PANORAMA

 

Volle Biker-Action

Im Motorrad-Sattel durch Norwegen

27. Juni 2010 | Von Wenzel Pleil

Ein Abenteuer mit unvergleichlichen Eindrücken - das ist Norwegen für Motorradfahrer. sh:z-Redakteur Wenzel Pleil ist selbst 800 Meter in die Tiefe gerauscht.

Biker im Schnee: Sommerliche norwegische Hochgebirgsstrecke. Foto: Hartmann

Der liebliche Harz oder ein richtiges Abenteuer in Norwegen? Die Anreise ist in Kilometern gerechnet fast gleich lang. Um die 400 bis 480 Kilometer. Wer nach Norwegen will, der muss aber über den rund 100 Kilometer breiten Skagerrak. Das übernehmen dann vom norddänischen Hirtshals aus sehr bequem die hochmodernen Schnellfähren der ColorLine. Nach gut dreistündiger Fahrt mit allem Komfort ist man gegen 15.30 Uhr in Kristiansand auf norwegischem Boden. Das Abenteuer kann beginnen. Dann ist noch genügend Zeit, einige Stunden ins Landesinnere zu kurven. Hell ist es ohnehin sehr lange.

Um weiter in Richtung Norden zu kommen, bietet sich die malerische Fernverkehrsstraße Riksveg 9 an. Und das, was dann Südnorwegen an landschaftlichen Superlativen bereit hält, verschlägt nicht nur Bikern die Sprache. Von den oft geradezu dramatischen Streckenführungen bis hoch über die Schneegrenze und dann wieder steil hinab zu den Meeresfjorden ganz zu schweigen.

Übernachten für 25 Euro

Norwegen ist Bikerland. Die Natur ist hier sehr nahe, sehr mächtig. Wählt man zudem als Reisemonate Mai, Juni oder August, dann hat man in diesem riesigen, oft menschenleeren Land mit seinen mal gerade 4,9 Millionen Einwohnern die Straßen fast für sich alleine. Gleiches gilt für die zahlreichen einfachen Hütten mit meist vier Betten, in denen Reisende ohne großartige Voranmeldung für norwegische Verhältnisse kostengünstig (25 bis 80 Euro) die Nacht verbringen können. "Ledige Hytte" verkünden dann Schilder am Straßenrand. Schlafsack und Notration nicht vergessen! Juli ist Hauptsaison in Norwegen. Dann kann es schon etwas enger werden.

An sechs, genauer an fünfeinhalb Reisetagen mit dem Motorrad sind insgesamt locker 2000 Kilometer möglich - gute Kondition vorausgesetzt. Als nördlichster Punkt bei dieser Tour empfiehlt sich Kinsarvik am Sörfjord, einem Arm des gewaltigen Hardangerfjords, gegenüber des riesigen Folgefonn-Gletschers. Zurück geht es dann über Odda und Haukeligrend nach Rjukan, der schattigsten Stadt Norwegens. Von dort aus wieder südlich quer durchs Gebirge, vorbei am knapp 2000 Meter hohen Gaustatoppen nach Eidstod und schließlich Kristiansand. Dabei erlauben die meist sehr schmalen aber prima asphaltierten Straßen in Norwegen häufig nicht mal die erlaubte Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h. Zu kurvig, zu steil, zu eng sind oft selbst Hauptverkehrsstrecken. Umso mehr Spaß haben Biker.

Lyse wird zum Biker-Kult

Ist das Wetter gut, dann kommen Motorradfahrer an ihrem zweiten Norwegen-Tag kaum um einen längeren Abstecher (sechs bis acht Stunden) über das auch im Sommer mit viel Schnee garnierte Hochgebirge Sirdalsheiane zum Dörfchen Lyse am Ende des Lysefjords vorbei. Schon die Fahrt bis zum eigentlichen Highlight, dem Beginn des 800 Meter tiefen Abstiegs mit dramatischen Serpentinen auf engstem Raum runter zum Fjord, ist einfach nur atemberaubend. Lyse wird immer mehr zum Biker-Kult.

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