." Und je mehr Licht umgewandelt wird, desto größer die Biomasse und desto wirtschaftlicher der ganze Prozess.

Zweiter Meilenstein der Hamburger Pioniere ist eine bessere Wachstumskontrolle der Algen. Ove Struck: "Neue wissenschaftliche Erkenntnisse machen es möglich, Mikroalgen auch unter klimatischen Bedingungen in Nordeuropa das ganze Jahr über im Freiland zu kultivieren." Bis 2013 soll weiter getestet werden. Die Stadt und E.on Hanse unterstützen das Projekt mit jeweils 500.000 Euro.


 

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