HOLSTEINISCHER COURIER
Symbolische Trauer-Zeremonie
Im Landeslabor geht es um die Wurst
Trauerzug durch die Gartenstadt: Zu der Titelmelodie aus "Spiel mir das Lied vom Tod" begleiteten gestern 140 schwarz gekleidete Beerdigungsgäste einen großen Sarg zum Landeslabor.
Neumünster. Die Inszenierung war perfekt. Vorneweg der Sensenmann, dahinter die Sargträger, denen zu der Melodie aus "Spiel mir das Lied vom Tod" 140 schwarz gekleidete Beerdigungsgäste folgten. Die Belegschaft des Landeslabors trug gestern Mittag - genau um 5 vor 12 - in einer symbolischen Trauer-Zeremonie alle jene Aufgaben zu Grabe, die unter dem Druck stark gekürzter Landeszuschüsse als gefährdet gelten.
Das Landeslabor als einzige Einrichtung ihrer Art in Schleswig-Holstein hat in den vergangenen Jahren bereits Kürzungen hinnehmen müssen (der Cou rier berichtete). Die Anzahl der Vollzeitstellen ist seit 2006 von 220 auf aktuell 185 zurückgegangen, alle Zeitverträge sind aufgekündigt. "Wir sind am Ende der Fahnenstange angelangt", erklärte gestern der Tierarzt und Personalratsvorsitzende Dr. Christof Ostheimer bei der Trauerrede: "So geht es nicht weiter."
"Salmonellen" und "Pestizide", "Schweinepest" und "Schwermetalle"
Nach Plänen der Landesregierung aber wird der Etat weiter deutlich heruntergeschraubt, die Zahl der Planstellen bis 2012 weiter auf 165 reduziert. Kiel setzt dabei auf höhere eigene Einnahmen des Labors, mit denen die teuren Untersuchungen bezahlt werden sollen.
"Salmonellen" und "Pestizide", "Schweinepest" und "Schwermetalle", "Tuberkulose" und "Tollwut" stand auf den Plakaten, die die Trauergemeinde mit sich führte und öffentlich einsargte. Das Landeslabor gleich neben dem Gelände der Holstenhallen ist etwa für die rechtzeitige Tierseuchenerkennung zuständig, für die Futtermittel- und Arzneimittelkontrolle, die Lebensmitteluntersuchung, die Wasser- und Bodenanalyse, die mikrobiologische Kontrolle und auch für das Aufspüren radioaktiver Substanzen. Die von Berlin und Brüssel vorgeschriebenen Aufgaben wachsen eher, als dass sie schrumpfen.
"Natürlich können wir nicht alles machen, was wir vorher gemacht haben"
Verdi-Geschäftsführerin Almut Auerbach appellierte denn auch an die Politiker, für eine ausreichende finanzielle Ausstattung des Labors zu sorgen. Denn: "Qualität hat seinen Preis." Der SPD-Landtagsabgeordnete Andreas Beran warnte bei der Trauerfeier: "Das ist wie mit der Feuerwehr: Die Arbeit des Landeslabors darf man nicht nur betriebswirtschaftlich betrachten." Seine Kollegin Ranka Pranke (Linke) ergänzte: "Wir Verbraucher brauchen dieses Labor."
Matthias Hoppe-Kossak als Direktor des Landeslabors versprach gestern gegenüber dem Courier, dass es "keinen Verzicht auf gesetzliche Aufgaben" geben werde. Auch mit 165 Planstellen "trauen wir uns einiges zu". Hoppe-Kossak musste aber auch einräumen: "Natürlich können wir nicht alles machen, was wir vorher gemacht haben."
Das befürchtet auch Ostheimer. Nach seinen Worten kann man mit der sprichwörtlichen Rasenmäher-Methode oder der Streichung ganzer Bereiche auf das Finanzloch reagieren. Oder man müsse, als dritte Möglichkeit, die Tiefe der Untersuchungen verringern. Ostheimer wörtlich vor der Trauergemeinde: "Das wollen wir nicht. Da sind wir anders gestrickt."
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