PANORAMA
Sternstunde in Hoisdorf
"Lyra-3"-Auszeichnung für den Feuerwehrmusikzug
Drei Sterne für den Feuerwehrmusikzug Hoisdorf: Das gab es noch nie in Schleswig-Holstein. Der der musikalische Leiter Jürgen Stache (vorn) freut sich mit seinem Orchester. Foto: lubowski
Hoisdorf. "Lyra" heißt die dreistufige musikalische Leistungsbewertung des Landesfeuerwehrverbandes Schleswig-Holstein, mit der die Qualität der Musikzüge gemessen werden kann. 154 Musikzüge hat das Land - und seit diesem Wochenende einen Superstar: Als erster Musikzug überhaupt erkämpfte sich Hoisdorf den dritten Stern am Feuerwehr-Himmel.
Ein Dorf ist auf den Beinen. Hoisdorf ist eine 3420 Einwohner starke Gemeinde im Kreis Stormarn - ruhig, verschneit und überschaubar, aber an diesem ersten März-Wochenende ein Mekka der Wehrkultur, und ihr Herz schlägt in der prall gefüllten Sporthalle. Vorstandsmitglieder des Landesfeuerwehrverbandes sitzen hier in der ersten Reihe, Musikreferenten, der Bürgermeister, Honoratioren. Auf der Bühne haben 39 Musikerinnen und Musiker Platz genommen, ganz links mit Horn wie seit 32 Jahren dabei der Hoisdorfer Wehrführer Olaf Stolt und vorn am Pult der musikalische Leiter Jürgen Stache. Der hat seinen Musikzug schon zu den ersten beiden Sternen aus Lyra 1 und 2 geführt, die den Musikern nun groß und anfeuernd im Rücken hängen. Eine Lücke klafft zwischen den beiden, Platz für einen dritten Stern...
Dass ihnen das Zeug zu kulturellen Überflügen im Blut steckt, beweist der Musikzug Hoisdorf mit seinen rappelvoll besetzten Frühjahrskonzerten seit Jahren. Aber heute? Drei Juroren haben scharfe Augen und beinharte Bewertungspunkte: "Antreten und Meldung" wird ebenso beurteilt wie die "Lyra 3"-entscheidenden Faktoren "Aufstellung eines Konzertprogramms" und "Durchführung eines öffentlichen Konzerts". Zwischendrin überzeugen die Prüfer sich vom ordnungsgemäßen Zustand von Uniformen, Notenmaterial und Instrumenten.
Bleibt da noch Sinn für Musik - und wenn ja: für welche? Er bleibt und wird zunehmend befeuert. Der Zug startet mit dem Marsch "Per Aspera ad Astra" und arbeitet sich vor durch die Jahrhunderte, erreicht einen ersten Höhepunkt mit dem Vilja-Lied aus Lehars "Lustiger Witwe" und zeigt hier gleich mal, dass nicht nur die RTL-"Superstar"-Sucher wissen, wie man Publikum bezirzt, sondern auch eine gewiefte Band aus Stormarn. Die hat sich für ihre Gesangsstücke die 26 Jahre alte Anna Stolze, Frau des Schlagzeugers Stephan, zur Verstärkung geholt. Sie studiert eigentlich Grundschulpädagogik in Hamburg und singt "nur so für mich", hat aber eine Stimme, die auch Dieter Bohlen als "hammermäßig" bezeichnen würde. Die Hoisdorfer Zuhörer sind geradezu fassungslos. Als Anna mit Whitney Houstons "Bodyguard"-Song "I Will Always Love You" nachlegt, kocht der Saal. Die Stimmung wird mit Bert-Kämpfert-Melodien und einem Potpourri der "Comedian Harmonists" am Brodeln gehalten. 17 Stücke stehen insgesamt auf dem Abendprogramm, für jeden Geschmack etwas.
Eigentlich, so ist die Stimmung im Saal, kann nichts mehr schief gehen. Die FF-Offiziellen sind schon zur Halbzeit bester Laune, Bürgermeister Dieter Schippmann mehr als zuversichtlich. Eltern, Großeltern, Onkel und Tanten der Musiker fiebern dennoch dem Ergebnis entgegen. Das wird nach mehr als drei Stunden endlich verkündet: Nicht gut, sondern sehr gut hat der Hoisdorfer Musikzug die Leistungsschau bestanden, die Stimmung schäumt ihrem Höhepunkt entgegen, der dritte Stern wird gehisst, Dankesworte gesprochen. Der Bürgermeister strahlt. Plattenverträge wie Dieter Bohlen haben weder er noch der Landesfeuerwehrverband zu vergeben, aber einen Spritzer für die Kameradschaftskasse: 750 Euro insgesamt.
Natürlich wollen die Hoisdorfer Zugaben. Eine sei noch drin, sagt Dirigent Stache. Dann ist Schluss. "Meine Musiker haben Durst." Und während in Köln "Superstar"-Aspirant Nelson Sangare die Runde der letzten Acht verlassen muss, feiern die Hoisdorfer den besten Musikzug des Landes. Eine Sternstunde.
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