PANORAMA

 

Sexueller Missbrauch

Kirche will "offensive Debatte"

10. Februar 2011 | Von Kay Müller

Mediziner, Pädagogen, Theologen - sie treffen sich im März in Schleswig. Ihr Thema: "Sexueller Missbrauch in Institutionen und Familie".

Schleswig. Die Liste ist lang: Ahrensburg, Hamdorf, Bünsdorf, Lütjensee. Nicht nur dort hat es in den vergangenen Jahren und Monaten Vorwürfe und Fälle von sexuellem Missbrauch in der Kirche gegeben. Und noch immer sind nicht alle Taten geklärt. "Offensiv" müsse man die Debatte darüber führen, sagt Gothart Magaard, Bischofsbevollmächtigter im Sprengel Schleswig und Holstein. Und ein Teil der Debatte ist das medizinisch-theologische Kolloquium "Sexueller Missbrauch in Institutionen und Familie", das am 5. März im Schlei-Klinikum in Schleswig stattfinden wird. Dort sollen sowohl medizinische, pädagogische, psychologische, juristische als auch medienpolitische Aspekte thematisiert werden. Dazu wird eine Schauspielerin zum Einstieg ins Thema aus einem Erfahrungsbericht einer Betroffenen lesen, um die "Opferseite nicht zu vernachlässigen", wie Organisatorin Inke Asmussen vom Schlei-Klinikum sagt. Fachleute wie Laien sind beim Kolloquium willkommen, denn das Thema Missbrauch sei ja "sehr aktuell", so Magaard. Man habe schon überdurchschnittlich viele Anmeldungen vorliegen.

Es herrsche viel Verunsicherung bei Pastoren und Gemeindemitgliedern im Land, so Magaard. "Viele fragen sich, ob sie überhaupt noch einmal einen Jugendlichen in den Arm nehmen dürfen."

Problem wird weitergegeben

In allen Bereichen der Gesellschaft gebe es Missbrauch, erklärt Dr. Arndt Michael Oschinsky, Ärztlicher Direktor des Schlei-Klinikums. Betroffen seien sowohl Männer wie Frauen. "Und rund 80 Prozent der Täter, die in unserer Forensik therapiert werden, sind als Kinder selbst Opfer sexueller Gewalt geworden." Das Problem könne also an Jüngere weitergegeben werden.

Eine weitere Dimension zeige, dass laut aktueller Studien rund acht Prozent der 15-jährigen Mädchen bereits einen Selbstmordversuch hinter sich hätten. "Und vieles spricht dafür, dass bis zu einem Drittel davon Opfer von sexueller Gewalt geworden sind."

(ky, shz)

Das Kolloquium findet am 5. März von 10 bis 16 Uhr im Kasino Stadtfeld im Schlei-Klinikum Schleswig statt. Anmeldung und Information unter Tel.: 04621/83-0.


 

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