PANORAMA
Aufruhr um Hotel-Rechnung
Sylt-Urlaub beschert Wulff neuen Ärger
Westerland / Berlin. Das Telefon stand am Mittwoch nicht still bei Bernd Knochenhauer. Den ganzen Tag über musste der Direktor des "Hotel Stadt Hamburg" Fragen der Medien beantworten. Schließlich war seine Nobelherberge in Westerland schlagartig zum Schauplatz eines weiteren Kapitels in der nicht enden wollenden Affäre um Bundespräsident Christian Wulff geworden. "Natürlich sind wir darüber nicht begeistert. Wir werden in eine Sache reingezogen, für die wir nichts können", stellte Knochenhauer im Gespräch mit unserer Zeitung klar.
Es geht um einen umstrittenen Kurzurlaub Wulffs auf Sylt im Herbst 2007, über den die "Bild"-Zeitung berichtete. Den viertägigen Aufenthalt im "Hotel Stadt Hamburg" hatte der Filmunternehmer David Groenewold für den damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten und dessen spätere Frau Bettina gebucht und bezahlt. Groenewold war zu der Zeit selbst Gast in dem Hotel. Wulffs Anwalt Gernot Lehr sagte, Groenewold habe die Kosten von 258 Euro pro Nacht lediglich ausgelegt – sein Mandant habe das Geld für die drei Nächte später in voller Höhe bar zurückbezahlt.
"Falls Bild oder Spiegel anruft, wir wissen von nichts"
Richtig pikant wird die Sache dadurch, dass Groenewold möglicherweise versucht hat, den Vorgang zu vertuschen. Hoteldirektor Knochenhauer bestätigte jedenfalls, dass Groenewold am 16. Januar dieses Jahres in seinem Haus angerufen und gebeten habe, ihm eine Kopie von den Belegen des damaligen Aufenthalts zuzuschicken. "Aber wir schicken solche Rechnungen nicht einfach raus. Da könnte ja jeder anrufen." Groenewold reiste daraufhin persönlich an und quartierte sich für die Nacht vom 19. auf den 20. Januar im Hotel ein – und erhielt die von ihm gewünschten Belege.
Der Unternehmer verpflichtete die Leitung des Hotels und deren Angestellte zu Stillschweigen über den Vorgang. In Notizen des Hotel-Personals, die "Bild" abdruckte, heißt es: "Herr David Groenewold hat gestern angerufen, wir sollen keine Infos über ihn rausgeben! Er war 2007 mit Herrn Wulff im HSH und hat den gesamten Aufenthalt übernommen. Falls also Bild oder Spiegel anruft, wir wissen von nichts." Knochenhauer stellte klar, dass Diskretion eine Selbstverständlichkeit für sein Hotel sei. Aber: "Wir vernichten oder vertuschen nichts."
Vorwurf der Vertuschung
Wie der interne Vermerk an die Presse gelangen konnte, ist auch dem Hoteldirektor ein Rätsel. Man werde entsprechende Nachforschungen anstellen, erklärte Knochenhauer. Das Hotel beschäftigt in der Hauptsaison rund 100 Mitarbeiter, außerhalb der Saison zwischen 85 und 90.
Groenewolds Anwalt Christian-Oliver Moser verwahrte sich gegen den Vorwurf der Vertuschung. "Es gab nicht mal ansatzweise den Versuch meines Mandanten, etwas zu vertuschen", sagte er. Auch habe Wulff die drei Nächte im Herbst 2007 gar nicht direkt vor Ort bezahlen können, weil sie von Groenewold über einen Reiseveranstalter gebucht worden waren. Die Bezahlung sei über Gutscheine erfolgt, erklärte Moser.
Beziehung zum Freund Groenewold für Wulff zunehmend problematisch
Wulff selbst wusste nach Angaben seines Anwalts Lehr nichts davon, dass Groenewold im vergangenen Monat das Hotel aufgesucht und auf Verschwiegenheit gedrängt hat. "Christian Wulff hielte eine solche Vorgehensweise in jeder Hinsicht für falsch", erklärte Lehr. Die Staatsanwaltschaft Hannover will den Urlaub auf Sylt genau prüfen. Neu sei vor allem, dass versucht wurde, Belege zur Seite zu schaffen, sagte Oberstaatsanwalt Hans-Jürgen Lendeckel.
Die Beziehung zu seinem Freund Groenewold wird für den Bundespräsidenten zunehmend zum Problem. Auch bei einem weiteren gemeinsamen Sylt-Urlaub im August 2008 soll der Filmproduzent zuerst bezahlt, dann aber das Geld für die Ferienwohnung (1540 Euro) bar wiederbekommen haben. Und im selben Jahr soll er beim Münchner Oktoberfest ein 400-Euro-Upgrade für eine Suite im Fünf-Sterne-Hotel "Bayerischer Hof" für das Ehepaar Wulff bezahlt haben.
Für SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann sind die jüngsten Vorwürfe „ein Fall für die Staatsanwaltschaft“. Groenewold habe den damaligen Ministerpräsidenten Wulff offenbar "gefällig gefördert". Der Unternehmer hatte 2007 in Hannover einen Ableger der Odeon Film AG gegründet. Waterfall Productions soll nach "Bild"-Angaben eine Millionen-Bürgschaft des Landes Niedersachsen erhalten haben. Dies dementierte Wulffs Anwalt Lehr allerdings.
Hoteldirektor Knochenhauer hofft, dass sein Haus bald wieder aus den Schlagzeilen kommt. Er sagt: "Ich habe nicht zu verantworten, wer was bezahlt."
Leserkommentare
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Jeder kann es bei Google nachlesen wenn ihn die Vergangenheit der Präsidentengattin interessiert.
Aber dem SHZ passt dies wohl nicht, kurzerhand wurde mein Beitrag gelöscht.
Soviel zum Thema Meinungsfreiheit.